Linzer Westring auf dem Pannenstreifen

24. Mai 2010, 21:14
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Das Autobahnprojekt Linzer Westring wird vom Verkehrs­ministerium auf seine Sinnhaftigkeit überprüft - Die Grünen hoffen, dass der zu erwartende Transitverkehr zu einer Neubewertung der UVP führt

Linz - Jetzt hat es das Land Oberösterreich auch schwarz auf weiß: Das Autobahnprojekt Linzer Westring steht auf dem Prüfstand. Auf eine schriftliche Anfrage von Umweltlandesrat Rudi Anschober (Grüne) bestätigte Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ): "Zu ihrer Anfrage (...) kann ich Ihnen mitteilen, dass die Evaluierung al- ler großen Verkehrsinfrastruktur-projekte selbstverständlich auch die A26 Linzer Autobahn umfasst." Bereits Mitte März hatte der Standard berichtet, dass wegen Mindereinnahmen bei der Maut und dem Sparbudget der Regierung alle Asfinag-Projekte, auch bereits laufende Bauvorhaben, erneut auf ihre Sinnhaftigkeit und Nachhaltigkeit evaluiert werden.

Die geplante Linzer Stadtautobahn zählt dabei zu einem der teuersten Projekte. Allein für den ersten Bauabschnitt, den zum Großteil unterirdisch verlaufenden Südteil mit vierter Donaubrücke, rechnet die Asfinag mit Kosten von 527 Millionen Euro. Insgesamt soll die Autobahn 8,5 Kilometer lang werden und mehr als eine Milliarde Euro kosten. Schon 2007 hatte die Asfinag-Bau-Tochter eingeräumt: Der Westring sei "wie alle Stadtautobahnen extrem teuer, aber für das hochrangige Straßennetz Österreichs nicht essenziell".

Das Land Oberösterreich und die Stadt Linz halten den Bau aber für unverzichtbar, um die bestehende A7 (Mühlkreis-Autobahn) und die Straßen im Linzer Stadtgebiet zu entlasten. An Werktagen pendeln täglich 40.000 Mühlviertler in den Großraum Linz. Allein der 4,3 Kilometer lange Südabschnitt der neuen A26 würde laut Magistrat "die gesamte Verkehrsleistung in der Stadt um rund acht Prozent" verringern. Momentan läuft die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP).

Exit-Szenario

Einen Baubeginn stellte die Asfinag für Herbst 2011 in Aussicht, ließ sich jedoch eine Hintertür für einen möglichen Ausstieg offen: "Angaben zu Baubeginn, (...), Investitionsvolumen" seien lediglich "Planwerte, deren Einhaltung von behördlichen Bewilligungsverfahren abhängt." Mittlerweile steht auf der Asfinag-Homepage bei der Projektbeschreibung der A 26 in der Rubrik Baubeginn nur noch: "Projekt dzt. in Überprüfung."

Furcht vor Transitverkehr

Was genau kontrolliert wird, teilte Bures Anschober in dem Schreiben mit: "Auf Grundlage einer gesicherten Verkehrsprognose, die derzeit von der Asfinag gemeinsam mit dem BMVIT (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie) und anderen Infrastrukturbetreibern erstellt wird, werden derzeit alle Projekte auf die aktuell zu erwartenden Erfordernisse überprüft. Dies betrifft unter anderem auch Ausbauzeitpunkte und Querschnitte. Der Rahmenplan dazu soll bis Herbst 2010 ausgearbeitet werden."

Darin sehen die oberösterreichischen Grünen nun eine Chance, dass sich der Bund von dem Vorhaben A26 verabschiedet. Denn die bisherigen Verkehrsgutachten, die für das Projekt eingereicht worden waren, hätten die zu erwartenden Transitzahlen nicht entsprechend berücksichtigt.

Durch den Westring, so befürchten die Grünen, werde der Lkw-Transit von Tschechien nach Italien direkt durch Linz geführt. Anschobers Hoffnung: Bei der neuen Verkehrsprognose werden dies miteingerechnet, was zu einer "Verschlechterung der Luftwerte in der Stadt" und damit zu "einer Neubewertung der UVP" führe. (Kerstin Scheller, DER STANDARD-Printausgabe, 25.5.2010)

  • Für die A26 würde Linz eine vierte Donaubrücke brauchen. Laut den derzeitigen Plänen soll eine 306 Meter lange Hängebrücke auf der Höhe des Kalvarienbergs über die Donau errichtet werden.
    foto: hans kosina/land oö

    Für die A26 würde Linz eine vierte Donaubrücke brauchen. Laut den derzeitigen Plänen soll eine 306 Meter lange Hängebrücke auf der Höhe des Kalvarienbergs über die Donau errichtet werden.

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