Kochs Rücktritt überrascht die CDU im Bund und in Hessen

25. Mai 2010, 15:37
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Innenminister Bouffier folgt als Ministerpräsident

Wiesbaden/Berlin - Wechselt er in die Wirtschaft? Hatte er Streit mit Kanzlerin Angela Merkel? Ist er ernsthaft erkrankt? Als die Deutsche Presseagentur am Dienstag Vormittag den Rücktritt des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch und CDU-Vizechefs meldete, waren sofort unzählige Gerüchte im Umlauf.

Zwar hatte Koch anlässlich seines 50. Geburtstags vor zwei Jahren erklärt, er wolle nicht ewig Politik machen. Doch sein Rückzug zum jetzigen Zeitpunkt kam völlig überraschend, auch für Parteikollegen in Land und Bund.

Zu Mittag löste Koch das Rätsel auf einer Pressekonferenz. "Politik ist nicht mein Leben" , sagte er. Sein Ziel, eine stabile bürgerliche Mehrheit in Hessen zu etablieren, sei erreicht. Jetzt sei er "in einem Alter, wo man noch einen neuen Lebensabschnitt beginnen kann" .

Sowohl seine Familie als auch Merkel seien seit einem Jahr über seine Pläne informiert. Und diese sehen so aus: Koch legt im Juni sein Amt als CDU-Chef in Hessen nieder, am 31. August zieht er sich als Ministerpräsident zurück, auch sein Landtagsmandat gibt er ab. Im November wird er beim Parteitag der Bundes-CDU nicht mehr als Vizevorsitzender kandidieren. Nach einigen Monaten Pause will Jurist Koch sich dann in der Privatwirtschaft engagieren.

Koch regiert Hessen seit 1999, er ist eines der letzten konservativen CDU-Schwergewichte. Viele seiner Aussagen haben Deutschland polarisiert. So organisierte er 1999 eine Unterschriftenkampagne gegen die von Rot-Grün eingeführte doppelte Staatsbürgerschaft.

Im Wahlkampf 2008 forderte er die Abschiebung krimineller Jugendlicher. Zuletzt hatte er verlangt, Deutschland müsse auch bei Bildungsausgaben sparen. Dafür wurde er von Merkel öffentlich zurechtgewiesen. Im Jänner 2000 hätte ihn die Spendenaffäre der hessischen CDU fast das Amt gekostet. Damals waren illegale Spenden als "Vermächtnisse" jüdischer Mitbürger getarnt worden. Kochs Nachfolger wird der hessische Innenminister Volker Bouffier (CDU). (DER STANDARD, Printausgabe 26.5.2010)

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    Roland Koch war seit 1999 Ministerpräsident in Hessen.

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