Erstarrter Kostümschinken

24. Mai 2010, 19:37
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Bei den Salzburger Pfingstfestspielen hatte Mozarts "Betulia liberata" Premiere - Die "Azione sacra" erschien in einer steifen Regieversion von Marco Gandini

Salzburg - Seit einer Weile leisten sich die Salzburger Festspiele bei ihrem Pfingstableger eine szenische Ästhetik, die sie im Sommer peinlich zu vermeiden suchen. Schließlich würde eine sommerliche Produktion in der Machart des nun dargebotenen frühen Mozart-Werkes eine Krise samt unwirschen Fragen bezüglich der Befähigung des Intendanten, ein sinnvolles Leading Team zusammenzustellen, heraufbeschwören.

Zu Pfingsten regiert allerdings Dirigent Riccardo Muti, der ein durchaus elegant gebautes Festivalprogramm mit dem Schwerpunkt "Neapolitanische Stilschule" verantwortet. Und einen Muti bekommt man nur, so man (als hohen Preis) akzeptiert, dass der elegante Musiker gerne Regisseure einsetzt, die nach dem alten Regie-Testament vorgehen und alles Szenische zu etwas oratorial Starrem gefrieren lassen.

So ist auch diesmal mit Marco Gandini jemand im Einsatz, der zwar in einem abstrakten Bühnenbild (wirkt wie das Fragment eines riesigen zerbrochenen Kruges, Bühnenbild Italo Grassi) arbeitet, Mozarts Betulia liberata allerdings als ideenfreies Arrangement von steifen Personengruppen anlegt und die Wirkung einer konzertanten Aufführung in Kostümen, die an Ben Hur erinnert, erzielt. "Vorsintflutlich" und "deutungsfrei" könnte unter Umständen auch spannend sein. Intensität ist ja keine Frage von Mode und Regiesubjektivität. Hier jedoch war beim besten Willen kein theatrales Leben zu entdecken, wobei Mozarts "Azione sacra" mit ihrer erzählerischen Anlage per se szenisch sperrig wirkt.

Immerhin der Gesang: Schönklanglich Michael Spyres (als Ozia), durchaus prägnant Alisa Kolosova (als Giuditta), bemerkenswert Nahuel Di Pierro (als Achior), interessant Maria Grazia Schiavo (als Amital), Barbara Bargnesi (Cabri) und Arianna Vendittelli (Carmi). Mutis Dirigat animierte das Orchestra Giovanile Luigi Cherubini zur konsensfähigen, angenehmen, mitunter etwas maschinell klingenden Arbeit. 2011, im Abschiedsjahr Riccardo Mutis, setzt man die Oper I due Figaro von Saverio Mercadante in "Szene". (Ljubisa Tosiæ, DER STANDARD/Printausgabe 25.5.2010)

 

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    Im Haus für Mozart ist szenisch nicht sonderlich viel los: Alisa Kolosova (als Giuditta).

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