Südkorea schaltet auf hart gegen den Norden

24. Mai 2010, 16:17
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Korea-Krise überschattet Strategiegipfel USA–China

Seoul/Peking - Die USA stufen die Lage auf der koreanischen Halbinsel nach der Versenkung des südkoreanischen Kriegsschiffs "Cheonan" als sehr gefährlich ein und arbeiten mit den Staaten in der Region zusammen, um eine Kriegsgefahr einzudämmen. Das sagte die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton am Montag in Peking. Ob es dabei neue Sanktionen gegen Nordkorea geben soll, sagte Clinton nicht. Sie sei in engen Konsultationen mit China und anderen Staaten bezüglich des nächsten Schritts. US-Präsident Barack Obama sagte Seoul volle Unterstützung zu.

Die "Cheonan" wurde nach Untersuchung internationaler Ermittler mit sehr großer Wahrscheinlichkeit von einem nordkoreanischen Torpedo versenkt, 46 Seeleute wurden dabei getötet. Der südkoreanische Präsident Lee Myung-bak kündigte an, den Zwischenfall vor den UN-Sicherheitsrat zu bringen. Zudem werde die innerkoreanische Zusammenarbeit weitgehend eingestellt und nordkoreanischen Schiffen die Fahrt durch südkoreanische Hoheitsgewässer verboten.

"Nordkorea wird einen Preis für seine Provokation zahlen müssen"

"Wir haben Nordkoreas Brutalität immer wieder ertragen", sagte Lee in einer Ansprache, nachdem er verschiedene Übergriffe des Nordens auf den Süden aufgezählt hatte, darunter auch den Abschuss eines Passagierflugzeugs 1987. "Aber diesmal liegen die Dinge anders", sagte Lee weiter. "Nordkorea wird einen Preis für seine Provokation zahlen müssen."

Nordkorea setzte unterdessen seine Kriegsrhetorik fort, mit der Pjöngjang auf den Untersuchungsbericht reagiert hatte. Die nordkoreanische Tageszeitung "Rodong Sinmun" berichtete am Montag, die Untersuchung des Vorfalls sei eine "nicht tolerierbare, schwere Provokation", gleichbedeutend einer Kriegserklärung.

Das Weiße Haus forderte in einer in Washington veröffentlichten Erklärung, Nordkorea müsse sich wie von Lee gefordert sofort für den Angriff entschuldigen und die dafür verantwortlichen bestrafen. Die USA stünden unmissverständlich zur Verteidigung Südkoreas.

USA will Eskalation verhindern

Clinton sagte, es werde hart daran gearbeitet, "eine Eskalation der Kriegslust und Provokation" zu verhindern. Die USA und ihre Partner setzten sich dafür ein, dass Nordkorea Konsequenzen aus dem Zwischenfall zu spüren bekomme und sein Verhalten ändern müsse, um eine Eskalation zu vermeiden.

Nordkoreas Militär will die geplante Wiederaufnahme von Propaganda-Durchsagen Südkoreas an der beiderseitigen Grenze mit Schüssen erwidern. Falls Südkorea neue Instrumente der "psychologischen Kriegsführung" wie beispielsweise Lautsprecher installiere, werde Nordkorea das Feuer eröffnen und diese zerstören, wurde ein Befehlshaber der Volksarmee am Montag von den Staatsmedien zitiert. Man werde diese Aktionen als "ernste militärische Provokation" auffassen.

Mit der Drohung reagierte Nordkorea auf die Ankündigung des Verteidigungsministeriums in Seoul, die anti-nordkoreanische Propaganda an der schwer bewachten Grenze nach sechsjähriger Unterbrechung wieder aufnehmen zu wollen.

Beide Länder hatten sich vor sechs Jahren im Rahmen damaliger Aussöhnungsbemühungen darauf geeinigt, die grenzüberschreitende Propaganda auf beiden Seiten einzustellen. Nordkorea hat Südkorea in den vergangenen Monaten wiederholt unterstellt, für Propaganda-Aktionen durch private Gruppen verantwortlich zu sein, bei denen anti-nordkoreanische Flugblätter mit Ballons über die Grenze gebracht werden.

Japan denkt an weitere Sanktionen gegen Nordkorea

Japan denkt nach der Versenkung des südkoreanischen Kriegsschiffes durch Nordkorea über weitere Sanktionen gegen den kommunistischen Nachbarstaat nach. Ministerpräsident Yukio Hatoyama wies seine Minister am Montag laut japanischen Agenturberichten an, zusätzliche mögliche Sanktionen im Einzelnen zu prüfen. Japan werde Südkorea dabei unterstützen, wegen des Schiffsuntergangs den Weltsicherheitsrat anzurufen, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Kreise weiter.

Japan hatte erst im April beschlossen, an seinen bereits gegen Nordkorea verhängten Wirtschaftssanktionen für ein weiteres Jahr festzuhalten. Diese hatte Japan nach dem Atomwaffenversuch des kommunistischen Nachbarstaates vom Juli 2006 verhängt. Als Grund war der ungelöste Streit um das nordkoreanische Atomwaffenprogramm sowie der mangelnde Fortschritt in der Frage der in den 70er und 80er Jahren nach Nordkorea entführten Japaner angeführt worden. Zu den Sanktionen gehören die Unterbrechung der einzigen Fährverbindung nach Nordkorea sowie ein Importverbot für sämtliche nordkoreanische Waren. (APA)

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    Südkorea will an der Grenzen zum nördlichen Nachbarn wieder Lautsprecher aufstellen. Damit soll Nordkorea mit Propaganda beschallt werden. Nordkorea droht die Lautsprecher zu beschießen, sollten sie zum Einsatz kommen.

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