O du heiliger Strohsack!

24. Mai 2010, 19:18
2 Postings

"Franks Welt" in der "Krone": Diesmal erreichten die Bekenntnisse einer proletarischen Seele ihren vorläufigen Höhepunkt

Wie wäre es wohl um die Menschheit bestellt, wenn sie nicht alte Herren als Zeitzeugen hätte? Rein gar nichts wüsste sie ohne deren zeitgeschichtliche Unterweisungen davon, wie es früher einmal war. Und sie können es uns nicht oft genug sagen, denn wer garantiert, dass sich treue "Krone"-Leser das Larifari aus Franks Welt von einem Wochenende bis zum nächsten so gut merken, dass sie nach spätestens weiteren drei Fortsetzungen reif dafür wären, ihn als das Ideal eines ÖGB-Vorsitzenden in Zeiten der Sozialpartnerschaft zu schlucken?

Diesmal erreichten die Bekenntnisse einer proletarischen Seele ihren vorläufigen Höhepunkt in dem Geständnis, der Sohn eines Gewerkschaftsaktivisten zu sein: Ich komme aus der Arbeiterschicht, was auch das Folgende erklärt: Meine Eltern haben in Fabriken gearbeitet, um die Familie zu erhalten. Mein Vater war Gewerkschaftsaktivist, der sogar eingesperrt wurde, weil er sich für die Arbeiter eingesetzt hatte. Mit einem solchen Erzeuger kann nicht einmal Hans Dichand protzen, der sich bei seinen Fans auch gern mittels Betonung der Distanz zwischen gegenwärtigem Sein und frühem Werden einschmeichelt.

Wer selbst mit 14 Jahren begonnen, in einer Fabrik zu arbeiten, dem kann man über die Gewerkschaften nichts vormachen. Ich habe immer betont, dass sich die Gewerkschaften große Verdienste um die Gesellschaft erworben haben. Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, dass die Arbeitsbedingungen besser, sicherer und vor allem menschenwürdiger wurden. Aber nichts ist perfekt! Denn da gibt es diese ewigen Konfrontationen. Ein Nachteil war aber immer schon und ist heute noch, dass heftige Konfrontationen zwischen Unternehmen und Gewerkschaften bestehen.

Der Sohn eines Gewerkschaftsaktivisten, der sogar eingesperrt wurde, weil er sich für die Arbeiter eingesetzt hatte, weiß heute, wie falsch sein Vater gelegen ist, als er es auf Konfrontationen ankommen ließ, die die Arbeitsbedingungen besser, sicherer und vor allem menschwürdiger machen hätten sollen. Daher müssen wir weg von der Konfrontation und hin zu einer fairen Zusammenarbeit.

Aber wie konnte ihm das nur widerfahren? Mir wurde manchmal unterstellt, dass ich ein Gegner der Gewerkschaften sei und sie am liebsten abschaffen würde. Werch ein Illtum! Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein als dieser Vorwurf. Im Gegenteil: Ich habe mich immer für eine starke Arbeitervertretung ausgesprochen und möchte dazu beitragen, die Gewerkschaften an sich und die Zusammenarbeit zwischen ihnen und den Unternehmen zu verbessern.

Die Gewerkschaften an sich könnten - wer würde es leugnen? - eine Verbesserung durchaus vertragen, und wenn sich ein Spezialist, der aus der Arbeiterschicht kommt, für dieses Werk anbietet, sollten sie zugreifen. Alles, was er will, ist schließlich nur, nicht Energie für Konflikte und Konfrontationen vergeuden, und das sollte sich machen lassen, ist doch eine Unternehmenskultur auf lange Sicht für das Unternehmen und seine Mitarbeiter besser als Konflikte und Arbeitskampf. In dieser Kultur sind Gewerkschaften an sich überflüssig, weil durch eine einzigartige Unternehmensverfassung ersetzt, eine Arbeiterrechtsverfassung, die Magna Mitarbeiter Charta, in der die Rechte und Pflichten der Mitarbeiter definiert und geschützt werden vor den Gewerkschaften an sich, womit auch gleich das Arbeitsrecht auf eine solide ständestaatliche Basis gestellt wäre. Dass in derselben Nummer der "Krone" auch gleich Tochter Belinda - ich trage immer einen Teil Österreichs in mir - gefeiert wurde, war da nur gerecht.

Und Zeitzeugenschaft schon am Freitag. Zum x-ten Mal tischte Dichand bei einer Melange sein Kriegsabenteuer als Matrose auf, aber nur einmal konnte die Interviewerin in den Kaffeesud bohren - so übervoll war sein Herz, dass es sich kleinstgedruckt über die ganze Seite ergoss. Herr Dichand, in Italien beginnen die Dreharbeiten über den Untergang des größten italienischen Kriegsschiffes "Roma". Sie gelten als einer der wichtigsten Zeitzeugen. Das deshalb, weil er auf einem anderen Schiff, das einmal neben der "Roma" im Hafen lag, sein Tagebuch zurückließ. Es wurde viele Jahre später gefunden und für so interessant gehalten, dass man einen italienischen Beamten beauftragte, es mir zu bringen und mich zu fragen, ob ich bereit sei, im kommenden großen amerikanischen Film bei dessen Entstehen ein Interview zu geben. Er ist einfach zu groß für die "Krone". (Günter Traxler/DER STANDARD; Printausgabe, 25.5.2010)

Share if you care.