Korea-Krise überschattet Strategiegipfel USA–China

24. Mai 2010, 22:22
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Die neue Korea-Krise beherrschte den Auftakt der Gespräche, mit denen die USA und China einen neuen Anlauf zu globaler Kooperation machen

Washington und Peking haben die sich zuspitzende Krise um Nordkoreas Torpedoangriff auf die südkoreanische Korvette "Cheonan" als beunruhigend und gefährlich bezeichnet. Sie wollen zusammenarbeiten, damit die Entwicklung nicht außer Kontrolle gerät, sind sich aber über neue Sanktionen oder andere UN-Bestrafungsmaßnahmen nicht einig.

US-Außenministerin Hillary Clinton, die am Montag zu einer vorwiegend wirtschaftspolitischen Themen gewidmeten zweitägigen Großkonferenz zwischen den USA und China nach Peking kam, sagte, die USA wollten mit allen Staaten der Region kooperieren, um die Gefahr einer militärischen Eskalation einzudämmen. Die Korea-Krise sei eine "im Moment andere Fragen überlagernde Herausforderung und eine dringliche Sorge" , sagte Clinton zum Auftakt des US-China-Strategiegipfels. Die USA und China müssten ihre Standpunkte abstimmen. "In der Vergangenheit haben wir uns zusammengetan, um eine sich zuspitzende Lage auf der koreanischen Halbinsel zu entspannen. Jetzt müssen wir ein zweites Mal zusammenarbeiten." Am Mittwoch will Frau Clinton in Seoul Südkoreas Präsidenten Lee Myung-bak treffen.

Die chinesische Regierung, die bisher als politische Schutzmacht Nordkoreas auftritt, gerät unter Druck, neue UN-Sanktionen gegen Nordkorea mitzutragen. Peking rief am Montag alle Beteiligten auf, besonnen zu bleiben. Erwartet wird, dass Chinas Premier Wen Jiabao eine von ihm Ende dieser Woche aus Wirtschaftsgründen geplante Reise nach Südkorea und Japan nutzen wird, um das virulent gewordene Koreathema anzusprechen. Während Hillary Clinton die Beweise für die Schuld Nordkoreas als eindeutig bezeichnete, äußerten ihre Pekinger Gesprächspartner am Montag noch Bedenken. Sie verlangten zuerst, alle Untersuchungsberichte einzusehen.

Die seit März schwelende Krise um die "Cheonan" und den Tod von 46 Mann Besatzung hatte sich am Montag verschärft. Lee Myung-bak nannte in einer Rede die Versenkung des Kriegsschiffs durch einen Torpedo, der in Nordkorea hergestellt worden war, eine nach sorgfältigen Ermittlungen nachgewiesene "militärische Provokation" . Südkorea werde den UN-Sicherheitsrat zur Verurteilung Nordkoreas anrufen und verlange von Pjöngjang eine Entschuldigung. Seoul werde mit Selbstverteidigungsmaßnahmen auf jede weitere militärische Provokation und jede Verletzung seines Territoriums reagieren und kein Schiff des Nordens durch seine Hoheitsgewässer fahren lassen. Bis auf die Sonderwirtschaftszone Kaesong, wo 1000 südkoreanische Firmenvertreter arbeiten, wolle Südkorea die innerkoreanische Zusammenarbeit einstellen und die humanitäre Hilfe auf ein Minimum reduzieren. "Nordkorea wird diesmal einen Preis zahlen müssen." US-Präsident Barack Obama hat sich inzwischen hinter Präsident Lee gestellt. Er versprach militärischen Beistand für Südkoreas Verteidigungsschritte.

Nordkoreas Verteidigungskommission wies nach Angaben der Nachrichtenagentur KCNA alle Beschuldigungen als "pure Erfindungen" der USA und Südkorea zurück. Auf die Ankündigung von Präsident Lee, die 2004 eingestellte Propaganda-Lautsprecherbeschallung an den Grenzen wieder aufzunehmen, reagierte Pjöngjang mit Gegendrohungen: Man werde auf neu installierte Lautsprecher scharf schießen. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.05.2010)

 

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    Ein Porträt des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-il zerrissen südkoreanische Menschenrechtsaktivisten am Montag während einer Pressekonferenz in Seoul.

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    Uneinig über Sanktionen: US-Außenministerin Hillary Clinton, Chinas Präsident Hu Jintao.

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    Südkorea will an der Grenzen zum nördlichen Nachbarn wieder Lautsprecher aufstellen. Damit soll Nordkorea mit Propaganda beschallt werden. Nordkorea droht die Lautsprecher zu beschießen, sollten sie zum Einsatz kommen.

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