Südafrika 2010 voller Stolz und Vorfreude

21. Mai 2010, 19:59
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Die bevorstehende Fußball-WM in Südafrika rückt neben dem sportlichen Geschehen auch die Geschichte und soziale Entwicklung des Landes am Kap wieder in den Vordergrund. Nicht ganz ohne Selbstbewusstsein

Ein halbes dutzend junger Afrikaner stehen auf der Gabor-Steiner-Wiese vor dem Riesenrad und gehen ihrer Lieblingsbeschäftigung nach, dem Fußballspielen. Einige von ihnen typisch gezeichnet vom Freizeit-Kick, mit Schürfwunden am Knie und vom rasengrün verschmutzten Socken. Fragt man die jungen Männer, wer dieses Jahr Weltmeister wird, erhält man die Antworten, die einheitlich von Fußballinteressierten auf der ganzen Welt genannt werden: Spanien, Italien und Brasilien. Aus einem strahlt dann doch ein wenig nationaler Stolz hinaus und er sagt Ghana. Und tatsächlich werden dieser afrikanischen Mannschaft die größten sportlichen Chancen zugerechnet. Die erste Weltmeisterschaft in Afrika findet in etwas weniger als einem Monat statt und Fußballfans von Ägypten bis Zimbabwe wenden ihre Augen sehnsüchtig nach Südafrika, verbunden mit einem kontinentalen Stolz. Von Werbetafeln in Yaoundé, der Hauptstadt Kameruns, mit dem Konterfei der "Unzähmbaren Löwen“, dem eigenem Team, bis zur Elfenbeinküste, in dem 2010 das Jahr der Elefanten gefeiert wird, das Maskottchen der Nationalmannschaft.

Fußball zum Aufbau einer nationalen Identität

Die bereits in der Kolonialzeit entstandene Beliebtheit des Fußballs in breiten Kreisen der schwarzen Mehrheitsbevölkerung Südafrikas, mündete während der Rassentrennungspolitik (Apartheid) in eine zunehmende Politisierung dieser Sportart. Während der Apartheid unterlag der Sport, wie alle anderen Lebensbereiche, einer strengen, auf Herkunft und Abstammung basierenden Trennung, was zur Verhinderung der Entwicklung einer südafrikanischen Nation und Identität beitrug. Mit der Regierungsübernahme des ANC unter Nelson Mandela 1994, die das Ende der Rassentrennungspolitik einläutete, veränderte sich auch nachträglich die Rolle des Sports. Dieser wurde mit großer Vehemenz – vor allem während der Rugbyweltmeisterschaft im eigenen Land 1995 – zur Entwicklung eines Nation Building- Prozesses genutzt, der das Land einen sollte. Ein erfolgreiches Abschneiden bei der Weltmeisterschaft stellte für Mandela die beste Möglichkeit dar, die verschiedenen Bevölkerungsgruppen einander näher zu bringen. Genau dasselbe Ziel verfolgt dieses Jahr die “Bafana Bafana“, die südafrikanische Fußballnationalmannschaft.

Ein steiniger Weg

Dennoch traten in vielen Kommentaren und Artikeln über die bevorstehende Weltmeisterschaft mit überwältigender Mehrheit negative Aspekte und Vorurteile in den Vordergrund. zuweilen nicht ganz zu Unrecht. Es wird von dem zweitgrößten Sportereignis der Welt ein zu optimistischer Effekt gefordert, wenn selbst der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu in ihr eine wichtige Chance zu einer Annäherung in einer weiterhin gespaltenen Gesellschaft sieht. Eine Mammutaufgabe, der unter Umständen zuviel zu gemutet wird. Auch in Österreich stellt sich das interessierte Publikum diesen Fragen. In Kooperation mit südafrikanischen und europäischen Medien sowie mit dem Forum Südafrika werden Reportagen vor und während der WM 2010 nicht nur für ein fußballinteressiertes Publikum produziert.

Die Weltmeisterschaft wird gesellschaftliche Probleme und die derzeitige soziale und ökonomische Realität Südafrikas nicht mit einem Zug wegwischen können. Ihr integrativer Ansatz und eine sportliche Erfolgswelle kann aber die Selbstwahrnehmung der Menschen am Kontinent verändern. Für die afrikanischen Fußballer beim Prater ist dies aber noch weit weg. Sie freuen sich schlicht nur auf das kommende sportliche Ereignis. (daStandard.at, 21.5.2010)

Links:

Bei “Kap Transmissions“ dient die mediale Aufmerksamkeit rund um die Fußball-WM als Aufhänger für die Darstellung politischer, sozialer und ökologischer Realitäten.

http://kaptransmissions.org

Southern Africa Documentation and Cooperation Center:

http://www.sadocc.at/

http://www.kenako.at

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    foto: mediaclubsouthafrica.com
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