Für eine Huldvoll Fragen

21. Mai 2010, 18:21
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Jetzt gibt es schon wieder einen Teflon-Mann in Österreich

Jetzt gibt es schon wieder einen Teflon-Mann in Österreich. Einst hat ein geistloser Journalismus Franz Vranitzky mit diesem Ausdruck belehnt, und weil es zwischen ihm und Karl-Heinz Grasser ja so viele Ähnlichkeiten gibt, übersiedelte die Phrase nun parasitengleich auf Letzteren. Ist ja wurscht. In diesem Sinne lautet die Titelgeschichte vom "News" dieser Woche Der Teflon-Mann. Bei einem solchen handelt es sich, journalistischen Sprachgewohnheiten zufolge, um eine Person, an der, wie an der ihn definierenden Substanz, alles mögliche abprallt, ohne sichtbare Spuren zu hinterlassen.

Aber schon auf dem Cover straft sich das Magazin Lügen, heißt es dort doch auch Phänomen Karl-Heinz Grasser: Der Mann, von dem nur scheinbar alles abprallt. Scheinbar oder anscheinend, das ist hier die Frage. Sollte es sich beim dieswöchigen Titelhelden nur um einen scheinbaren Teflon-Mann handeln? Der Chefredakteur nährt im Editorial diesen Verdacht, indem er aus dem Beitrag im Blattinneren das Fazit zieht: Am "Teflon-Mann" prallen längst nicht mehr alle Angriffe ab, sein Image hat kräftige Kratzer abbekommen. Teflon ist offenbar auch nicht mehr das, was es einmal war.

Nur der angekratzte Teflon-Mann ist der alte geblieben. Denn um die kräftigen Kratzer weiß Grasser auch selbst, obwohl er sich sowohl im autorisierten Interview als auch im Background-Gespräch weiter äußerst selbstsicher präsentiert. Und das, obwohl KHG in unserem Magazin in den vergangenen Monaten alles andere als huldvoll behandelt wurde.

Huldvoll? Echt? "News" - seit Peter Pelinka das Magazin mit 50 Prozent mehr Huld in der Trockenmasse statt alles andere? Das muss seinen Grund haben, und da ist er: Braun gebrannt und im blitzblauen Anzug betrat er ohne Anwalt und Mediencoach die NEWS-Räume - und verließ sie zwei Stunden lang nicht. Was immer in diesen zwei Stunden geschah, es war Huldvöllerei der üppigsten Art, denn was immer man von ihm hält: Es war mutig, sich unseren Fragen zu stellen. Ein Mut, der schon deshalb zu preisen war, weil nicht von vornherein damit zu rechnen ist, dass einem blitzblauen Anzug am Mann eine ähnlich apotropäische Wirkung zukommt wie Teflon. Muss aber so sein.

 

Jedenfalls konnte sich der Mann, der für eine Huldvoll Fragen die NEWS-Räume zwei Stunden lang nicht verließ, darauf verlassen, dass sein blitzblauer Anzug ihn wenn schon nicht wie Teflon schützen, so doch eine derart geistlähmende Wirkung auf Interviewer haben würde, dass kein Zweifel an seiner blitzblauäugigen Unschuld zurückbleiben würde, weshalb es auf Seite 13 hieß, bisher prallten alle Vorwürfe ab, wo auf Seite 5 noch vom "Teflon-Mann" die Rede war, an dem längst nicht mehr alle Angriffe abprallen.

Jeder Krämer lobt eben seine War', auch der journalistische, selbst wenn sich beim Genuss herausstellt, dass sie dem Lob nicht ganz entspricht. War beim Chefredakteur die Rede von Interviews, die ein wenig mehr sind, bot das Interview mit Grasser kein Wort mehr, als man von ihm gebetsmühlenartig hört.

Als Finanzminister mehr Schulden als zuvor gemacht - Das kostet mich maximal ein Lächeln. Anzeige in Zusammenhang mit Novomatic - Das ist mir völlig egal. Die Homepage-Affäre - Das beste Beispiel für einen parteipolitisch motivierten Skandalisierungsversuch. Urlaub von Meischberger bezahlt - einmal mehr ein wirklich lächerlicher Versuch einer parteipolitischen Verfolgung. Trauzeuge Meischberger im Buwog-Skandal - Ich war ja mehr als überrascht, als ich von diesem Auftrag der Immofinanz erfahren habe. Persönliche Verantwortung im Buwog-Skandal - Ich bin nicht dafür verantwortlich, dass ein Konsortium zwei privaten Unternehmern einen Lobbying-Auftrag erteilt und dafür neun oder zehn Millionen Euro zahlt. Ein ehemaliger enger Mitarbeiter beschuldigt Sie - Davon bin ich persönlich enttäuscht. Einladung, in die Kärntner Hypo zu investieren - Ich weiß nicht, warum der Herr Berlin dem Herrn Meischberger diese E-Mail geschrieben hat. Wer könnte sonst investiert haben - Ich kann nicht für mein Umfeld sprechen.

So viele Neuigkeiten auf einer Strecke von zwölf Seiten plus Cover sind von einem unvorbereiteten Leser gar nicht zu verkraften. Immerhin weiß der Teflon-Mann, dass in der Buwog-Geschichte die Optik katastrophal ist. Allerdings: Ich weiß aber auch, dass ich da jeden Tag vorverurteilt werde, obwohl ich mir nichts habe zuschulden kommen lassen.

So viel Huld hat er verdient. (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 22./23./24.5.2010)

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