Tote bei Gefechten wegen Drogenboss in Kingston

25. Mai 2010, 15:56
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Mehr als 1.000 Polizisten und Soldaten im Einsatz - Bandenchef verbarrikadierte sich - Ausnahmezustand über Teile der Haupstadt

Kingston - Mehr als 1.000 jamaikanische Polizisten und Soldaten haben einen Stadtteil von Kingston gestürmt, in dem sich ein auch von den USA gesuchter mächtiger Drogenboss verschanzt hat. Die Sicherheitskräfte rückten am Montagabend in den Bezirk Tivoli Gardens ein, der als Hochburg des mutmaßlichen Waffen- und Drogenhändlers Christopher "Dudus" Coke gilt. Sporadisch waren Schüsse zu hören. Auslöser der Kämpfe war die Ankündigung, Coke an die USA auszuliefern.

Ausnahmezustand über Teile der Haupstadt

Die Regierung hatte den Ausnahmezustand über Teile der Hauptstadt verhängt, das US-Außenministerium gab eine Reisewarnung für den Großraum Kingston heraus. Die Karibik-Insel Jamaika ist ein beliebtes Urlaubsziel von Touristen aus den USA und Europa. Die Spannungen auf der Insel hatten bereits im Laufe der vergangenen Woche zugenommen, nachdem Ministerpräsident Bruce Golding angekündigt hatte, das Auslieferungsverfahren für den Drogenboss Christopher "Dudus" Coke auf den Weg zu bringen. Die USA beschuldigen ihn des Kokain- und Waffenhandels. Der Staatsanwaltschaft zufolge ist Coke der Anführer der berüchtigten Verbrecherorganisation "Shower Posse", die während der Drogenkriege der 1980er Jahre Hunderte Menschen ermordete.

Schießereien auch in anderen Städten

Starke Armee- und Polizeieinheiten begannen am Montag mit der Erstürmung des Stadtviertels Tivoli Gardens, in dem sich der mutmaßliche Gangsterboss Coke (41) verschanzt hat. Wie lokale Medien am Montagnachmittag (Ortszeit) berichteten, waren in den Straßen des Viertels schwere Explosionen zu hören und Rauchschwaden zu sehen. Cokes Anhänger versperrten die Zufahrten zu Tivoli Gardens unweit des Stadtzentrums mit Barrikaden, sie verschanzten sich auch auf den Dächern der Häuser des Viertels und beschossen die angreifenden Sicherheitskräfte. Inzwischen griffen die Unruhen auch auf die zur Metropolenregion zählenden Stadt Spanish Town über, wo am Morgen die Polizeiwache beschossen wurde. Auch aus anderen Stadtteilen wurden Schießereien gemeldet. 

Jamaikas Vize-Polizeichef spricht von "Krieg" mit Kriminellen

Polizei und Armee haben immer mehr Mühe, die Lage unter Kontrolle zu halten. Der stellvertretende Polizeichef Glenmore Hinds sprach am Montag (Ortszeit) von einem "Krieg" gegen die Banden.

Nach Angaben des Sicherheitsministers Dwight Nelson wurden drei Bandenmitglieder und ein Soldat getötet. Zudem gebe es bisher unbestätigte Hinweise auf weitere Tote unter Zivilisten, sagte Nelson. Mehrere mutmaßliche Bandenmitglieder seien im Tivoli-Viertel festgenommen worden, Coke sei allerdings nicht darunter. Während des Einsatzes erschütterten Explosionen das Wohngebiet, Rauchwolken standen über den Dächern. Die Polizei forderte die Einwohner der Hauptstadt auf, in ihren Häusern zu bleiben. Die US-Botschaft stellte bis auf weiteres alle nicht zwingend erforderlichen Dienste ein.

Die USA wollen Coke den Prozess machen und fordern seine Auslieferung. Das US-Justizministerium bezeichnete ihn als einen der "weltweit gefährlichsten" Drogenbarone. Coke soll seit 1990 einen international agierenden Drogenring namens The Shower Posse anführen, der laut US-Ermittlern Marihuana und Crack vor allem in den Großraum New York liefert. Im August wurde Coke in den USA formell angeklagt. Im Falle einer Auslieferung und Verurteilung droht ihm eine lebenslange Haftstrafe. Coke hat in Jamaika jedoch zahlreiche Unterstützer. (APA)

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    Polizisten und Soldaten stürmten ein Armenviertel der Stadt.

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    Ausnahmezustand in Kingston

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