Inter darf nach mehr als 40 Jahren feiern

23. Mai 2010, 11:29
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Diego Milito erledigt Bayern München praktisch im Alleingang und erzielt für die Mailänder beide Tore beim 2:0-Finalerfolg in Madrid - mit Video

Madrid - Inter Mailand ist am Ziel seiner Träume. Der italienische Traditionsclub hat erstmals in seiner Vereinsgeschichte das Triple geholt. Die Mailänder entschieden nach nationaler Meisterschaft und Cup am Samstag auch die Champions League für sich. Inter setzte sich im Finale in Madrid vor 75.000 Zuschauern gegen Bayern München 2:0 (1:0) durch. Matchwinner war der Argentinier Diego Milito, der beide Tore erzielte (35., 70.). Die "Nerazzurri" gewannen ihren ersten Meistercup seit 1965, den dritten insgesamt.

Erfolgreiche Kontertaktik

Inter hatte das von taktischer Disziplin geprägte Spiel über weite Strecken im Griff gehabt. Milito schlug erstmals nach einem Ausschuss von Keeper Julio Cesar zu, den er selbst per Kopf zu Wesley Sneijder weitergeleitet hatte. Vom Regisseur kam der Ball ideal zum Goalgetter zurück, der geschickt verzögerte und Bayern-Keeper Hans-Jörg Butt keine Chance ließ. Nach Seitenwechsel vollendete Milito einen mustergültigen Konter, bei dem er Daniel van Buyten ausgetanzt hatte. Für den 30-Jährigen waren es die Tore Nummer fünf und sechs in dieser Champions-League-Saison - sicherlich seine wichtigsten.

Die Münchner versuchten zwar, mit gewohnt mit viel Ballbesitz ihren Gegner zu dominieren und auszuspielen, fanden in der Abwehr der Mailänder aber kaum eine Lücke. Auch der starke Arjen Robben lief sich immer wieder fest. Ansonsten konnte sich kaum einer seiner Teamkollegen gut in Szene setzen.

Die jungen Österreicher Marko Arnautovic (Inter) und David Alaba (Bayern) waren wie erwartet nicht im Kader gestanden, beide erlebten die Partie im Bernabeu-Stadion von der Tribüne aus. Bayern-Coach Luis van Gaal hatte links im Mittelfeld anstelle des gesperrten Franck Ribery auf Hamit Altintop gesetzt, sein einstiger Assistent Jose Mourinho in seinem 4-2-3-1-System am linken Flügel dem Mazedonier Goran Pandev den Vorzug gegenüber Mario Balotelli gegeben.

Kapitän Javier Zanetti rückte ins defensive Mittelfeld vor, ehe er nach seinem 700. Pflichtspiel für Inter die Trophäe stemmen durfte. Auf seiner Position links in der Viererkette verteidigte der Rumäne Cristian Chivu gegen Bayern-Star Robben. Von Beginn an entwickelte sich das erwartete - jedoch immer spannende - Rasenschach. Inter verteidigte konsequent, die Bayern fanden wie schon Titelverteidiger FC Barcelona im Halbfinale kaum taugliche Mittel gegen die perfekt harmonierenden Mailänder, die aus ihrer Defensive immer wieder mit schnellen Direkt-Kombinationen gefährlich zu Gegenschlägen ansetzten.

Die Mourinho-Elf hatte anfangs mehr Spielanteile, die erste Chance fanden aber die Bayern vor. Robben hatte sich rechts durchgetankt, seinen scharfen Querpass vermochte Ivica Olic nicht zu verwerten (10.). Inter antwortete mit mehr (18.) oder weniger (26.) gefährlichen Freistößen von Sneijder aus über 30 Metern. Nach der Führung verlegte sich Inter noch ausgeprägter auf sein Konterspiel. Sneijder vergab die Riesenchance auf das 2:0. Der Niederländer  scheiterte nach Doppelpass mit Milito aber zentral vor Butt (43.). Diesmal hatte sein kongenialer Partner Milito den Vorbereiter gegeben.

Wenige Sekunden nach Seitenwechsel hatten die Bayern die beste Gelegenheit zum Ausgleich. Dem 20-jährigen Newcomer Thomas Müller versagten aber allein vor Julio Cesar die Nerven. Praktisch im Gegenzug verhinderte Butt gegen Milito erneut einen Treffer. Später hatte Robben für die fast schon verzweifelt anrennenden Münchner noch eine Gelegenheit, scheiterte aber am hervorragenden Julio Cesar, der den auf das lange Kreuzeck angetragenen Schuss meisterte (65.). Auf der Gegenseite musste sich Butt bei einem sehenswerten Schlenzer von Pandev auszeichnen.

Einer der seltenen Fehler in der Inter-Abwehr eröffnete Altintop eine Chance, der Türke schoss jedoch am kurzen Eck vorbei (53.). Die Bayern mühten sich auch nach dem 0:2 weiter, die Mailänder blieben aber stets Herren der Lage.

Triple für Inter

Inter ist damit erst die sechste europäische Mannschaft, die das "große" Triple mit Meisterschaft, Cup und Meistercup bzw. Champions League gewonnen hat. Zuvor war das lediglich Celtic Glasgow 1967, Ajax Amsterdam 1972, PSV Eindhoven 1988, Manchester United 1999 und Barcelona im Vorjahr gelungen. Arnautovic ist der erste Österreicher seit Wolfgang Feiersinger, der sich Sieger der Champions League nennen darf. Der 21-Jährige ist in der Königsklasse allerdings nicht zum Einsatz gekommen. Auch Feiersinger hatte den Finaltriumph von Borussia Dortmund 1997 von der Tribüne aus verfolgt.

Als Sieger der Champions League nimmt Inter Mailand am Jahresende an der Klub-Weltmeisterschaft teilnehmen. Das Turnier findet vom 8. bis zum 18. Dezember 2010 in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) statt. Im vergangenen Jahr hatte der FC Barcelona den Titel gewonnen.

Der Erfolg Inters brachte Mailand zum Kochen. Weit über 100.000 Tifosi tauchten die lombardische Hauptstadt in ein schwarzblaues Fahnenmeer. Als die Mannschaft kurz nach 6 Uhr in der Früh direkt nach ihrer Ankunft aus Madrid mit der Trophäe ins Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion einlief, gerieten 50.000 Fans auf den Rängen außer sich. Doch Trainer Jose Mourinho glänzte durch Abwesenheit. Der Portugiese, dessen Wechsel zu Real Madrid bereits festzustehen scheint, fehlte ebenso wie Clubpräsident Massimo Moratti. Beide waren überraschend in Spanien geblieben. (APA/red)

ERGEBNIS, Champions-League-Finale vom Samstag:
FC Bayern München - Inter Mailand 0:2 (0:1)
Madrid, Estadio Santiago Bernabeu, 74.954 Zuschauer (ausverkauft), SR Howard Webb (ENG).

Torfolge:
0:1 (35.) D. Milito
0:2 (70.) D. Milito

Bayern München: Butt - Lahm, Van Buyten, Demichelis, Badstuber - Robben, Van Bommel, Schweinsteiger, H. Altintop (63. Klose) - Müller, Olic (74. Gomez)

Inter Mailand: Julio Cesar - Maicon, Lucio, Samuel, Chivu (68. Stankovic) - Zanetti, Cambiasso - Eto'o, Sneijder, Pandev (79. Muntari) - D. Milito (92. Materazzi)

Gelbe Karten: Demichelis, Van Bommel bzw. Chivu

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    Inters Kapitän Javier Zanetti mit dem begehrtesten Pokal Fußball-Europas.

  • Diego Milito machte im Estadio Bernabeu den Unterschied.
    foto: epa/kerim okten

    Diego Milito machte im Estadio Bernabeu den Unterschied.

  • Das 2:0 des Argentiniers

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