Koralmtunnel

Taxifahren ist billiger

Luise Ungerboeck, 21. Mai 2010 19:44

Eisenbahntechnischer Luxus, der auf Pump gebaut wird und auf völlig überzogenen Verkehrsprognosen beruht - Von Luise Ungerboeck

So schlecht, wie unsere Volksvertreter landauf, landab behaupten, dürfte es Österreich doch nicht gehen. Auch der Spardruck kann nicht so groß sein, wie ihn Finanzminister Josef Pröll und die Bundesregierung darstellen. Denn während bei Kindergärten, Ausbildung und Sozialprojekten der Sparstift angesetzt wird, wird das Geld für Jahrhundertprojekte wie Koralm- oder Brennerbasistunnel wie aus Baggerschaufeln ausgeschüttet, besser gesagt mit Tunnelbohrmaschinen sehr effizient vergraben.

Ein Jahrhundertprojekt ist der Ausbau der Koralmbahn samt 33 Kilometer langem Tunnel unter der Koralpe mit Kosten von mindestens 5,2 Milliarden Euro in der Tat. Für dieses Geld könnte jede einzelne der rund 560 Personen, die täglich mit dem ÖBB-Bus von Graz nach Klagenfurt (und nur manche auch retour) gekarrt werden, 58 Jahre lang jeden Tag mit dem Taxi auf der wunderschön ausgebauten Autobahn über die Pack und wieder retour düsen.

Bei einem Taxitarif von 220 Euro pro Strecke lassen sich mit 5,2 Milliarden Euro Baukosten rein rechnerisch 23,6 Millionen Fahrten von der Uhrturm- in die Lindwurmstadt finanzieren. Zugegeben, die Teuerung ist in dieser Rechnung nicht berücksichtigt, aber sie wird von den legendären Kostensteigerungen bei staatlich finanzierten Großprojekten mehr als kompensiert. Da niemand weiß, was in den Tiefen unter der Koralpe an Gestein und Wasser schlummert, sind die Chancen, dass der ganze Koralmbahnausbau bis 2020 mit schlanken sechs Milliarden Euro zu Buche schlagen wird, noch intakt.

Das Skandalöse an Milliardenprojekten wie diesen: Sie sind eisenbahntechnischer Luxus, der auf Pump gebaut wird und auf völlig überzogenen Verkehrsprognosen beruht. Daher hält der arbeitsplatzstiftende und konjunkturankurbelnde Bau der wie ein Mantra beschworenen "Werte für künftige Generationen" auch verkehrswirtschaftlichen Berechnungen nicht stand, von betriebswirtschaftlichen ganz zu schweigen. Bei der Koralmbahn kommt hinzu, dass sie ohne Semmeringtunnel so nützlich ist wie der sprichwörtliche steirische Kropf, weil sie abseits der Schwerindustrie und somit marktrelevanter Güterverkehrsströme verläuft. Wundern, dass die billigere, fast tunnelfreie Alternative von Wien über Ungarn nach Graz, nicht einmal ignoriert wird, darf man sich in einem Land wie Österreich nicht. Hier patrouillieren ja auch Soldaten an längst nicht mehr vorhandenen Grenzen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23./24.5.2010)

Kommentar posten
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focus
27.05.2010 12:19
über...

... den Tunnel kann man streiten, zumal ggf auch die Strecke via Hartberg ausgebaut hätte werden können.
Nichts desto trotz ists an der Zeit einzusehen, daß es in Ö auch andre Strecken als die Westbahn gibt, in die investiert werden muss.

kleinerpinguin
27.05.2010 10:53

Das Problem der ÖBB ist, dass sie sich im Gegensatz zu Mineralölkonzernen und Frächterlobby keine Politiker und Journalisten kaufen kann.

derfalke
25.05.2010 16:50
Der Koralmtunnel ist das wichtigste Infrastrukturprojekt für den Südosten Österreichs seit Jahrzehnten.

Wer dieses Projekt incl. Semmeringtunnel heute immer noch infrage stellt, der muß sich als Wiener/in die Frage gefallen lassen, ob er nicht nur arrogant, präpotent und opportunistisch agiert.

Kärntner und Steirer haben bisher über viele Jahrzehnte den Wiener U-Bahn-Bau mit Milliarden mitfinanziert, nun wird es höchste Zeit, dass auch mal die Wiener etwas für den Südosten Österreichs tun, zumal diese neue Baltic-Adria-Verkehrsachse in nur 10 Jahren Wohstand für ganz Österreich bringen wird.

Die Hetze einiger linker Wiener gegen dieses sinnvolle Projekt ist widerlich und kleinkariert und sollte deshalb schleunigst unterbunden werden.

Albert Mairhofer
09.06.2010 10:33
Semmering,Koralm und BBT oder AlpenKanalTunnel

Die Europaregion Tirol (von Kufstein bis zum Gardasee) hat einmalige natürliche Voraussetzungen für eine Wasserstraße von der Donau zur Adria. Die Schlüsselstelle dazu ist die Verbindung der Flüsse Inn und Etsch, der AlpenKanalTunnel, durch welchen Binnenschiffe ohne eigenen Antrieb auf durchströmendem Wasser hindurchgetragen werden. Im Gewölbe des Tunnels kann zusätzlich noch eine Magnetschwebebahn fahren und München mit Verona verbinden. Fahrzeit 1 Stunde!. Die Zulaufstrecken (Inn und Etsch) brauchen nur für die Binnenschifffahrt adaptiert zu werden. Dies bedeutet nicht nur eine Lösung des Transitproblems, sondern noch dazu eine gewaltige Aufwertung und neue Perspektiven. Österreichs Wasserweg zur Adria bringt mehr als 3 Bahndurchstiche!

Albert Mairhofer
09.06.2010 10:22
Koralm- und Brennertunnel oder AlpenKanalTunnel

Die Europaregion Tirol (von Kufstein bis zum Gardasee) hat einmalige natürliche Voraussetzungen für eine Wasserstraße von der Donau zur Adria. Die Schlüsselstelle dazu ist die Verbindung der Flüsse Inn und Etsch, der AlpenKanalTunnel, durch welchen Binnenschiffe ohne eigenen Antrieb auf durchströmendem Wasser hindurchgetragen werden., Im Gewölbe des Tunnels kann zusätzlich noch eine Magnetschwebebahn fahren und München mit Verona verbinden. Fahrzeit 1 Stunde!. Die Zulaufstrecken (Inn und Etsch) brauchen nur für die Binnenschifffahrt adaptiert zu werden. Dies bedeutet nicht nur eine Lösung des Transitproblems, sondern noch dazu eine gewaltige Aufwertung und neue Perspektiven. Koral-, Semmering- und Brennertunnel könnten uns erspart werden.

siniweler
25.05.2010 12:05
danke!

wir österreich die krise meistert? autobahnausbau und bildungsabbau - vorbildlich und sooo nachhaltig

Briefmarkenkleber
24.05.2010 21:20
Unseriös

Man möcht glauben die Ungerboeck ist von einem öbb´ler sitzengelassen worden. andernfalls ist der hass nicht zu erklären.

WM11
24.05.2010 15:09
Die Rechnung mit den Fahrgästen ist hochgradig unseriös

denn die Fahrzeit mit dem ICBus beträgt laut Fahrplan 2 Stunden, mit der KAB wären is nur mehr eine Stunde, was ca. der Fahrzeit mit dem Privat-PKW entspricht. Der ICBus ist also auch ziemlich unattraktiv, er ist nur 43 Minuten schneller als die Bahnverbindung über Bruck.

Interessanter wäre die Rechnung wenn man wüsste, wieviele Personen täglich Klagenfurt - Graz pendeln (bzw. ähnliche Wege, die von der KAB abgedeckt werden), denn bei attraktiver Fahrzeit von 1 Stunde würden sicher mehr Leute die Dienste der ÖBB in Anspruch nehmen.

Alexander Reiter
30.05.2010 16:07

Für den Break Even müßte sich die Fahrgastzahl gut verfünfzigfachen. Realistisch ist ca. um den Faktor 3.

itavalda
24.05.2010 21:38

Sie wären auch der erste der mit
Personenverkehr Geld verdienen will.
Es gibt für so viele menschliche Eigenschaften Denkmäler, für Mut, für Genie, für Schönheit ....

Warum soll es nicht für Dummheit auch eines geben

kleinerpinguin
27.05.2010 10:55

Ich glaube dein Posting ist Denkmal genug.

itavalda
27.05.2010 20:34

Wenn du meinst Danke

WM11
24.05.2010 22:25
Der Erste?

Der Haselsteiner will doch auch und auf der Westbahn könnte das auch klappen.

Mir ging es auch nur darum, dass der Nutzen die KAB hier schlechter geredet wird als er ohnehin schon ist. Damit gibt man der Kärntner Kasperlregierung wieder Gelegenheit zu argumentieren "die in Wien sind eh alle gegen uns und wollen in Kärnten nur verhindern".

Ich wäre ja für die KAB, wenn in Österreich nicht wie derzeit der Sparstift regieren würde. Aber die derzeitige Finanzlage müsste doch eigentlich zum Anlass genommen werden, sämtliche nicht unbedingt notwendigen Infrastrukturprojekte auf unbestimmte Zeit zu verschieben.

itavalda
24.05.2010 22:40

Dann jammert der Haselsteiner wieder , dass er keine Aufträge hat und Leute entlassen muß.

Widerstandskämpfer
 
24.05.2010 14:21
Als Wiener U-Bahnfahrer bin ich gegen den Koralmtunnel!!

Ogg
24.05.2010 13:58

Innovation ist nicht vergleichbar.

Ö Card täglich
 
24.05.2010 13:06
Koralm Tunnel muß sein, noch mehr Auto Profit ...

je Nutzloser die ÖBB, je mehr Geld Sinnlos vergraben wird, umso mehr wird Auto gefahren, verdient
darum muß KA Tunnel sein,

vor Graz in alle Richtungen ist nix hinter Klagenfurt in alle Richtungen ist nix, Eisenbahn HL wo mit 200 kmh gefahren werden können, sucht man vergebens ist auch nichts geplant, nicht (mehr) Finanzierbar
wird der teuerste Weit- Radwanderweg Europas ?

Stillgelegte Bahnstrecken (Negativ) werden (positiv) Radwanderwege,
dann steht zwischen Wien und Graz der Semmering, die K.bahn über Apang ist tot, soll eingestellt werden.

Ein Meisterstück leistet sich die ÖBB am nächsten
Wochenende, S Bahn umsteigen Hütteldorf Schnellzug is nicht, verhungert in Penzig.
wieder 10% m. Autofahrer
http://www.mikesdesign.at

Lalai Dama
24.05.2010 16:43
Lernen's Geografie mitsamt der Frau Ungerböck!

Selbstverständlich befürwortet kein vernüfntiger Mensch einen Eisenbahntunnel lediglich für die Fahrgäste zwischen Graz und Klagenfurt.

Vielmehr wird nahezu der gesamte Südbahnverkehr zwischen Klagenfurt und Wien künftig durch den Koralmtunnel verkehren. Das sind täglich etwa 10 IC-Zugpaare mit jeweils Hunderten Fahrgästen + bestehendem Südbahn-Güterverkehr + zusätzlichem Güterverkehr aus dem Großraum Graz in Richtung Oberitalien bzw. Adria.
Ad vor/hinter Graz.. liegen künftig Salzburg; Westösterreich/BRD (via Koralm/Tauernachse) - die Umleitung der derzeitigen IC-Verkehre über Schoberpass und Ennstal bringt also zusätzliches Potential.
Mit der Koralmbahn entsteht ein IC-Ring, an dem 6 von 9 Landeshauptstädten liegen.

Alexander Reiter
25.05.2010 12:14

Der Verkehr, der _zusätzlich_ dazukommt, ist aber im Wesentlichen der zwischen Graz und und dem Kärntner Zentralraum. Der Rest ist ja Verkehr, der auf anderen Bahnstrecken dann abnimmt.

Und großartige Fahrgaststeigerungen darf man sich auch nicht erwarten, wenn man Städte wie Leoben, Knittelfeld oder St. Veit vom Fernverkehrsnetz abschneidet.

biobert
24.05.2010 12:30

seit wann "wächst" eine Wirtschaft durch solche Investitionen?
dann würde unsere Wirtschaft ja schon lange besser dastehen, durch vorhergehende Investitionen!
dem ist aber nicht so...

alles Märchen...

Gianni Agnelli
24.05.2010 13:01

Von Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung ham Sie absolut keine Ahnung, oder? Ganz unabhängig vom Koralmtunnel, wenn sie die Investitionen in Infrastruktur der VergangenEN 50 Jahre geistig streichen, wo glauben sie stünde Österreich dann?

Und zum Thema "dann würde unsere Wirtschaft schon lange besser dastehen". Na, steht sie international gesehen wirklich so schlecht da, wie derzeit viele behaupten? Vergleichen sie einmal ein paar Kennzahlen....

biobert
24.05.2010 13:11

Da haben Sie Recht ich habe keine Ahnung!
Kennzahlen nützen gar nichts...

Eine gute Wirtschaft hat Spielraum, wir haben keinen mehr. Es gibt keine Möglichkeit mit Einnahmen den Schuldenstand zu tilgen. Das ist keine "Gute Wirtschaft".

Investitionen wie im Casino, beim nächsten mal klappts..

Tschuri Cazzino
 
24.05.2010 12:26
Als Wiener, den der Koralmtunnel nur sehr sehr am periphersten Rande trifft,

habe ich mir nicht die Zeit genommen mir eine Meinung zu bilden und werde das voraussichtlich auch nicht tun. Allerdings sind die "Argumente" die hier gegen den Bau gebracht werden nicht stichhaltig:
1) Es zählen nicht nur die Kosten. Also kann es durchaus auch sinnvoll sein mit dem Zug und nicht dem Taxi zu fahren, wenn das Taxi tatsächlich billiger ist. Die wahren Kosten für's Taxi fahren zahlen übrigens im Moment die Anwohner des Golf von Mexiko.
2) Prognosen über Jahrzehnte i.a. und besonders Verkehrsprognosen sind Scharlatanerie, die nur durch die Prognose, das diese überzogen sein werden, zu toppen sind. Die einzig zulässige Prognose in diesem Zusammenhang lautet: Wird der Tunnel nicht gebaut, so wird auch niemand durchfahren.

Hotzenplotz007
24.05.2010 11:44
A2 hat auch Geld gekostet

Naja - so einfach kanns auch nicht gehen, die Rechnung!
Sollten zumindest auch die Kosten der A2 (Bau und Sanierungen) eingerechnet werden, ...

Der Mensch der nachdenkt bevor er vordenkt
 
24.05.2010 11:05
Es schreibt sich so schön, wenn man keine Fakten braucht

Tatsache ist, dass Zugschnellverbindungen eine der wichtigsten und besten Investitionen für Bekämpfung von Armut, Arbeitslosigkeit, Abwanderung und Deindustrialisierung darstellen.
Das weiß jeder, der in Frankreich die Entwicklung des TGV und der von ihm erschlossenen Regionen beobachtet hat.
In Österreich werden die Zugschnellverbindungen ohnedies nur zögerlich ausgebaut, und dann auch noch mit Geschwindigkeiten, die weit unter den weltweit sonst üblichen (Frankreich 325, bald 350, China 340) liegen.
Geld gehört in schnelle Schienenwege (weniger Luftverkehr, Güter auf die Schiene) und Bildung investiert und nicht in Pensionen, bürokratische Zweigleisigkeiten (Bundesländer!) und Subventionen für die Wirtschaft.

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