Opposition will Wiederholung der Parlamentswahl

25. Mai 2010, 17:01
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    foto: apa/epa/philipp hedemann

    Wahlhelfer beim Zählen der Stimmzettel in einem Wahllokal in Addis Ababa.

Regierungspartei am Dienstag zur Wahlsiegerin erklärt - Wahlkommission: EPRDF gewann in 499 von 536 ausgezählten Wahlkreisen

Addis Abeba/Brüssel - Die Opposition in Äthiopien will das Ergebnis der Parlamentswahl nicht anerkennen. In einem Brief an die Wahlkommission bat Oppositionsführer Hailu Shawel um eine Wiederholung der Wahl. Er warf der Regierungspartei EPRDF vor, Wähler und Kandidaten eingeschüchtert zu haben. Nach der bisherigen Auszählung zeichnet sich ein deutlicher Wahlsieg der Regierungspartei ab.

"Der Wahlprozess hat den demokratischen Prozess nicht gestärkt, sondern war ein Rückschritt auf dem Weg zur Demokratie", sagte Shawel am Mittwoch in Addis Abeba. Auch internationale Beobachter äußerten Kritik. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtete, den Wählern sei damit gedroht worden, dass ihnen Nahrungsmittelhilfen, Stellen im öffentlichen Dienst, Darlehen oder Ausbildungschancen verwehrt würden, wenn sie nicht die Regierungspartei wählten. Laut EU-Beobachtern haben die Umstände der Wahl die Regierungspartei begünstigt. Ein US-Gesandter sagte, Botschaftsangehörige seien daran gehindert worden, die Hauptstadt zu verlassen, um den Verlauf der Wahl zu beobachten.

Ein Sprecher der Regierung von Ministerpräsident Meles Zenawi wies die Vorwürfe zurück und sagte, es habe keine Unregelmäßigkeiten gegeben. Die Wahlen seien frei und fair gewesen.

Revolutionäre Demokratische Volksfront zur Siegerin erklärt

Am Dienstag war die Revolutionäre Demokratische Volksfront (EPRDF) zur Siegerin der Parlamentswahl erklärt worden. Nach Angaben der Wahlkommission gewann die EPRDF 499 von 536 ausgezählten Wahlkreisen. Damit verfügt die Partei von Ministerpräsident Meles Zenawi, der seit 1991 regiert, über eine klare Mehrheit in der insgesamt 547 Abgeordnete zählenden Volksvertretung. In der Hauptstadt Addis Abeba gingen 22 der 23 Sitze an die Regierungspartei.

Das amtliche Ergebnis wird erst für Ende Juni erwartet. Knapp 32 Millionen Menschen waren in die Wählerlisten eingetragen.

Kritik an den Wahlen

Während die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton positive Worte zum den Verlauf der Wahl fand, kritisierten die EU-Wahlbeobachtermission in Äthiopien, Oppositionspolitiker ebenso wie die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch den Urnengang.

"Die Wahlen waren ein wichtiger Moment in der demokratischen Geschichte des Landes", hieß es in einer Erklärung Ashtons vom Dienstag in Brüssel. Sie begrüßte den friedlichen Verlauf der Wahl und sprach von einem "herausfordernden Umfeld". "Der Bericht der Beobachtergruppe war insgesamt extrem positiv", sagte ein Sprecher der EU-Kommission am Dienstag in Brüssel. Es habe nur "vereinzelte Unregelmäßigkeiten" gegeben.

Der Leiter der 170 Personen starken Wahlbeobachtungsgruppe der EU, der niederländische Sozialdemokrat und Europaabgeordnete Thijs Berman, sagte hingegen der Nachrichtenagentur dpa in Addis Abeba: "Die Beobachtergruppe fand, dass die Wahl bestimmten internationalen Verpflichtungen nicht entsprach." Vor allem habe es keine gleichen Chancen für alle Parteien und Kandidaten und nicht hinreichende "Transparenz" des Wahlvorgangs gegeben. Das bedeute aber nicht, dass die Abstimmung insgesamt gefälscht worden sei.

Vor Zehntausenden jubelnden Anhängern rief Zenawi das Ausland zur Anerkennung des Wahlergebnisses auf und sicherte der Opposition zu, sie in Fragen von nationalen Interesse zu konsultieren. "Die Stimme des Volkes wird nicht vom Ausland übertönt", sagte Zenawi, und meinte weiter: "Die Wahlen waren frei, fair und demokratisch." Nach Angaben von Zeugen waren Parteimitglieder am Vorabend von Haus zu Haus gegangen, um die Menschen zu der Teilnahme an der Kundgebung aufzufordern. Auch der staatliche Rundfunk rief die Äthiopier auf, zu der Versammlung auf dem Meskal-Platz zu kommen.

Diplomaten warten mit Spannung auf die Reaktion der Opposition. Viele ihrer Wortführer haben ihre Mandate verloren.

"In vielen Wahllokalen gab es keine geheime Abstimmung und viele von unseren Beobachtern wurden behindert", sagte Oppositionsführer Negasso Gidada der dpa. "Deswegen machen wir hinter die Ergebnisse ein großes Fragezeichen."

"Hinter einer korrekten Fassade hat die Regierung die äthiopischen Wähler unter Druck gesetzt, eingeschüchtert und bedroht", sagte die Leiterin der Afrika-Abteilung von Human Rights Watch, Rona Peligal. Die Regierung Zenawis handle "zunehmend repressiv". Den Wählern sei damit gedroht worden, dass ihnen Nahrungsmittel-Hilfen, Jobs im öffentlichen Sektor, Darlehen und Ausbildungschancen verwehrt würden, wenn sie nicht die Regierungspartei wählten. Der äthiopische Informationsminister Bereket Simon bezeichnete die Vorwürfe als "unbegründet": Die Regierung werde jeder Beschwerde nachgehen.

2005 hatte die Opposition das beste Ergebnis ihrer Geschichte erzielt. Als Europäische Union und Opposition Unregelmäßigkeiten bei der Stimmenauszählung geltend machten, kam es zu Unruhen. Einem Parlamentsbericht zufolge starben dabei 200 Menschen. Die wichtigsten Oppositionsführer wurden zu hohen Haftstrafen verurteilt, später jedoch begnadigt. (APA/Reuters/apn/AFP)

tom krishan1
 
11
24.5.2010, 19:46

eu sollte sich eher um seine entdemokratisierung kümmern als andere länder zu belästigen.

dasandere
00
25.5.2010, 02:27
Gegen die "Demokratie"

Äthiopiens ist die EU doch geradezu ein Vorbild. Leider, denn der Standard ist tief.

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