Erstgespräch fällt gut aus

25. Mai 2010, 10:13
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Therapeuten nehmen sich im Schnitt eine Stunde Zeit für die erste Beratung - Hürden bei der Kontaktaufnahme

Wien - Der Verein für Konsumenteninformation hat in Kooperation mit dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger das Erstgespräch von 28 im Zufallsverfahren ausgewählten Psychotherapeuten in Wien und Tirol unter die Lupe genommen. Erhoben wurden unter anderem die Kosten, die Gesprächsdauer, die verständliche Erklärung der Therapiemethode sowie die Aufklärung über Arbeitsstil, Therapieziel und Honorar. Die Bewertung der zwei getesteten Szenarien - Beziehungsprobleme und mögliche Angststörung - fällt weitgehend positiv aus. So nahmen sich etwa die Therapeuten im Schnitt rund eine Stunde Zeit für das Erstgespräch. Auch die Kosten der Behandlung wurden meist offen kommuniziert. Als Hürde entpuppte sich dagegen in vielen Fällen die Kontaktaufnahme, wie das Testmagazin "Konsument" ab dem 27.5. in der Juni-Ausgabe zeigt.

Das Erstgespräch geht üblicherweise der eigentlichen Therapie voran, um sich kennen zu lernen und um abklären zu können, ob man ein Vertrauensverhältnis aufbauen kann. Es dient zudem der Information zum organisatorischen Ablauf, den Kosten und der Therapiedauer. Das Ergebnis: Von 23 Wiener Therapeuten wurden 2 sehr gut, 14 gut, 5 durchschnittlich und 2 weniger zufriedenstellend beurteilt. Von den fünf getesteten Tiroler Psychotherapeuten erhielten 3 ein sehr gut und 2 ein gut. Unterschiede gibt es vor allem in der Bewertung der beiden Szenarien: So kam ein Großteil der Therapeuten mit der möglichen Angststörung, die eine Therapie in Aussicht stellte, besser zurecht als mit dem Beziehungsproblem.

Mangelhafte Psychotherapeutenlisten

Minuspunkte gab es zum Teil in puncto Kontaktaufnahme. Diese wurde etwa durch Anrufbeantworter ohne Ansage oder mehrtägige Wartezeiten auf einen Rückruf erschwert. "Im Test hat sich gezeigt, dass Therapeuten etwa zehn Minuten vor der vollen Stunde am besten erreichbar sind", informiert VKI-Projektleiterin und Gesundheitsexpertin Angela Tichy. Auch fehlerhafte Therapeutenlisten können sich als Hürde erweisen, wie sich im Vorfeld des Tests herausstellte: sowohl die offizielle Psychotherapeutenliste des Bundesministeriums für Gesundheit als auch das Internetverzeichnis PsyOnline wiesen Fehler auf.

Die Kosten des Erstgespräches reichten im Test von null bis 120 Euro. "Manche Therapeuten bieten Sozialtarife an. Hier lohnt es sich, bereits bei der Anmeldung nachzufragen", so Tichy. (red)

  • Ein Großteil der Therapeuten kam mit der möglichen Angststörung, die eine Therapie in Aussicht stellte, besser zurecht als mit einem Beziehungsproblem.
    foto: standard/matthias cremer

    Ein Großteil der Therapeuten kam mit der möglichen Angststörung, die eine Therapie in Aussicht stellte, besser zurecht als mit einem Beziehungsproblem.

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