Papst und Bischöfe werben um Erneuerung der Kirche

23. Mai 2010, 16:08
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Schönborn: Nicht zur Tagesordnung übergehen - Benedikt: Kirche als Hort der Einheit für die Menschheit - Deutscher Bischof: "Tretet nicht aus"

Vatikan/Wien/Berlin - Das Pfingstfest steht heuer im Zeichen der schweren Vertrauenskrise wegen der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Während Papst Benedikt XVI. im Petersdom den Wert der Kirche als Hort der Einheit für die zerstrittene Menschheit betonte, forderten mehrere Erzbischöfe und Kardinäle ein Aufbruchssignal nach dem Missbrauchsskandal. So sprach sich Christoph Kardinal Schönborn im Wiener Stephansdom für eine "innere Erneuerung" der Kirche aus.

Die Kirche könne nach den "schlimmen Wochen" nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, sagte der Wiener Erzbischof mit Blick auf die zahlreichen Kirchenaustritte der vergangenen Monate. Das Pfingstfest - nach Weihnachten und Ostern der dritthöchste kirchliche Feiertag - werde heuer von "Kummer und Trauer" überschattet, sagte Schönborn laut Aussendung der Wiener Erzdiözese. Er äußerte in diesem Zusammenhang die Hoffnung auf ein "neues Pfingsten". In Anspielung auf die Forderung nach einer Abschaffung des Zölibats sagte der Bischof, es gehe nicht so sehr um eine "Strukturreform", nötig sei vor allem eine Erneuerung "von innen her".

Mit Pfingsten endet die 50-tägige österliche Festzeit. Gefeiert wird das Pfingstwunder, als nach christlicher Überlieferung die Jünger Jesu mit dem Heiligen Geist erfüllt wurden und begannen, "mit anderen Zungen zu reden". Dieses "Sprachenwunder" markiert den Beginn der weltweiten Verkündigung der Botschaft von Jesus Christus.

In Deutschland forderte Kardinal Friedrich Wetter eine Erneuerung der Kirche. Die Vorgänge der letzten Wochen und Monate zeigten, dass die Kirche ihre Glaubwürdigkeit zurückgewinnen müsse, sagte Wetter am Pfingstsonntag im Münchner Liebfrauendom in Anspielung auf den Missbrauchsskandal. "Die Kirche muss sich erneuern, das heißt, wir müssen uns erneuern", sagte Wetter nach Angaben der deutschen Presseagentur dpa. Erneuerungen der Kirche hätten "stets von innen begonnen, mit der Umkehr der Herzen", betonte der Münchner Alterzbischof. "Die Kirche ist nicht heilig durch uns, sondern durch die Gegenwart des Heiligen Geistes in ihr. Darum müssen wir jeden Tag beten: Vergib uns unsere Schuld!"

Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen rief dazu auf, aus dem Pfingstwunder Hoffnung für die derzeitige Kirchenkrise zu schöpfen. Nach der Kreuzigung von Jesus seien seine Jünger in einer existenziellen Krise gewesen, die der heutigen Kirchenkrise ähnle. "Als Kirche stehen wir an einem Punkt, wo wir spüren: Es wird nicht einfach alles so weitergehen können, wie wir es gewohnt sind", sagte er laut dpa. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick appellierte an die Gläubigen: "Tretet nicht aus, sondern auf. Sehen wir die vielen guten Errungenschaften und Werke zum Wohl der Menschen in der Kirche." Der frühere Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, hob in Anspielung auf die Kluft zwischen "Amtskirche" und Gläubigen die Gemeinschaft zwischen allen Angehörigen der Kirche hervor. "Kirche braucht immer diese unverbrüchliche Gemeinschaft der ihr angehörenden Menschen. Aber sie verschließt sich nicht in sich selbst. Sie verkapselt sich nicht in ihren eigenen Nischen."

Papst Benedikt XVI. betonte beim Pfingsthochamt im Petersdom, dass die Kirche zu Einheit und Verständnis unter den Menschen und Völkern beitragen wolle. Sie wolle die getrennten und zerstreuten Teile der Menschheitsfamilie in einer neuen Ordnung vereinigen und den zerstrittenen und durch Konkurrenzkampf vereinzelten Menschen die Erfahrung von Gemeinschaft geben, so der Papst laut Kathpress. Die Kirche dürfe nicht mit einem Staat verwechselt werden, sie sei nicht in politische, rassische oder kulturelle Grenzen eingeschlossen. "Ihre Einheit ist von einer anderen Natur und überschreitet alle menschlichen Grenzen."

Der Heilige Geist habe keine Gleichschaltung schaffen wollen, und seine Flammen, die am ersten Pfingsttag auf die Apostel niedergingen, hätten keine verbrannte Erde hinterlassen. Dieses Feuer unterscheide sich von den Bränden, die Diktatoren aller Zeiten auf der Erde legten, auch im vergangenen Jahrhunderten. Es sei auch etwas anderes als das Feuer der Kriege und Bomben. Vielmehr handle es sich um ein Feuer, das brenne, aber nicht zerstöre, sondern den besten Teil des Menschen fördere, der Menschheit den Weg weite und das Antlitz der Erde erneuere, so der Papst. (APA)

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