Krisenbewältigung wird am ehesten ÖVP und SPÖ zugetraut

24. Mai 2010, 18:38
47 Postings

Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl und die ÖVP, der er angehört, wird am ehesten zugetraut, in der Krise Gutes für Österreich zu leisten

Linz - "Welche Parteien haben Ihrer Meinung nach in der Krise Gutes für Österreich geleistet?" Diese Frage ließ der Standard in der Vorwoche 537 repräsentativ ausgewählten Wahlberechtigten stellen. Die Antworten zeigen ein relativ hohes Vertrauen in die Regierungsparteien: 30 Prozent anerkennen die Leistungen der ÖVP, 28 jene der SPÖ - wobei die SPÖ mehr Vertrauen im Osten, die ÖVP mehr im Westen genießt und beide von höher gebildeten, wirtschaftlich erfolgreichen Befragten besondere Zustimmung bekommen.

34 Prozent meinen, dass andere Kräfte als die Parteien für positive Entwicklungen in der Krise verantwortlich wären, weitere 17 Prozent sagen explizit, dass gar keine Partei Gutes geleistet hätte. (Mehrfachnennungen waren möglich.) Nur je fünf Prozent trauen FPÖ und Grünen, gar nur drei Prozent dem BZÖ gute Leistungen in der Krise zu.

Leitl führt Liste an

Im Auftrag des Standard fragte das Linzer Market-Institut dann weiter, welche Exponenten von Wirtschaft und Politik ihre Sache denn gut gemacht hätten und wer eher nicht positiv aufgefallen ist.

Die Liste - in der Grafik auf dieser Seite - wird von Wirtschaftskammer- und Wirtschaftsbund-Präsident Christoph Leitl angeführt, der vor allem von älteren und materiell bessergestellten Österreichern hohe positive Nennungen bekommt.

Die Koalitionsspitzen Werner Faymann und Josef Pröll werden von knapp jedem Zweiten gut bewertet, wobei Faymanns Leistung bei ÖVP-Anhängern in höherem Maß anerkannt wird als die Leistungen des Finanzministers von SPÖ-Wählern.

Auffallend ist, dass die Exponenten der Arbeitnehmerorganisationen (AK-Chef Tumpel und ÖGB-Vorsitzender Foglar) und erst recht der Vorsitzende der Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern, Wlodkowski, in der Diskussion um die Krisenbewältigung nicht aufgefallen sind. Noch weniger wird nur dem ORF-Chef zugetraut.

der Standard ließ Market schließlich noch erheben, wie die Österreicher die krisenhafte Wirtschaftsentwicklung insgesamt einschätzen. Dabei zeigt sich, dass 48 Prozent befürchten, dass es noch schlimmer kommen wird - wobei Menschen mit niedrigem Einkommen und niedrigem Bildungsstand besonders negativ gestimmt sind. 37 Prozent erwarten, dass die Wirtschaftsituation etwa gleich bleibt, und nur 14 Prozent sehen Anzeichen für einen Aufschwung.

Ähnlich sieht es in der Budgetpolitik aus: Auf die Frage, ob das Budget in fünf Jahren wieder saniert sein könnte, gaben sich nur 15 Prozent der Befragten zuversichtlich - unter Wirtschaftsoptimisten, ÖVP-Wählern und sehr jungen Befragten ist die Zuversicht allerdings etwas höher.

77 Prozent sagen dagegen, dass sie eine Budgetsanierung innerhalb von fünf Jahren für unmöglich halten. Acht Prozent haben dazu keine Meinung. (Conrad Seidl/DER STANDARD Printausgabe, 24.05.2010)

  • Artikelbild
    foto: standard
Share if you care.