Verbündete gehen auf Distanz zu Kim

25. Mai 2010, 20:12
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Mit dem Besuch von Premier Wen Jiabao in Seoul signalisiert China in der Korea-Krise Distanz zu Nordkorea

Staatschef Kim Jong-il hat die Armee in Kampfbereitschaft versetzt.

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Nordkorea hat sich mit der Torpedierung eines südkoreanischen Kriegsschiffes weltweit isoliert und verliert nun auch noch die Unterstützung seiner - mit Abstufungen - beiden letzten politischen Verbündeten China und Russland. Beide Staaten kündigten an, sich mit Südkoreas Staatschef Lee Myung-bak über eine internationale Reaktion zu dem kriegerischen Akt Nordkoreas beraten zu wollen, dessentwegen Südkorea den UN-Sicherheitsrat anrufen will.

US-Außenministerin Hillary Clinton reist am heutigen Mittwoch nach Seoul. Chinas Premier Wen Jiabao werde am Freitag folgen, sagte Clinton. Sie sprach auf einer Pressekonferenz in Peking zum Abschluss des zweitägigen US-China-Dialogs, der von der Koreakrise überschattet wurde. "Wir wollen beide zusammenarbeiten, um auf die nordkoreanische Provokation eine Antwort zu finden" , sagte Clinton. Sie nannte keine Details, wie beide Staaten weiter verfahren wollen und ob sie sich über Sanktionen einig sind: "Ich werde mich mit Premier Wen in den kommenden Tagen weiter besprechen." Während ihrer Gespräche in Peking hatte Clinton gesagt, dass die "USA und China die Bewahrung von Sicherheit und Frieden als eine von beiden geteilte Verantwortung ansehen" .

Die Zusammenarbeit mit China habe sich auch im Fall des Iran bewährt, ergänzte sie am Dienstag vor der Presse. "Wir sind erfreut über die Kooperation mit China, die wir dabei erfahren konnten." Sie habe dazu geführt, dass sich der Sicherheitsrat mit der iranischen Atomfrage befasst. Irans jüngsten Vorschlag zur Urananreicherung im Ausland und den Brief Teherans an die IAEO bezeichnete Clinton als unzulänglichen Versuch, die Flucht nach vorn anzutreten.

"Das richtige Signal"

Schon am Dienstag schickte Peking bereits seinen Vizeaußenminister und Chefunterhändler für Korea, Wu Dawei, nach Seoul zur Vorbereitung der Reise von Premier Wen. Neben Peking sagte auch Russlands Staatspräsident Dmitri Medwedew in einem 20-minütigen Telefongespräch dem südkoreanischen Staatschef Lee Unterstützung für dessen Strafmaßnahmen gegen Nordkorea zu, meldete Südkoreas Nachrichtenagentur Yonhap. Sie zitierte Seouls Regierungssprecher. Medwedew habe demnach Lee gesagt, dass Russland "versucht, Nordkorea das richtige Signal weiterzuleiten, um Frieden und Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel zu erhalten" .

Bis Dienstag Nacht gab es keine direkte Reaktion Nordkoreas auf die Bemühungen der USA, Chinas und Russlands, sich mit Lee auf ein gemeinsames Vorgehen zu verständigen. Nordkoreas Staatschef Kim Jong-il ließ aber seine Armee am Dienstag in Kampfbereitschaft versetzen. Er ordnete zugleich an, dass sie im Konfliktfall nicht zuerst angreifen dürfe.

Sonderwirtschaftszone Kaesong

Am Mittwoch hat Nordkorea laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap auch die südkoreanischen Vertreter in der Sonderwirtschaftszone Kaesong im Grenzgebiet der beiden Länder nach Hause geschickt. In Keasong liegen 110 südkoreanische Betriebe, etwa 42,000 nordkoreanischen Arbeiter werden dort beschäftigt.

Der von Südkoreas Präsident als Strafmaßnahme verfügte fast vollständige Stopp des innerkoreanischen Wirtschaftsverkehrs und Handels wird Nordkorea 2010 nach südkoreanischen Berechnungen rund 250 Mio. US-Dollar und rund 40.000 Arbeitsplätze kosten. Einziger nennenswerter Wirtschaftspartner bleibt China. (red/DER STANDARD, Printausgabe 26.5.2010)

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    Kim Jong-il besucht die Generäle der Volksarmee. Das Bild wurde im April dieses Jahres von der nordkoreanischen Nachrichtenagentur veröffentlicht.

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