Verteidigungsminister drängt auf Rückzug

22. Mai 2010, 14:51
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Polizeiausbildung am Hindukusch soll bis 2014 beschleunigt werden - Beckham als "Aufmunterung" für die Truppen im Gepäck

Kabul/Berlin - Die britische Regierung setzt nach den Worten des neuen Verteidigungsministers Liam Fox auf einen schnellen Rückzug ihrer Soldaten auf Afghanistan. Es müsse akzeptiert werden, dass die Grenze einer Bereitstellung von Truppen erreicht sei, "und ich möchte, dass die Einheiten so schnell wie möglich zurückkommen", sagte Fox der Londoner "Times" vor seinem Blitzbesuch am Hindukusch am Samstag. "Wir müssen die Erwartungen und die Zeitpläne überprüfen." Das Augenmerk liege nun auf der nationalen Sicherheit, Großbritannien sei keine "Weltpolizei". Die Soldaten seien in Afghanistan, um Gefahr für die britische Bevölkerung und die "internationalen Interessen" Großbritanniens abzuwenden", sagte der Minister weiter.

Bei seinem Besuch in Afghanistan zusammen mit Außenminister William Hague und Entwicklungsminister Andrew Mitchell werde er ausloten, ob es Möglichkeiten gebe, die Ausbildung von afghanischen Sicherheitskräften zu beschleunigen, sagte Fox. Mit Blick auf die Ankündigung des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai, ab 2014 könnten Polizei und Armee des Landes selbst für Sicherheit sorgen, sagte Fox weiter, er werde mit den Verantwortlichen vor Ort über verstärkte Ausbildungsbemühungen sprechen.

Die drei Mitglieder der neuen britischen Regierung sind zusammen mit Fußballstar David Beckham am Samstag in Afghanistan eingetroffen. Die Minister wollten sich noch am Samstag zu Gesprächen mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai und weiteren Regierungsvertretern treffen. Zudem steht ein Besuch der Minister bei den englischen Truppen an, an dem auch Beckham teilnehmen wird. Die Briten kämpfen überwiegend in der südlichen Provinz Helmand gegen die Taliban. Seit Beginn des Einsatzes 2001 sind 286 Briten und 1.081 US-Soldaten getötet worden.

In Großbritannien ist seit der Wahl Anfang Mai eine konservativ-liberale Regierung an der Macht. Sie hat der künftigen Strategie in Afghanistan in der Außenpolitik höchste Priorität eingeräumt. Regierungschef David Cameron hat während des Wahlkampfes erklärt, der Truppenabzug aus Afghanistan werde innerhalb der kommenden fünf Jahre beginnen. Dort kämpfen 9.500 britische Soldaten gegen Aufständische der Taliban. In den nächsten Wochen wird die Zahl der internationalen Truppen auf ein Maximum von 140.000 Menschen steigen. Erst am Freitag war bekanntgegeben worden, dass fast alle britischen Truppen einem US-Kommandeur unterstellt werden.

Guttenberg: Kampf ist militärisch nicht zu gewinnen

Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat unterdessen vor einem überhasteten Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan gewarnt. Dies würde die Gefahr erhöhen, dass das Land in sich zusammenfalle, sagte der Minister dem "Hamburger Abendblatt" (Samstag). "Wenn Afghanistan fällt, kann auch Pakistan fallen, ein Land, das im Besitz von Atomwaffen ist", sagte er. "Ich hätte sehr ungern Atomwaffen in den Händen von Terroristen."

Guttenberg sagte, rein militärisch sei der Krieg oder Kampf gegen den Terror in Afghanistan, in Pakistan oder in afrikanischen Staaten nicht zu gewinnen. Nötig sei eine bessere Vernetzung der Nachrichtendienste. "Darüber hinaus müssen wir uns in die Lage versetzen, an der einen oder anderen Stelle international abgestimmt gezielt mit Spezialkräften vorzugehen", sagte er. "Und natürlich kommt dem zivilen Aufbau eine wachsende Rolle zu."

Bei einem Militäreinsatz von NATO-Truppen südlich von Kabul sind am Samstag mindestens zwölf Afghanen ums Leben gekommen. Die Soldaten erschossen zwei Aufständische, die Bomben legen wollten, wie ein Behördensprecher in der Provinz Paktia mitteilte. Als weitere Kämpfer ihre Leichen wegbrachten, forderten die Truppen Unterstützung eines Kampfhubschraubers an, aus dem heraus zehn weitere Menschen getötet wurden. Die Behörden leiteten Ermittlungen ein um sicherzustellen, dass es sich - wie von den US-Truppen angegeben - bei allen Opfern um Aufständische handelt.  (APA/AFP/Reuters)

 

  • Liam Fox drängt auf einen schnellen Abzug aus Afghanistan.
    foto: epa/andy rain

    Liam Fox drängt auf einen schnellen Abzug aus Afghanistan.

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    Afghanistan statt Südafrika. Fußballer David Beckham stellt sich immer in den Dienst seines Landes.

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