Titanen für Athen

21. Mai 2010, 20:49
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Griechenland braucht jetzt echte Goldman-Götter - Eine Glosse

Um Griechenland steht es schlecht. Und leider meint es auch die EU mit dem strauchelnden Land nicht gut. Denn was das sieche Euro-Mitglied jetzt am dringendsten braucht, sind keine halbseidenen Zocker wie Pröll, Schäuble oder Trichet. Sondern echte Experten des anglo-amerikanischen Hochfinanzkapitalismus, die schon oft bewiesen haben, dass sie nach der ersten kalten Dusche nicht kopflos herumeiern, sondern erst richtig in Fahrt kommen.

Solche weltoffenen Wunderwuzzis gibt es, wie wir alle nur zu gut wissen, wie Plastikflaschen im Meer. Trader-Draufgänger vom Schlage eines Jérôme Kerviel fänden die Finanzen des maroden südeuropäischen Landes mit Sicherheit geradezu hinreißend.

Und auch die Strategien sind da. Nach dem Vorbild des Goldman-Gottes Lloyd Blankfein etwa würde ein solcher Zocker-Zeus ganz einfach gegen die eigenen Anleger wetten: Hier eine neue dreist verzinste Staatsanleihe aufgelegt, die in deutsche und französische Unternehmen des Rüstungssektors investiert; dort ein Turbo-Swap mit fünffachem Hebel gegen eine baldige Erholung der griechischen Wirtschaft platziert - fertig ist die Hilfe für Hellas.

Jede einzelne dieser in den Startlöchern scharrenden Asset-Asse - ja, auch Wolfgang Flöttl hätte wohl Zeit - würde längst reinen Tisch gemacht haben mit den hochnotpeinlichen Notkrediten, die man bei Nacht und Nebel dem Mutterland des Metaxa mir nix, dir nix aufgezwungen hat. Schließlich wissen Investment-Insider, was sie in so einem Fall zu tun haben. (Die Papiere bündeln, "ausfallsicher" draufschreiben und an nordamerikanische Hausbaufinanzierer und deutsche Landesbanken verhökern.)

Nicht zuletzt würde ein solcher kolossaler Kapazunder sofort erkennen, dass in den griechischen Yachthäfen Milliarden schlummern. Mit einer entsprechenden Köder-Taktik (einer so genannten Put-Put-Option), etwa einem Bootsausflug mit Karolos-Errikos Grassopoulos, wäre es bloß eine Frage der Zeit, bis diese Weltbürger ihre REITs und ihre Reitpferde ("Private Equidae") dem wie Phoenix aus der Asche erstandenen neuen Staat verpfändeten. Hellas, hol sie dir! (Martin Putschögl, derStandard.at, 21.5.2010)

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