Integration, ein Kinderspiel

21. Mai 2010, 19:45
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Das Projekt Limda im zweiten Wiener Gemeindebezirk hilft Kindern aus Flüchtlingsfamilien und macht vor, wie zivilgesellschaftliches Engagement aussehen könnte

Zaynap trägt heute einen Prinzessinnenschleier. Den hat sie sich aus der Spielkiste geholt. Kleine Plastikperlen verzieren ihr hübsches Gesicht, während sie aufgeregt von einem Bein auf das andere hüpft und auf das Startzeichen wartet. Dann rennt sie los, hinter ihr flattert der durchsichtige Stoff. Zaynap ist neun Jahre alt, bewegt sich flink und erledigt geschickt alle Aufgaben. In Windeseile hat sie eine Menge Kisten gestapelt, die alle stehenbleiben. Das Spiel, das hier in einem kleinen Hinterhof in der Leopoldgasse im zweiten Wiener Gemeindebezirk gespielt wird, ist kein gängiges Kinderspiel. Es hat keinen bestimmten Namen, aber einen ganz bestimmten Zweck.

Die Frau, die das Startzeichen zu diesem Kinderspiel gegeben hat, heißt Stefanie Ecker. Sie ist 36 Jahre alt, lebt seit knapp drei Jahren hier im Bezirk und hat früher, vor ihrer Heirat und den Kindern, als Sozialpädagogin mit jungen Straftätern gearbeitet. In Jeans, buntem T-Shirt und mit lässig aufgesteckten Haaren erklärt sie die Spielregeln und klatscht dann, wenn es losgeht, begeistert in die Hände. Von den neun Kindern, die jetzt wie wild durch die Gegend sausen, kommen sechs aus Tschetschenien und drei aus Österreich. Zaynap zum Beispiel kam vor 17 Monaten mit den Eltern und zwei Geschwistern ins Ute-Bock-Haus. In Tschetschenien, wo offiziell kein Krieg mehr herrscht, wurde ihr Vater von Soldaten verschleppt und geschlagen, der Bauernhof, auf dem die Eltern gearbeitet haben, niedergebrannt, ein viertes Kind (mit Down-Syndrom) ist in dieser Schocksituation gestorben. Zaynaps Familie ist kein Einzelschicksal.

Das Spiel, das Zaynap mit den anderen Kindern spielt, könnte "Brücken bauen" heißen oder "Reise nach Österreich" oder auch "Grenzen überwinden". Egal. Es geht auf jeden Fall darum, auf einer imaginären Brücke zwischen Tscheschenien und Österreich Dinge, Kisten und Stofftiere, hin und her zu transportieren. Die Kinder sollen spielerisch erfahren, dass nicht alles im Leben traumatisch sein muss. Wer als erster fertig ist mit dem Kistenturm, der hat gewonnen. Süßigkeiten am Schluss bekommen natürlich alle.

Zwischen den beiden mittelgroßen Bäumen im Hinterhofgarten ist ein Banner gespannt und auf dem steht in großen Lettern drauf, worum es hier geht: Limda - Flüchtlingskinder-Integration www.lebensundsozialberatung.at. So heißt die Homepage des gleichnamigen Vereins, den Stefanie Ecker vor 24 Monaten gegründet hat. "Angefangen hat alles mit der Spielbetreuung", erzählt Steffi beim ersten Treffen in der Leopoldgasse. Geöffnet hat sie die Glastüre zu ihrer Wohnung mit einem Säugling am Arm und ihrer kleinen Tochter an der Hand. Die heute zweieinhalbjährige Daisy mit den strubbeligen blonden Haaren und den wachen blauen Augen war der eigentliche Auslöser für das beachtliche Netzwerk, das bis heute entstanden ist. Die wachen Augen hat Daisy ganz offensichtlich von ihrer Mutter. Denn die ist, als Daisy noch kleiner war, viel mit dem Kinderwagen unterwegs, und auf diesen Spaziergängen ist ihr aufgefallen, was Menschen hier im Karmeliterviertel, wenn sie mit offenen Augen durch die Welt gehen, eigentlich auffallen müsste: Kinder auf der Straße, in kleinen Gruppen, sich selbst überlassen, die Ältesten gerade zehn Jahre alt.

Das Karmeliterviertel ist jener Teil des zweiten Bezirks, der am nächsten zur Innenstadt liegt. Hierher sind in den vergangenen Jahren viele Kreative gezogen, die sich in der Gegend selbstständig gemacht haben, viele junge Leute, mit Kindern, die Mieten steigen beständig. Im Viertel gibt es inzwischen eine Reihe schicker Lokale und Läden. Und neben den vielen orthodoxen jüdischen Familien, die hier leben, gibt es in der Karmelitergasse seit 2006 auch das Haus der Ute Bock, die Flüchtlingen ihr harte Leben ein bisschen leichter machen will. So stoßen, wenn auch sanft, Welten aufeinander, die nur selten miteinander zu tun haben. Große geräumige Altbau-Wohnungen, in denen auf vielen Quadratmetern nur Kleinfamilien mit einem Kind wohnen, die Fensterfronten auf das abbruchreife Ute-Bock-Haus gerichtet, deren Bewohner sich wenige Quadratmeter mit vielen anderen teilen müssen. Ein Leben hinter Vorhängen, geprägt von der Angst vor Abschiebung. Besonders die Tschetschenen gehen kaum raus, nur die Kinder, und die allein.

Im Moment mietet Frau Bock (68) rund hundert Wohnungen in Wien, in denen zwischen 350 und 400 Flüchtlinge leben. Der Großteil der von ihr betreuten Flüchtlinge stammt aus Tschetschenien. Menschen, die durch den Krieg und dessen Folgen schwer gezeichnet sind. Im desolaten Haus in der Karmelitergasse, das dem Wiener Bauträgerunternehmen Ulreich gehört und Ute Bock kostenlos zur Verfügung gestellt worden ist, wohnen durchschnittlich zwischen 20 und 30 Kinder. "Diese Flüchtlingskinder dürfen zwar in die Schule gehen, aber wer für die Schulsachen bezahlt, interessiert niemanden", hat Frau Bock Ende erst vor kurzem auf www.derStandard.at gebloggt. Und genau an diesem Punkt kommt der Verein Limda ins Spiel.

"Ich kooperiere mit der Bock", sagt Steffi, sie sitzt am großen Holztisch ihres Wohnzimmers, das aussieht wie das große Spielzimmer eines Waldorf-Kindergartens: roter Teppichboden, mit Matratzen am Boden, Regalen mit Kinderbüchern, ein Flipper und jede Menge an Kisten mit Spielsachen. Die Bock kümmere sich um Wohnen, Essen und alle rechtlichen Angelegenheiten der Flüchtlingsfamilien, sagt Steffi: "Für alles andere bleibt keine Zeit und kein Geld!" Der Fokus von Limda liegt klar auf den Flüchtlingskindern, obwohl die Arbeit mit den Kindern öfters auch die Unterstützung für deren Eltern bedeutet: "Wir wollen Integration schenken!", sagt sie und hat dafür ihre eigenen vier Wände geöffnet. Ihre ebenerdige Wohnung ist ein ehemaliges Geschäftslokal in der Leopoldgasse, mit einer blau und gelb gestrichenen Außenfassade und großen Auslagenscheiben, die mit Blumenbildern bemalt sind. Viele, die hier vorbeikommen, fragen sich, was sich hinter dem bunten Anstrich befindet. Wer sich Zeit nimmt, könnte das einfach herausfinden, denn an Tür und Auslagenscheiben hängen zahlreiche Zettel und Fotos, die darüber Auskunft geben, ob gerade jemand bei Limda da ist, wie viele Spenden eingenommen wurden oder was in letzter Zeit los war.

Heinrich Böker, der gegenüber auf der anderen Straßenseite wohnt, ist so auf das Projekt Limda aufmerksam geworden. Eines Tages ist der EDV-Mann einfach rein und hat sich schlau gemacht. Seither ist er einer von sieben ehrenamtlichen Mitarbeitern und hat für Limda eine eigene Homepage gebaut, die er für das Projekt auch betreut. Wer dort hinklickt, bekommt eine genaue Vorstellung von dem, was Limda tut. "Limda ist", steht dort, "ein sozial-integratives Nachbarschaftsprojekt (...) Derzeit leben im Ute-Bock-Haus und weiteren Unterkünften etwa 50 Flüchtlingskinder (...) Limda hilft diesen Kindern mit Spielbetreuung, Integration, Schulbetreuung, medizinischer Versorgung, therapeutischen Maßnahmen, Ansprechpersonen für akute Notfälle." Was bedeutet das konkret? Limda unternimmt Ausflüge zu Spielplätzen und in Schwimmbäder, auch in Museen und Kultureinrichtungen. Die Flüchtlingskinder bekommen über die Mitarbeiter auch Kontakte zu österreichischen Kindern. Steffi und ihre Helfer machen die Schulanmeldung und halten Kontakt mit den Schullehrern, da die Eltern meist kein Deutsch sprechen, kontrollieren Mitteilungshefte, machen Hausübungsbetreuung und sammeln Schulgeld für Ausflüge, Veranstaltungen oder auch - simpel, aber notwendig - Jausenboxen, Trinkflaschen oder Füllfedern. Die Kinder haben meist wie ihre Eltern keine Krankenversicherung. Der Verein organisiert Ärzte, die gratis behandeln, und Therapien, die den Kindern helfen. Und: Die Flüchtlingskinder können sich jederzeit mit Problemen an die Limda-Leute wenden.

Wer nur einen halben Tag mit Stefanie Ecker unterwegs ist, bekommt einen kleinen Eindruck von der Vielschichtigkeit ihrer Unternehmungen. In die Volksschule in der Kleinen Sperlgasse waren im Vorjahr noch sieben Kinder aus dem Ute-Bock-Haus, zurzeit sind es nur noch zwei, erzählt Stefanie. Sie ist dorthin unterwegs, um ein tschetschenisches Mädchen namens Linda abzumelden, das nicht mehr in Wien ist. "Ist das alles?", fragt die Direktorin mit unterkühlter Stimme und versenkt den Blick wieder in ihren Computer. Steffi versucht sich über die Ignoranz mancher Menschen im Umgang mit Flüchtlingen nicht mehr zu ärgern. Sie hat in den vergangenen Jahren auch positive Erfahrungen mit Lehrern und Lehrerinnen gemacht, aber manche empfinden die Flüchtlingskinder nur als unnotwendige Zusatzarbeit. Auf den Übersiedlungspapieren für Linda steht: "Wohnort unbekannt, lt. Ute Bock nach Frankreich geflüchtet". Mit ihren fünf Geschwistern und den Eltern ist Linda nach Frankreich geflüchtet, weiß Steffi. Schlepper verlangen dafür viel Geld. Eine Flucht aus Tschetschenien nach Polen, hat Steffi vom Vater eines ihrer Schützlinge erfahren, kostet rund 400 Euro pro Person, von Polen dann zum Beispiel nach Österreich schon über 2000 Euro pro Person.

Das Ute-Bock-Haus liegt nur ein paar Schritte von der Volksschule entfernt. Während Steffi im heruntergekommenen Stiegenhaus auf eine Hebamme wartet, die sich bereiterklärt hat, eine schwangere Frau bis zur Geburt zu begleiten, wacht ihre kleine Tochter im Kinderwagen auf. Natürlich sei es anstrengend, sämtliche Erledigungen für Limda mit zwei kleinen Kindern zu machen, aber ihre Kinder schaffen auch Vertrauen im Umgang mit den Flüchtlingsfamilien. Während Steffi mit der Hebamme in die Wohnung der Schwangeren geht, um dort mit ihr und ihrem Mann Fragen zu Versicherung, Betreuung des ersten Kindes und medizinischer Versorgung bis zur Geburt zu klären, ist Daisy in der Wohnung gegenüber und spielt mit Aishat, einem siebenjährigen Mädchen, das oft zu Limda kommt und Daisy bestens kennt. Hier wohnen auf engstem Raum sechs und manchmal mehr Menschen. In einem kleinen Küchenvorraum steht eine Duschkabine, in der ein kleiner Geschirrberg liegt, auf einer Waschmaschine steht die einzige Kochplatte, im kleinen Hauptraum befinden sich ein Kasten und ein Ecksofa, der Fernseher steht auf einem Kühlschrank, es läuft SpongeBob. Aishats Mutter Raisa ist depressiv, sie war gerade eine Woche in Traiskirchen und ist zurück ins Ute-Bock-Haus gekommen, weil sie es dort nicht ausgehalten hat. Auch sie will mit Steffi reden.

Eine Auszeit schenken

Steffi macht noch schnell einen Erstkontakt zu einer neuen Tschetschenen-Familie im Haus einen Stock darunter. Sie klingelt, stellt sich vor. Die neue Familie hat vier Kinder, der Vater sitzt im Rollstuhl, nickt und wirkt so als würde er nicht verstehen, worum es hier geht. Schnell schließt er die Türe wieder. Das nächste Mal wird Steffi mit einem Dolmetscher vorbeikommen, um die Sache mit der Schulanmeldung für die Kinder zu klären. Zwei junge Männer tragen einen alten Computer und Fernseher über die schmale Treppe. "Die Tschetschenen gehen kaum raus, da wird viel Computer gespielt", sagt Steffi. Kinderfahrräder stehen herum, jemand zieht die Spülung vom Gangklo. Ein Wunder, so Steffi, die Sanitäranlagen funktionieren kaum noch, weil das Haus so alt und desolat ist. Raisa wartet schon, und Steffi muss sich zu ihr setzen, bevor sie ihre Tochter wieder abholt. Raisa hat bereits zwei negative Asylbescheide und Angst. Steffi erklärt ihr langsam und immer wieder: "Ute Bock darf niemanden verstecken, sonst kann sie den Leuten nicht mehr helfen." Raisa mit dem tragischschönen Gesicht wirkt verzweifelt, aber Steffi kann ihr nicht helfen, nur zuhören und einen Rat geben: "Du musst mit Ute Bock zusammenarbeiten!"

Die kleine Zaynap, die auch hier wohnt und deren Mutter still auf dem Sofa sitzt, hat beim Übersetzen geholfen, damit Raisa versteht, was Steffi meint. Steffi macht das nur in Ausnahmefällen, weil die Kinder, die schneller Deutsch lernen als die Erwachsenen, durch das ständige Übersetzen oft mit Informationen belastet werden, die sie nicht verkraften. Auf dem Weg zurück in die Leopoldgasse wirkt Stefanie Ecker bedrückt, der Fokus ihrer Arbeit sollte mehr auf den Kindern liegen, aber die Grenzen, sagt sie, seien oft nicht einfach zu ziehen. Sie will etwas für Aishat und Zaynap tun, ihnen mit Limda so etwas wie eine Auszeit von ihrem Flüchtlingskinder-Dasein schenken.

Trotzdem überwiegt das positive Gefühl im Engagement für Limda. Zu Weihnachten hat Steffi einen Korb vor die Türe gestellt, in den die Leute Geschenke für die Kinder reinlegen konnten. Die Aktion war ein voller Erfolg, es kamen über 90 Geschenke zusammen. "Die Leute haben nur gute Sachen geschenkt", sagt auch Heide Kouba, eine weitere Mitarbeiterin von Limda. Die attraktive Frau mit der Löwenmähne wohnt auch im Grätzel, ist frisch pensioniert und voller Tatendrang. Oft sagt sie Sätze wie: "Jetzt geht auch administrativ was weiter!" Sie und Steffi sitzen am großen Küchentisch, es geht um die Planung: Wer macht was? Die neuen Flyer für die Schulen sind gerade fertig, zwei Schultelefonate stehen noch aus ...

An manchen Tagen ist richtig viel los, meist wenn Spiele organisiert werden, heute werden die Mädchen geschminkt. Eine Menge Farbtiegel steht auf dem großen Tisch, und die Kinder warten geduldig, bis sie an der Reihe sind. Aus Zaynap wird eine Prinzessin, aus Said ein Tiger und aus Daisy eine kleine Katze. Die tschetschenischen Frauen sitzen in der Küche rund um den Tisch mit den Mandarinen und Äpfel und reden. Ein Vater steht mit dem Sohn am Flipper und hinten im Garten ruft Heide die Kinder zusammen, damit sie dann gemeinsam "Brücken bauen". Heinrich fotografiert die Kinder für die Homepage. Auch Heinrichs Frau ist mitgekommen. Birgit ist 38 und Ärztin - und auch sie arbeitet mittlerweile für Limda. Sie wird angerufen, wenn eines der Kinder krank ist. Dann kommt sie nach ihrer Arbeitszeit ins Ute-Bock-Haus und kümmert sich um Ohrenentzündungen, Hautausschläge, grippale Infekte und Lausfreistellungen für die Schule. Sie nimmt auch die Medikamente mit, und falls eines der nichtversicherten Kinder in ein Krankenhaus müsste, würde sie bei Kollegen anrufen. Bis dato war das noch nicht notwendig.

Die blonde Ärztin ist davon überzeugt, dass durch ihr Engagement nicht nur die Flüchtlingskinder profitieren, sondern auch ihre eigenen. Ihr Sohn Paul ist acht, die Tochter zehn. Beide spielen heute mit. Einer von Pauls Freunden lebt im Ute-Bock-Haus, dem hilft er bei den Hausaufgaben und wendet sich an seine Mutter, wenn sein Freund nie eine Jause in der Schule mithat oder den Beitrag fürs Eislaufen nicht bezahlen kann. "Es geht ums Teilen!", ist einer von Steffis Lieblingssätzen. Die kleine Daisy läuft mit den großen Mädchen in den Garten. Sie ist überall dabei, nicht menschenscheu und für ihre zwei Jahre ungemein aufgeweckt. Weil sie bei der Hausübungsbetreuung immer dabei ist, kann sie bereits bis 20 zählen, die meisten Buchstaben - und gut teilen. "Meine Kinder haben durch das alles nur Vorteile!", sagt Steffi voller Überzeugung.

Die Spendentransparenz von Limda ist jetzt nicht nur an der Tür, sondern auch im Internet sichtbar. Heinrich stellt die Abrechnungen Monat für Monat auf die Homepage. Im Jänner etwa wurden 506 Euro eingenommen, es gab Ausgaben für Schulangelegenheiten (95 Euro), für einen Ghettoblaster (45 Euro), für Batterien (15 Euro), Windeln, Benzin, Eislaufen, Tanzen und Schuhe. Die Homepage bedankt sich regelmäßig bei Spendern und Organisationen, die helfen, wie etwa dem St.-Joseph-Krankenhaus oder dem MQ, das den Kindern kostenlosen Eintritt schenkt, oder auch dem Badeschiff, das Steffis Mann betreibt, ohne dessen Unterstützung das Projekt nicht funktionieren würde. "Mit den Spenden geht es ganz gut!", sagt Stefanie Ecker, obwohl Geld natürlich immer gebraucht wird und im April und Mai wenig hereinkam. Was aber für Limda noch wichtiger wäre: "Wir suchen Menschen!" Menschen, die eine Schulpartnerschaft für ein Kind übernehmen oder die Kinder bei Arztbesuchen begleiten. Menschen, die ihre Zeit schenken - und ein bisschen teilen wollen.

"Vieles bedenkt man nicht, bevor man es nicht tut", sagt Angela, beruflich für "Leben in Hernals" tätig und ehrenamtlich für Limda. Sie hat sich vieles einfacher vorgestellt. Alles ist ein Aufwand: Man muss die Kinder abholen, hinbringen, Dinge besorgen, alles mit Eltern koordinieren, die enorm unter Druck stehen, oft psychisch krank sind und Angst vor der Abschiebung haben. Es geht oft nur um Kleinigkeiten, die aber nur mit großen Auf- wand funktionieren: Schuljausen, Schwimmunterricht, etc.: "Es geht darum, dass diese Kinder nicht ständig nur Demütigungen erfahren!", sagt Angela. Es geht um Respekt und darum, dass ein Kind wie Zaynap einmal ein bisschen normales Kinderleben erfahren, einmal Prinzessin sein darf.

Die neunjährige Zaynap ist in der Zwischenzeit von ihrem Flüchtlingskind-Dasein eingeholt worden. Ihr Vater ist in der Psychiatrie gelandet, und die Mutter wurde zwei Tage und Nächte in Schubhaft gesteckt, ohne dass sie ihre Kinder im Ute-Bock-Haus anrufen durfte. Die drei Geschwister wurden versteckt, bis klar war, dass die Familie wieder ins Asylverfahren aufgenommen wurde. Momentan leben Zaynap und ihre Familie in Graz in einem Lager, zumindest solange, bis wieder ein (sehr wahrscheinlich negativer) Bescheid kommen wird und sie alle wieder in einem Niemandsland und vielleicht bei Ute Bock landen - und Zaynap wieder einmal ihren Prinzessinnenschleier tragen kann. (Mia Eidlhuber/DER STANDARD, Printausgabe, 22./23./24. Mai 2010)

Spenden unter: Projekt Limda
Bawag, Kontonr.: 02520229160, BLZ 14000;
www.lebensundsozialberatung.com

Zur Person

Mia Eidlhuber, geb. 1971 in Linz, studierte Publizistik und Politikwissenschaften an der Universität Wien. Sie arbeitete u. a. für "Profil" und "Die Zeit" und ist seit 2004 beim Standard , seit 2009 Redakteurin im ALBUM.

  • Limda hilft diesen Kindern mit Spielbetreuung, Integration, Schulbetreuung, medizinischer Vorsorge, therapeutischen Maßnahmen und Ansprechpersonen für akute Notfälle
    foto: der standard/mia eidlhuber

    Limda hilft diesen Kindern mit Spielbetreuung, Integration, Schulbetreuung, medizinischer Vorsorge, therapeutischen Maßnahmen und Ansprechpersonen für akute Notfälle

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