Abhisit geht wieder auf Rothemden zu

22. Mai 2010, 13:54
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Ministerpräsident stellt erneut früheren Wahltermin in Aussicht und lädt Anführer der Rothemden zu "Versöhnungsprozess" ein

Bangkok - Nach den schweren Unruhen in Thailand hat Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva Kompromissbereitschaft signalisiert. "Er schließt einen frühen Wahltermin nicht aus", sagte ein Regierungssprecher am Samstag. Dies hänge aber von den Fortschritten im nationalen Versöhnungsprozess ab. Abhisit lade Anführer der oppositionellen Rothemden ein, sich daran zu beteiligen. Voraussetzung sei aber, dass diese sich nicht aktiv an den jüngsten Protesten beteiligt hätten und ihnen deswegen Klagen drohten. "Der Ministerpräsident wird zu einem späteren Zeitpunkt über den Wahltermin entscheiden", fügte der Sprecher hinzu. Regulär stehen Wahlen nicht vor Ende 2011 an. Die Regierungsgegner fordern allerdings einen früheren Termin.

Drei Tage nach der Niederwerfung der Oppositionsaufstände in Thailand durch das Militär hat sich die Lage in der Hauptstadt Bangkok am Samstag weiter entspannt. Im Geschäftsviertel Ratchaprasong, das die gegen die Regierung ankämpfenden Rothemden seit Wochen besetzt gehalten hatten, wurden die Aufräumarbeiten fortgesetzt. Eine nächtliche Ausgangssperre blieb in Kraft. Die öffentlichen Verkehrsmittel sollten spätestens Anfang kommender Woche wieder ihren Betrieb aufnehmen. Bei den jüngsten Unruhen kamen mehr als 60 Menschen ums Leben. Etwa 100 Rothemden wurden wegen Verdachts auf Brandstiftung festgenommen.

Lage in Bangkok beruhigt sich

Auch in den meisten staatlichen Schulen sollte der normale Betrieb nach Angaben von Bildungsminister Chinnaworn Boonyakiat in Kürze weitergehen. Viele waren wegen der blutigen Proteste vorige Woche geschlossen geblieben. 28 in den Konfliktzonen gelegene Schulen würden dagegen frühestens nach Monatsende wieder öffnen, hieß es. Ein sechs Quadratkilometer großes Gelände rund um den Shopping-Bezirk steht noch immer unter Kontrolle des Militärs. Dem Regierungssprecher zufolge werden sich die Soldaten am Sonntag zurückziehen. Am Montag sollen dann auch die Finanzmärkte wieder öffnen, die wegen der Unruhen am Donnerstag und Freitag geschlossen blieben.

Nach der Auflösung des Protest-Camps im Zentrum Bangkoks hatten Demonstranten nach offiziellen Angaben Dutzende Gebäude in Flammen gesetzt. Das Einkaufszentrum "Central World" brannte vollständig aus. Am Freitag hatten Helfer zehn Leichen aus der qualmenden Ruine geborgen. Die Stadtverwaltung ging am Samstag davon aus, dass sich die Lösch- und Aufräumarbeiten noch bis in die kommende Woche hinziehen.

Der thailändische Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva hat den Mitgliedern des Oppositionsbündnisses UDD Versöhnung angeboten. Alle Vorgänge seit Beginn der jüngsten Protestserie Mitte März einschließlich der Rolle der Sicherheitskräfte würden unabhängig untersucht und transparent gemacht, kündigte er am Freitag in einer Fernsehansprache an. Die Gewaltausbrüche seien "eine der schlimmsten Episoden, die Thailand je erlebt hat", sagte Abhisit. Die Rothemden hatten die Auflösung der Regierung und Neuwahlen gefordert. Sie wollen die Rückkehr des 2006 vom Militär gestürzten Ex-Regierungschefs Thaksin Shinawatra. Der exilierte frühere Premier soll die Proteste aus dem Exil unterstützt haben. (Reuters/APA)

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    Ein thailändischer Soldat läuft durch eine teilweise verwüstete Straße in der Innenstadt von Bangkok.

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