Die Zeitung für genaue Beobachter

21. Mai 2010, 20:14
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Auf den Symbolcharakter hätten wir einen Hinweis geben müssen

Das hätten wir uns denken können: In einer Leserschaft, in der auf einen Blick erkannt wurde, dass ein Zug, den wir durchs Waldviertel schnaufen ließen, tatsächlich durch das Harzgebirge dampft, kennt man sich auch mit Flugzeugen und Autobussen aus. Es geht um das Foto zum Artikel „kein unabhängiger Beobachter im Abschiebeflieger“.

Man hätte glauben können, die Szene wurde in Wien festgehalten. Die Leserzweifel sind jedoch berechtigt: Der Autobus im Hintergrund trägt die Aufschrift „Homeland Security“. Auch die Uniform der Beamtin entspricht nicht dem hiesigen Polizei-Dresscode. Kurz, es handelte sich um ein Symbolbild.

Weit hergeholt ist das Foto freilich nicht: Es zeigt einen illegalen Einwanderer aus Guatemala, der ein Abschiebeflugzeug auf dem Flughafen von Phoenix, Arizona, besteigt. Schwierigkeiten mit der Geografie hat das Bild schon in der Fotoagentur gemacht, auch dort war der Flughafen ursprünglich verlegt worden – allerdings nur um 15 Meilen in die nächstgrößere Stadt neben Phoenix. Auf den Symbolcharakter hätten wir einen Hinweis geben müssen, er sei hiermit nachgeholt. Ein weiterer Nachtrag in Sachen Präzision: Zu nächtlicher Stunde haben wir eilig noch den Rücktritt eines griechischen Regierungsmitglieds ins Blatt gezwängt – bei Angela Gerekou handelte es sich jedoch nicht um eine Ministerin, sondern eine Vizeministerin, auch hatte sie nichts mit Kultur, sondern mit Tourismus zu tun, und ob sie nun tatsächlich „gefeuert“ wurde, den Rücktritt freiwillig oder unter Druck einreichte, lässt sich nicht mehr ergründen.

Noch ein Satz zur Krise: Unter dem Titel „Familienpartei rüttelt an Familienleistungen“ stellten wir in Aussicht, der Finanzminister wolle 235 Milliarden Euro bei den Familien einsparen. Das muss man sich erst durch den Kopf gehen lassen: Da das Budget heuer 167 Milliarden Euro Ausgaben vorsieht, würde Josef Pröll 68 Milliarden Überschuss erwirtschaften. So krass kommt es nicht, es geht um eine Einsparung in_Millionen-Höhe. (Otto Ranftl, Leserbeauftragter/ DER STANDARD, Printausgabe, 22.5.2010)

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