CajaSur schlitterte in die Pleite

24. Mai 2010, 20:17
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Die Sparkasse CajaSur, das einzige von der katholischen Kirche kontrollierte Geldinstitut in Spanien, steuerte geradewegs auf die Pleite zu

Madrid - Die Sparkasse CajaSur, das einzige von der katholischen Kirche kontrollierte Geldinstitut in Spanien, steuerte unweigerlich auf die Pleite zu. 2009 verzeichnete sie 596 Mio. Euro Verluste, in den ersten drei Monaten dieses Jahres weitere 114 Millionen. "Die Sparkasse blutet von Tag zu Tag mehr aus", beklagte CajaSur-Präsident Santiago Gomez Sierra, ein Geistlicher.

Bis zum Pfingstwochenende hatte es noch Hoffnung für das Geldinstitut in der südspanischen Stadt Cordoba gegeben. Die CajaSur sollte sich zusammenschließen mit der Unicaja (Málaga), der größten Sparkasse in Spaniens bevölkerungsreichster Region Andalusien. Die Fusion war so gut wie unter Dach und Fach, aber die Kirchenmänner um Gomez Sierra ließen das Vorhaben im letzten Augenblick platzen. Die spanische Zentralbank intervenierte, setzte den Vorstand ab und stellte die Sparkasse unter ihre Aufsicht. Der Wirbel um die CajaSur drückte am Montag auch auf die Aktienkurse an den europäischen Börsen.

Wackelige Argumente gegen eine Fusion

Die Kirchenmänner begründeten ihr Veto gegen eine Fusion damit, dass der Zusammenschluss einen Abbau von Arbeitsplätzen bedeutet hätte. Dieses Argument konnte in Spanien jedoch niemanden überzeugen, denn die Zukunft der 3.100 Angestellten und 475 Filialen ist nun noch unsicherer als zuvor. Vielmehr hatten die Geistlichen sich mit einer Fusion von Anfang an nicht anfreunden können. Die größere Unicaja steht nämlich unter dem Einfluss der sozialistischen Regionalregierung von Andalusien. Für die Geistlichen hätte eine Fusion bedeutet, dass sie ihre Sparkasse den "Roten" vermacht hätten.

Zur Rettung der CajaSur wurden aus dem Fonds der spanischen Banken 520 Mio. Euro in die Sparkasse gepumpt. Laut "Expansion" könnte der Finanzbedarf sich auf insgesamt 2,7 Mrd. Euro belaufen. Die Sparkasse hatte große Summen in die Bauwirtschaft gesteckt und muss nach dem Ende des Baubooms nun um ihre Darlehen bangen. Selbst im vorigen Jahr, als die Krise längst begonnen hatte, gewährte sie Immobilienfirmen noch Millionen-Kredite. (APA)

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