Nokia-Österreich-Chef: Apps revolutionieren Mobilfunkgeschäft

24. Mai 2010, 10:09
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Greig Williams: Stabile Geschäftsentwicklung 2010 erwartet - Offensive bei "Messaging-Handys"

Software-Anwendungen fürs Handy (engl. Apps) boomen und sind innerhalb kürzester Zeit zu einem Milliardenmarkt geworden. Für die Handyhersteller bedeutet dies ein grundsätzliches Umdenken, da es nicht mehr darum geht, wie viel Stück verkauft werden, sondern welche Umsätze mit diesen Geräten gemacht werden können, so Nokia-Österreich-Chef Greig Williams im Gespräch.

Er räumte ein, dass Handy-Weltmarktführer Nokia dies ein wenig verschlafen habe, aber nun voll auf Kurs sei. Und auch wenn alle Welt vom Apple iPhone rede, der Marktanteil des Geräts sei verschwindend gering gegenüber dem von Nokia. Außerdem würden weltweit fast die Hälfte der Smartphones mit dem von Nokia verwendeten Betriebssystem Symbian ausgeliefert. Weltweit würden vier von zehn Smartphones von den Finnen verkauft, rechnete Williams vor.

Bandbreite

Hier bewähre es sich, dass Nokia das ganze Preisband von Low-End- bis High-End-Handys anbiete. Die wachsende Konkurrenz durch den chinesischen Anbieter HTC sieht Williams sportlich. Die Konkurrenz aus China wäre auch gekommen, hätten die europäischen Mobilfunker nicht das Reich der Mitte ursprünglich als verlängerte Werkbank benutzt. Er erinnerte daran, als Nokia die Gratistelefonie über Skype am Handy ermöglichte. Zuerst sei der Schock der Mobilfunkbetreiber groß gewesen, aber sie hätten einsehen müssen, dass der Preisverfall bei der Sprachtelefonie nicht aufzuhalten sei.

Neben den trendigen Touchscreen-Handys sieht Williams eine verstärkte Nachfrage nach "Messaging-Geräten" - vor allem bei Privatnutzern. Der Pionier in diesem Bereich, die US-Firma RIM mit ihrem "Blackberry", wachse derzeit in den USA "unglaublich schnell". Nokia werde jedenfalls in den nächsten Monaten vermehrt derartige Geräte in Österreich anbieten - in allen Preisklassen, wie Williams betonte.

Frei

Allgemein beobachtet der Nokia-Boss eine verstärkte Entwicklung hin zum ungestützten, aber betreiberfreien Handy. In Portugal und Frankreich sei bereits vor einem Jahr die Stützung durch die Netzbetreiber praktisch weggefallen, wodurch zwar kurz der Handyabsatz eingebrochen sei, sich aber nach einigen Monaten wieder erholt habe.

Williams erwartet für das heurige Geschäftsjahr eine stabile Entwicklung, die Mitarbeiterzahl werde mit 75 Personen ebenfalls konstant bleiben. Von Wien aus betreut Nokia die Region "Alps & South East Europe". Zu ihr gehören neben Österreich die Schweiz, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Griechenland, Zypern, Israel, Bulgarien, Serbien, Montenegro, Mazedonien, Kosovo und Albanien betreut. Nokia-Offices gibt es in Wien, Zürich, Zagreb, Sofia und Athen.

Zur Entwicklung in Griechenland meinte Williams - nach kräftigem Durchatmen: Schon die Krise in Ungarn vor einigen Jahren habe gezeigt, dass der Mobilfunksektor davon wenig betroffen ist. Aber natürlich stehe das Land vor gewaltigen Herausforderungen. (APA)

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    Nokia-Österreich-Chef Greig Williams

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