Faymann erstmals vor Pröll

21. Mai 2010, 18:02
445 Postings

STANDARD-Umfrage: Kanzler punktet bei Krisenbewältigung und würde Kanzlerwahl gewinnen - SPÖ aber klar hinter ÖVP, FPÖ im Vormarsch

Linz - Die aktuellen Herausforderungen in der Krisenbewältigung haben Bundeskanzler Werner Faymann ein während seiner gesamten Amtszeit noch nicht erreichtes Popularitätshoch verschafft. Erstmals liegt Amtsinhaber Faymann ganz deutlich vor Vizekanzler und Finanzminister Josef Pröll.

Pröll war seit Amtsantritt der Regierung Faymann-Pröll durchwegs und meist mit großem Abstand voran gelegen, wenn die (fiktive) Kanzlerfrage gestellt wurde. In der in dieser Woche durchgeführten Market-Umfrage entschieden sich die 537 repräsentativ ausgewählten Befragten aber zugunsten des SPÖ-Chefs:

  • Werner Faymann würden 38 Prozent direkt ihre Stimme geben - der Kanzler hat eine klare Mehrheit unter den Pflichtschulabsolventen, Männer schätzen ihn deutlich mehr als Frauen. Auch bei Führungskräften ist Faymann derzeit sehr gut angeschrieben. Vor allem aber hat der Bundeskanzler seine eigene Partei in einer seltenen Geschlossenheit hinter sich: 86 Prozent der deklarierten Sozialdemokraten würden den Faymann wählen, wenn sie könnten.
  • Josef Pröll hat in seiner eigenen Anhängerschaft auch noch gute Werte, vier von fünf ÖVP-Wählern würden Pröll wählen. Auch seine Anhängerschaft ist überwiegend männlich - und sie ist gut gebildet. Dennoch bleiben unter dem Strich nur 33 Prozent für Pröll. Vor allem bei jungen Befragten schneidet Pröll derzeit schlechter ab als Faymann.
  • Heinz-Christian Strache ist für 14 Prozent die erste Wahl. Den Chef der Freiheitlichen würden deutlich mehr Frauen als Männer wählen, er punktet im mittleren Bildungs- und Einkommenssegment und in Ostösterreich.
  • Eva Glawischnig ist für elf Prozent die richtige Frau im Kanzleramt. Ihre Anhängerschaft ist in sehr hohem Maß weiblich, bei Frauen erhält sie mehr Zustimmung als Strache. Ebenso gelingt ihr das im schwächsten Einkommenssegment, in Westösterreich und, besonders deutlich, bei Angehörigen der höchsten Bildungsschicht.
  • Josef Bucher, der Obmann des BZÖ, kann vier Prozent der Wähler gewinnen - vor allem Männer und Selbstständige.

Das momentane persönliche Stimmungshoch für Faymann lässt sich allerdings nicht so leicht als Hoch für seine sozialdemokratische Partei umrechnen, sagt Market-Chef Werner Beutelmeyer. Würden jetzt Nationalratswahlen abgehalten, so würde die SPÖ nur 27 Prozent erreichen und damit wahrscheinlich hinter der ÖVP liegen, die 29 Prozent zu erwarten hätte.

Die Freiheitlichen sind klar auf dem dritten Platz mit 23 Prozent - dies ist deutlich besser als das Nationalratswahlergebnis von 2008, als die FPÖ erst 17,5 Prozent erreichte. Ebenfalls über ihrem Nationalratswahlergebnis liegen die Grünen mit zwölf Prozent - deutlich darunter das BZÖ mit fünf. (cs, DER STANDARD, Printausgabe 22./23./24.5.2010)

  • Überdeckt:  Erstmals liegt Amtsinhaber Faymann ganz deutlich vor Vizekanzler und 
Finanzminister Josef Pröll. 
 
    foto: standard/cremer

    Überdeckt: Erstmals liegt Amtsinhaber Faymann ganz deutlich vor Vizekanzler und Finanzminister Josef Pröll.

     

Share if you care.