Autonarren, Hobbysportler und andere gewöhnliche Zeitgenossen

21. Mai 2010, 18:57
posten

Das Filmarchiv präsentiert ein "Special Josef Dabernig"

Wien - Eine Handvoll Menschen geht in einem spartanisch ausgestatteten Raum der körperlichen Ertüchtigung nach: Einer lüpft ganz zart ein Paar Silberhanteln, ein anderer nimmt irgendwann doch noch auf einem vorher verwaist wirkenden, feststehenden Rennrad Platz. Auf Matten dehnen Frauen mit Sorgfalt ihre Körper. Die Zeit vergeht und scheint zugleich stillzustehen.

Excursus on Fitness, der jüngste Film von Josef Dabernig, ist derzeit nicht im Kino, sondern im Untergeschoß des Wiener Mak zu sehen. Dabernig, Jahrgang 1956, hat in Wien Bildhauerei studiert, bevor er sich dem Medium Film zuwandte - bis heute arbeitet er mit 16mm- oder 35mm-Material. Das Filmarchiv Austria richtet nun über Pfingsten im Metro-Kino eine kleine Werkschau ein und ermöglicht so die Zusammenschau der jüngsten und früheren Arbeiten, die zueinander in verschiedenster Hinsicht eine enge Verwandtschaft unterhalten:

Nicht nur das Personal - inklusive Dabernig selbst - kennt man (zumal aus dem vorletzten Film, der lakonisch-minimalistischen Sommerfrischekomödie Hotel Roccalba, 2008). Die präzisen Schwarz-Weiß-Aufnahmen machte einmal mehr der Kameramann Christian Giesser. Im Zentrum steht das Studium von Räumen, Körpern und Verhaltensweisen - sowie die Schärfung und Irritation der Wahrnehmung, die aus der pointierten Zusammenführung dieser Komponenten entstehen.

Die kurzen Filme, die Josef Dabernig seit rund fünfzehn Jahren, manchmal auch in Kollaboration, inszeniert, sind kleine Dokufiktionen, in denen "vergessene" Orte Schauplätze an sich gewöhnlicher Handlungen werden. Da wird beispielsweise ein Grüppchen fußmaroder Männern in einem Hotel zusammengeführt. Die Männer nehmen offenbar eine Vertragsunterzeichnung vor, die Kamera studiert architektonische Details im Gebäude. Aus dem Off kontempliert eine Stimme Erfahrungen von Rückkehr und Erinnerung (Rosa coeli, 2003).

Oder ein einsamer Automobilist fährt durch Italien. Er unterbricht die Fahrt in Lancia Thema (2005) immer wieder, um das Auto in der Haltung eines ambitionierten Hobbyfotografen abzulichten. Die Kamera führt den Blick derweil über architektonische und landschaftliche Brachen - der anonyme Tourist gerinnt zum sozialen Typus und bleibt von den modernen Ruinen gänzlich unberührt. (Isabella Reicher, DER STANDARD/Printausgabe, 22./23./24.05.2010)

Filmschau Metro-Kino bis 25. Mai; Ausstellung im Mak bis 12. 9.; "curated by" , Galerie Andreas Huber bis 5. 6.

  • Arbeitende Männer, wie sie sitzen und warten, heimkehren und wegwollen: 
"Rosa coeli"  (2002) von und mit Josef Dabernig (li.)
    foto: sixpackfilm

    Arbeitende Männer, wie sie sitzen und warten, heimkehren und wegwollen: "Rosa coeli" (2002) von und mit Josef Dabernig (li.)

Share if you care.