Österreich-Beteiligung an ESO-Teleskop noch nicht gesichert

22. Mai 2010, 11:05
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Wissenschaftsministerin Karl verweist auf Einsparungen in ihrem Ressort

Wien- Die Beteiligung Österreichs am geplanten weltgrößtem Teleskop der Europäischen Südsternwarte ESO ist noch unsicher. Angesichts der geplanten Einsparungen in ihrem Ressort werde sie erst im Herbst darüber entscheiden können, erklärte Wissenschaftsministerin Beatrix Karl am Freitagnachmittag vor Journalisten anlässlich eines Besuchs von ESO-Generaldirektor Tim de Zeeuw in Wien. Österreich müsste sich mit rund sechs Millionen Euro an dem eine Milliarde Euro teuren Gerät beteiligen, das bis 2018 in Chile gebaut werden soll.

Das E-ELT (kurz für "European Extremely Large Telescope") soll mit einem Spiegeldurchmesser von 42 Metern das weltgrößte optische Teleskop werden. Kürzlich fiel die Entscheidung, das Gerät in der chilenischen Atacama-Wüste zu bauen, wo die ESO schon ihr derzeitiges Flaggschiff, das "Very Large Telescope" (VLT), betreibt. Der 42-Meter-Spiegel des Teleskops soll sich aus mehr als 900 sechseckigen Einzelteilen zusammensetzen, ist 25 Mal so groß wie jener des VLT und soll zehnmal schärfere Bilder als bisher liefern, erklärte de Zeeuw. Durch seine Größe wird das E-ELT so lichtstark sein, dass "wir damit Entdeckungen von Objekten erwarten, die wir uns noch gar nicht vorstellen können", so die Innsbrucker Astrophysikerin Sabine Schindler. Es sollen damit auch Planeten von der Größe der Erde direkt beobachtet werden können, die bisher nur indirekt nachweisbar sind.

Geldfrage

Finanziert werden soll das eine Milliarde teure E-ELT zu einem Drittel durch die laufenden Beiträge der 14 Mitgliedsstaaten. Ein weiteres Drittel soll durch zusätzliche Zahlungen der Mitglieder erfolgen, im Fall Österreichs wären das rund sechs Millionen Euro. Und schließlich hofft die ESO auf den Beitritt künftiger Mitglieder, laut de Zeeuw möglicherweise auch aus dem außereuropäischen Raum, bzw. Beteiligungen von Nichtmitgliedern an dem Teleskop.

Österreich ist nun seit zwei Jahren ESO-Mitglied und sowohl Karl als auch de Zeeuw zogen eine positive Bilanz der Beteiligung. Der Beitritt sei ein wichtiger Schritt für die österreichische Grundlagenforschung in den Bereichen Astronomie, Astrophysik, Astroteilchenphysik, Theoretische Physik, Mathematik und Informatik gewesen, zahlreiche Forscher würden davon profitieren. Erste Nutzungsdaten der Österreicher seien erfreulich, es habe kaum Anlaufschwierigkeiten gegeben, sagte Karl.

Warteschlange

Die Mitgliedschaft zur ESO bedeutet nicht automatisch Beobachtungszeit auf den ESO-Teleskopen. Es müssen vielmehr Anträge gestellt werden, die nach ihrer Qualität bewertet werden. Laut ESO-Chef de Zeeuw langen rund 1.000 Anträge pro Halbjahr ein, nur rund 25 Prozent davon werden genehmigt. Laut Schindler werden rund ein Dutzend Anträge mit österreichischer Beteiligung bzw. Führung pro Halbjahr genehmigt. Zudem habe eine Innsbrucker Astronomin eines von jährlich nur sechs von der ESO vergebenen Dissertationsstipendien erhalten.

Unter den Projekten mit österreichischer Beteiligung finden sich etwa Beobachtungen kollidierender Galaxien und von den Vorgängen in sehr massereichen Galaxien oder Untersuchungen, warum sich das Aussehen von Galaxien in den vergangenen fünf Milliarden Jahren so stark verändert hat. Zudem würden österreichische Wissenschafter an Methoden mitarbeiten, die permanenten nächtlichen astronomischen Beobachtungen auch für die Klimaforschung zu nutzen. Denn die Veränderungen des Sternenlichts auf seinem Weg durch die Erdatmosphäre lässt auf deren Zusammensetzung schließen - für Schindler ein gutes Beispiel dafür, wie Astrophysik auch in andere Bereiche wirkt. (APA)

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