"Die Dinge sind in die Wege geleitet"

24. Mai 2010, 11:30
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José Mourinho zieht nach dem Triple-Triumph mit Inter Mailand ein Häuschen weiter. Der Portu­giese ist mit Real Madrid fast einig

Mailand/Madrid - Zum Abschied vergoss sogar "The Special One", wie José Mourinho in England genannt wird, ein paar Tränen. Denn unmittelbar nach dem Madrider Finale der Champions League, das Inter Mailand nicht zuletzt dank seiner Führung erreicht und schließlich überlegen mit 2:0 gegen die Münchner Bayern gewonnen hatte, deckte der 47-Jährige in einem Interview seine Karten auf. "Meine Arbeit bei Inter ist beendet. Wir haben mit Real verhandelt, und ich denke, die Sache wird in Ordnung gehen. Die Dinge sind in die Wege geleitet", sagte Mourinho dem portugiesischen Fernsehsender TVI.

Unterschrieben ist noch nichts, aber für einen Rückzieher ging Mourinho schon zu sehr ins Detail. "Real ist ein Riesenklub. Sie wollen dasselbe wie ich: nur siegen. Aber Geld und ein Trikot reichen nicht, denn Mentalität gewinnt Titel", sagte er also, und: "Es wird eine Herausforderung, gegen den FC Barcelona anzutreten." Bei Inter fehle ihm nach dem Triple aus Meisterschaft, Coppa Italia und Champions League, seiner zweiten nach jener mit dem FC Porto 2004, der große Antrieb: "Die Klub-WM ist für mich keine Motivation."

Keinen Zweifel lässt Mourinho daran, dass Real alle seine Forderungen zu erfüllen hat. "Ich muss selbst mit den entscheidenden Leuten sprechen und sehen, was dort erwartet wird. Es darf keine bösen Überraschungen geben, wenn ich dort anfange." Die kleinste Hürde sind die 16 Millionen Euro, die Inter Mailand zustehen, wenn Mourinho seinen noch eine Saison laufenden Vertrag nicht erfüllt. Bei Real soll er für vier Jahre unterschreiben und pro Saison zumindest zehn Millionen Euro kassieren.

Inter, das für den Triumph in der Champions League 23 Millionen Euro an Prämien springen lässt - allein der Kameruner Samuel Eto'o erhält einen vertraglich festgelegten Bonus von fünf Millionen -, ist auf der Suche nach einem neuen Trainer schon fündig geworden. Der frühere serbische Weltklassespieler Sinisa Mihajlovic, von 2006 bis 2008 unter Roberto Mancini Ko-Trainer bei Inter und derzeit bei Cagliari unter Vertrag, soll Mourinho folgen. "Er ist ein Trainer mit Charakter. Wir können keine Kopie Mourinhos unter Vertrag nehmen, das wäre der größte Fehler", sagte Inter-Präsident Massimo Moratti.

Der Öl-Unternehmer grollte Mourinho wegen dessen Flirt mit Real noch vor dem Finale der Champions League ein wenig. Nach dem Triumph gab's für den Portugiesen aber eine innige Umarmung. Mourinho: "Eine unendliche Umarmung, die mehr sagte als 1000 Worte." (sid, lü, DER STANDARD Printausgabe 25.05.2010)

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    16 Millionen Euro Ablöse, ein Mourinho hat seinen Preis.

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