USA fordern "völlige Transparenz" von BP

21. Mai 2010, 19:35
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Ölaustrittszahlen von BP werden von Wissenschaftern massiv angezweifelt

Washington/London/Oslo - Nach wachsender Kritik an ihrem Krisenmanagement hat die US-Regierung den Ölriesen BP zur sofortigen Veröffentlichung aller wichtigen Informationen und Daten zur Ölpest im Golf von Mexiko aufgefordert. Das sei ein "Muss", schrieben Heimatschutzministerin Janet Napolitano und die Leiterin der Umweltbehörde EPA, Lisa Jackson, an BP-Chef Tony Haward: "Die Öffentlichkeit ... hat Anspruch auf völlige Transparenz."

Zuvor war Washington unter Beschuss geraten: Wissenschafter und Umweltexperten lasten der Regierung an, dass sie sich bei der Einschätzung des Ausmaßes der Ölkatastrophe zu stark auf Angaben von BP verlässt, anstatt eigene Untersuchungen durchzuführen. Das Misstrauen darüber, wie akkurat die BP-Angaben über den andauernden Ölaustritt sind, wächst.

So geht aus einem im Internet zu sehenden Live-Video vom Meeresgrund hervor, dass mehr Öl aus dem abgerissenen Steigrohr ins Wasser sprudelt, als BP zugibt. Dabei sei es nach Angaben des Konzerns mittlerweile gelungen, täglich etwa 700 Tonnen Rohöl direkt abzusaugen. Doch das entspricht genau den bisherigen BP-Schätzungen der Gesamtmenge, die täglich ins Meer gelangt sind. Wissenschafter hatten hingegen seit Tagen von Werten zwischen 2800 und 14.000 Tonnen täglich gesprochen.

Die Hoffnungen auf eine Wende im Kampf gegen die Ölpest konzentrieren sich nun auf einen zunächst für Sonntag geplanten BP-

Versuch, das Bohrloch zu schließen. Bei der geplanten Methode, die Experten als "Top kill" bezeichnen, werden große Mengen schweren Schlamms unter hohem Druck in die Quelle gepresst. Anschließend soll sie mit Zement endgültig abgedichtet und "versiegelt" werden.

Panne auf Nordsee-Plattform

Währenddessen ist am Donnerstag in der Nordsee eine norwegische Bohrinsel teilweise geräumt worden. Nach einer Druckveränderung in einer Bohrleitung sei eines von zwei Sicherheitsventilen abgestellt worden, sagte ein Sprecher des norwegischen Ölkonzerns Statoil, der die Plattform betreibt. 89 Beschäftigte, die nicht für unmittelbar notwendige Arbeiten gebraucht würden, seien von der Bohrinsel Gullfaks C in Sicherheit gebracht worden. Öl trete nicht aus. "Wir gehen davon aus, dass wir die Lage unter Kontrolle haben", sagte der Statoil-Sprecher im norwegischen Fernsehen. (AFP, dpa, rott/DER STANDARD, Printausgabe, 22./23./24. Mai 2010)

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