"Es gibt sie": Gesammelter Blick auf das Frauenpotenzial

21. Mai 2010, 18:51
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Gabriele Heinisch-Hosek musste auf ihre Forderungen viel einstecken - Sie bleibt aber dabei

"Intensiv gesucht, aber keine Frau gefunden", "leider, wir hätten ja so gern, aber es gibt ja keine" - so oder so ähnlich fallen freundliche Antworten auf die Frage aus, warum in Top-Führungs- und Aufsichtsgremien keine oder kaum Frauen zu finden sind.

Bei Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek kommt solches nicht freundlich an, sondern schlicht als Frauenverhinderung.

Von Kollegen und Unternehmensvertretern überwiegend schroff für ihre Forderungen nach verpflichtenden Frauenquoten und anonymisierter interner Gehaltstransparenz gemaßregelt, setzt sie nun subtilere Werkzeuge ein, um "weiblichen Talenten den Weg zu ebnen": Auf der Website www.frauenfuehren.at gibt es ab heute, Samstag, nicht bloß eine Zusammenschau der Studien, Daten und Fakten zu Frauen im Erwerbsleben und Beispiele der Good Practise, sondern auch die Kontaktadressen jener (zusammen derzeit 31) Frauennetzwerke, über die sofort auf das Potential hochqualifizierter Frauen heranzukommen ist.

Dass es die Frauen nicht gebe und dass man ja nicht wisse, wo sie zu finden seien - dieses Argument hofft Heinisch-Hosek somit elegant aus dem Spiel zu drängen. Gleichzeitig biete die neue Website insgesamt die Chance, sich vertiefend zu informieren, sich zu vernetzen, Kontakte zu knüpfen.

Kein Geschäftsfeld

Kommerziell, so die Ministerin, werde diese Website nicht geöffnet - weder für Weiterbildungsanbieter noch für Unternehmen aus dem Personalberatungsbereich. Derzeit schon vorhanden ist ein Blick in die Meinungswelt der Medien - möglich, dass eine Art Event-Kalender noch Eingang finden wird.

In puncto härteres politisches Feld sagt Heinisch-Hosek: Ihr (nunmehr als Stufenplan entschärfter) Quotenplan liege im Wirtschaftsministerium zur Diskussion, während sie als zentrales Fürsprecher-Argument die harte Ökonomie bemüht, also sämtliche Studien, wonach entsprechende Teilhabe von Frauen am Wirtschaftsprozess die Wertschöpfung volkswirtschaftlich wie auch auf Unternehmensebene mehrt und Diversität zu innovativeren Lösungen führt.

Sie nehme ihre Aufgabe "als Marathon" zur Kenntnis, sagt sie, und kanalisiere ihre Ungeduld positiv. Freiwilligkeit "gehe aber nicht, gutes Zureden bringt uns nicht weiter". (kbau, DER STANDARD, Printausgabe 21./22./23. Mai 2010)

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    Die Frauenministerin setzt jetzt auch subtilere Werkzeuge ein.

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