100 Wohnungen wegen Einsturzgefahr evakuiert

24. Mai 2010, 12:32
58 Postings

Risse in der Mauer - Altbau vermutlich von Regenwasser unterspült - Sperre bis mindestens Dienstag

Wien - Wegen Rissen im Mauerwerk der Obergeschoße und damit verbundener möglicher Einsturzgefahr ist am Sonntagnachmittag ein Haus mit 96 Wohnungen in Wien-Leopoldstadt evakuiert worden. Grund dürften eine Baustelle in der Nähe sowie die starken Regenfälle der vergangenen Tage sein, durch die der Untergrund instabil wurde. Das Haus bleibt zumindest bis Dienstag gesperrt, dann nehmen Sachverständige weitere Überprüfungen vor.

In den Mittagsstunden haben Parteien die Bildung von Rissen innerhalb kürzester Zeit in den Wohnungen gemeldet. Die Feuerwehr stieß bei der Erkundung auf Türen, die sich plötzlich nicht mehr vollständig schließen ließen, auf schwer zu öffnende Fenster, große Risse in der Mittelmauer und im Deckenbereich. Außerdem waren laut Einsatzbericht Rieselgeräusche in einer Mauer zu hören. In Rücksprache mit Technikern wurde die Evakuierung angeordnet.

Mehrere bettlägerige und gehunfähige Mieter wurden von der Rettung in umliegende Spitäler gebracht. Ältere und gebrechliche Personen, die keiner Betreuung im Krankenhaus bedurften, kamen vorläufig in der Hauptfeuerwache unter. Sie wurden in Containern erstversorgt und von den Beamten verpflegt. Schließlich brachte ein Feuerwehrfahrzeug die Evakuierten in Ersatzquartiere in verschiedenen Hotels.

In unmittelbarer Nähe des Gebäudes befindet sich eine Großbaustelle der Fernwärme. Nach Angaben des Permanenzingenieurs der Stadt Wien wurde an dieser Stelle eine Grube mit einem Durchmesser von sieben bis acht Metern und einer Tiefe von 25 Metern ausgehoben. Heftige Niederschläge dürften Sand aus der Grube weggeschwemmt haben, dadurch kam es zu einer Senkung. Oder anders ausgerückt: "Der Grund um die Baugrube wurde instabil", erklärte der Fachmann.

Eine Baufirma begann, die Grube bis auf Höhe des Grundwassers zu fluten und mit Aushubmaterial zu füllen, um einen statischen Gegendruck herzustellen. Um den Vorgang zu beschleunigen, half die Feuerwehr mit 16 Schläuchen aus. Diese Maßnahme drückt den Sand in die Gegenrichtung und stabilisiert so das Fundament.

Bis zu den weiteren Untersuchungen wird mittels sogenannter Glasspione geprüft, ob sich die Risse in dem 50 Jahre alten achtstöckigen Gebäude verändern. Dabei handelt es sich um dünne Glasplatten, die so angebracht sind, dass sie bersten, wenn ein Riss größer wird.

Die Straße wurde nach der Evakuierung des Gebäudes von der Polizei gesperrt und wird dies vermutlich ebenfalls bis Dienstag bleiben. Die Buslinie 11A wurde umgeleitet. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Gebäude in der Machstraße.

Share if you care.