Zittern um die erste Regenbogenparade

21. Mai 2010, 19:24
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Organisatoren: "Die meisten Menschen hier meinen, dass ein solches Engagement nichts ändert"

In der Slowakei sei es "bisher nicht üblich, Privates an die Öffentlichkeit zu tragen", sagt Peter Weisenbacher (30). Durch die Erfahrungen mit Diktatur und politischen Umstürzen und den Einfluss der katholischen Kirche gebe es außerdem keine Kultur des öffentlichen Protestes: "Die meisten Menschen hier meinen, dass ein solches Engagement nichts ändert."

Daher, so Weisenbacher, stehe die Öffentlichkeit der Dúhovy Pride – der allerersten slowakischen Parade von Lesben und Schwulen am Samstag in der Bratislavaer Altstadt – mit Unverständnis oder Ablehnung gegenüber. "Vorabberichte in den Medien hatten meist den Tenor, dass es gar nicht nötig sei, Homosexuellen gleiche Rechte zu geben", sagt Roman Kolarik (30), der wie Weisenbacher im Paraden-Organisationskomitee sitzt.

Bis vergangenen Mittwoch war zudem nicht klar, inwieweit die Behörden der nur 60 Kilometer östlich von Wien liegenden Stadt dem geplanten Marsch über die Nichtuntersagung hinaus Schutz gewähren würden; angesichts der Bedrohung durch Rechte ein wichtiger Punkt.

Doch dann bestanden mehrere Botschaften von EU-Staaten in der Slowakei auf einem Treffen mit Polizei und Bürgermeister des Bratislavaer Stadtzentrums Staremesto, Andrej Petrek. Die Intergroup des Europaparlaments über Homosexuellenrechte schickte den Verantwortlichen einen Brief: "Jetzt steht Petrek der Pride positiv gegenüber", berichtet Weisenbacher.

"Aufgrund von Beobachtungen bei Slovenská pospolitost (rechtsextreme slowakische Partei) bestehen bestimmte Sicherheitsrisiken", teilte Petrek am Freitag dem Standard mit. "Wir stehen bereit." In Vilnius, Budapest, Bukarest und anderen osteuropäischen EU-Städten wurden Regenbogenparaden in der Vergangenheit von Rechten offen angegriffen. (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 22./23./24. Mai 2010)

  • Pride-Organisatoren Kolarik (li.) und Weisenbacher
    foto: der standard/irene brickner

    Pride-Organisatoren Kolarik (li.) und Weisenbacher

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