derStandard.at-Interview

"Ich führe nie Anwesenheitslisten"

Teresa Eder, 25. Mai 2010 13:39
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Wissenschafterin Reinmann über Reformen der Bologna-Reform, betriebswirtschaftliches Managen von Unis und Anwesenheitspflicht

"Es macht sich langsam die Erkenntnis breit, dass man fachspezifischer entscheiden muss", konstatiert Medienpsychologin Gabi Reinmann über den Bologna-Prozess. Im Interview mit derStandard.at erklärt sie, warum man mit Studienwechsel kulanter umgehen sollte und Professoren bei der Umsetzung von Bologna vieles selbst in der Hand hätten.

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derStandard.at: Die Bologna-Reform ist im vergangenen halben Jahr wieder in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Hauptsächlich durch die Kritik der Studierenden, aber selbst bei der Bologna-Konferenz wurden Fehlentwicklungen konstatiert. Ist Bologna selbst das Problem oder nur die Umsetzung?

Reinmann: Es ist immer ein Problem, wenn man viele Länder unter einen Hut bringen will und etwas Einheitliches durchsetzen möchte. Insofern stand Bologna in den Augen vieler Professoren von Anfang an unter einem schlechten Stern, weil bei ihnen vor allem angekommen ist, dass man jetzt standardisiert und vereinheitlicht wird. Das hat Einfluss auf die Umsetzung und auf die Akzeptanz, ruft jedoch im Gegenzug hervor, dass von oben mehr Druck gemacht und vorgeschrieben wird, als vielleicht in der ursprünglichen Bologna-Idee intendiert gewesen ist.

Im Jahr 1999 oder 2000 waren viele Dinge noch nicht festgeschrieben oder von Akkreditierungsagenturen vorgegeben. Wer bei der Umstellung also früh dran war, hat wahrscheinlich auch noch relativ flexible Studiengänge eingerichtet, im Gegensatz zu den vergangenen Jahren. Viele Vorgaben wurde aber mittlerweile schon wieder zurückgenommen - steht doch jetzt eine "Reform der Reform" im Vordergrund. Es heißt: macht die Module flexibler, weniger Anwesenheitspflicht und weniger Prüfungen festschreiben. Jetzt kommt wieder die Rolle rückwärts. 

derStandard.at: Wer trägt die Verantwortung für die schlechte Umsetzung?

Reinmann: Die Frage ist zwar berechtigt, aber auch ein Grundübel, weil man sich den Schwarzen Peter untereinander zuschiebt. Bildungspolitisch gibt es wahrscheinlich zu wenig Kenntnis über die Hochschul-Situation vor Ort. Seit den 70ern oder 80ern gibt es schlechte Betreuungsverhältnisse, vor allem in den sozialwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Fächern. Die Reformen haben das noch verstärkt. 

Sicher tragen auch Lehrende selber einen Teil der Schuld, denn wenn man sich an Fakultäten schneller geeinigt hätte, was man mitträgt und was nicht, hätte man die Studiengänge selbstbewusster gestalten können. So, dass sie zwar Bologna-konform sind, aber auch die eigenen Vorstellungen tragen. Da hat man sicher an vielen Stellen schon zu früh aufgegeben, weil man Angst hatte, dass etwas nicht durchgeht. Das hängt auch mit den Unileitungen zusammen, die es sich meistens nicht leisten können, dass eine Akkreditierung schiefläuft, und deshalb auch eher ökonomisch und rechtlich als inhaltlich an die Sache herangehen. 

derStandard.at: Liegen im Bologna-Gedanken Sparmaßnahmen und der Zwang zu Effizienz begründet? Steht hinter der Bologna-Reform das Interesse der Wirtschaft möglichst brauchbare Abgänger zu erhalten - wie immer wieder behauptet wird? 

Reinmann: Die Tendenz zu einer subtilen Ökonomisierung ist in vielen gesellschaftlichen Bereichen festzustellen. Es gibt zum Beispiel eine enorme Beschleunigung in der Schule und auch auf Unis versucht man, immer schneller fertig zu werden. Ich habe mich oft gefragt, wie wichtig es wirklich ist, ob einer 23, 24 oder 27 ist, wenn er in den Job einsteigt. 

Schlimmer noch finde ich in diesem Zusammenhang aber die Übertragung von betriebswirtschaftlichen Strategien in das Management von Hochschulen. Das hat auch auf Lehre und Forschung gravierende Auswirkungen. Hochschulen werden zu Organisationen gemacht, von deren Mitgliedern erwartet wird, dass sie agieren, als wären sie in einem Unternehmen. Das ist ziemlich kontraproduktiv im Bezug auf die Ziele von Hochschulbildung. 

derStandard.at: Unter anderem wird im Zusammenhang mit Bologna eine "Verschulung" der Studiengänge kritisiert, die diese beispielsweise von Fachhochschulen nicht mehr unterscheidbar macht. Ein berechtigter Kritikpunkt?

Reinmann: Das ist eine Ausrede. Diesen Punkt haben die Professoren selbst in der Hand. Die Lehre ist frei. Es hat sich vielleicht die Haltung der Studierenden verändert, die es erwarten, dass sie stärker an die Hand genommen werden. Zu offene oder ungeplante Lehrsituationen haben ja früher oft auch bedeutet, dass sich Studenten überhaupt nicht auskannten, was sie zu tun haben. Dahin will ja auch keiner zurück. 

derStandard.at: Allerdings wird doch die verstärkte Anwesenheitspflicht von Studierenden kritisiert, die es immer schwieriger machen würde, das Studium frei zu gestalten. 

Reinmann: Ich führe nie Anwesenheitslisten, weil Studierende erwachsene Personen sind, die selber entscheiden können, ob sie für die nachfolgende Prüfung und ihren Kompetenzerwerb anwesend sein müssen oder nicht. Wenn es natürlich Gruppenarbeiten gibt, versteht es sich von selbst, allein schon aus Rücksicht untereinander, dass man sich zu einer Anwesenheit verpflichtet. Es steht aber nirgendwo geschrieben, dass man aufgrund der Bologna-Reform permanent die Studierenden kontrollieren muss. 

derStandard.at: Gibt es eine zu starke Einengung der Wahlmöglichkeiten und Freiheiten während eines Studiums, oder ist das Gegenteil der Fall?

Reinmann: Meine aktuelle Erfahrung ist, dass viele Studierende mit dem Selbststudiumsanteil - der ja auch mitgerechnet wird - große Probleme haben und nicht so recht wissen, wie sie das angehen sollen. Studierbarkeit wurde bisher immer an den Angeboten festgemacht - also ob sie zeitlich und inhaltlich zusammenpassen. Ich würde die Frage der Studierbarkeit zusätzlich aus einem anderen Blickpunkt stellen, nämlich: wie gut bereiten wir die Studierenden in ihren überfachlichen Kompetenzen vor mit unseren Angeboten umzugehen? Die Studierenden können das aufgrund ihrer schulischen Vorerfahrung oft nicht. Viele Fragen bleiben offen: wozu ist eine Vorlesung da? Wie höre ich richtig zu, wie mach ich mir Notizen? Wie lerne ich vor und nach einer Veranstaltung? Das sind Dinge, die schieben wir als Lehrende gern auf Tutoren ab. Dann führen eben die Einäugigen die Blinden.

derStandard.at: Die Frage der Studienentscheidung wird immer früher gestellt.

Reinmann: Menschen sind verschieden. Es gibt viele, die für eine Entscheidung länger brauchen. Ich halte nicht viel davon, die Jugendlichen immer früher damit zu konfrontieren, welche Ziele und Interessen sie denn verfolgen. Ich glaube auch, dass unsere Gesellschaft volkswirtschaftlich gesehen nicht den Bach runter gehen würde, wenn man im ersten Studienjahr bei einem Studienwechsel kulanter wäre oder so etwas sogar einbauen würde, quasi als Orientierungsmaßnahme. 

derStandard.at: Der Bachelor wird einstweilen von der Wirtschaft noch nicht als vollwertiger Universitätsabschluss anerkannt. Das widerspricht doch dem eigentlichen Interesse, dass Hochschüler möglichst schnell und effizient ausgebildet werden sollen, um als Arbeitskraft zur Verfügung zu stehen. Verstehen Sie das? 

Reinmann: Wenn es so ist, dass die Wirtschaft hier skeptisch ist, finde ich das ärgerlich, denn immerhin waren es ja Stimmen aus diesen Bereichen, die die lange Studienzeiten bemängelt und gesagt haben, dass man früher ins Berufsleben gehen soll. Offensichtlich wissen da manche selbst nicht so ganz, was sie wollen. 

derStandard.at: Für manche Studienrichtungen wie Jus, Kunst oder Lehramt macht, so scheint es, die Einführung eines Bachelors keinen Sinn.

Reinmann: Viele haben sich dem ja auch widersetzt. In Deutschland heißt es mittlerweile, dass auch vierjährige Bachelor zulässig sind. Da macht sich langsam die Erkenntnis breit, dass man fachspezifischer entscheiden muss. Das war sicherlich auch den Studentenprotesten zu verdanken, und der Öffentlichkeit. (Teresa Eder/derStandard.at, 25.05.2010)

Zur Person: Gabi Reinmann ist Professorin für Medienpädagogik an der Universität der Bundeswehr in München. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Wissensmanagement, digitale Medien für Lehren und lernen an Schulen und Hochschulen.

Bei den "Friday Lectures" hält Reinmann am Freitag, den 11. Juni 2010, von 13.30 bis 15.00 Uhr, einen Vortrag zum Thema: „In die Freiheit entlassen?
Gedanken zur Studiengang-Gestaltung in Zeiten von Bologna 2.0"

Reaktion: Blogeintrag Reinmanns

Kommentar posten
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pike bishop
26.05.2010 21:28

Die Absurdität dieser Debatte zeigt sich schon daran, dass es jetzt vierjährige BAs geben soll. vierjährig war auch der Magister (oder 4 1/2 Jahre + Magisterarbeit). D.h. man kehrt eigentlich zum alten System zurück. Das darf man aber nicht zugeben, deshalb wird es als Beweis der Flexiblität des neuen Systems verkauft. Na super, und wieder haben akademische Wichtigtuer ihre Tatkraft unter Beweis gestellt, zukünftige Rektoren ihren Anspruch aufgezeigt...

Laandaks
26.05.2010 20:55
Hmmmm... Anwesenheitslisten bei einer Hochschule der Bundeswehr..?

...

die sollten da ja unnötig sein, denn wozu hat man denn den Soldaten Gehorchen beigebracht;-)..?

Doch Spaß beiseite: Anwesenheitslisten bei Vorlesungen sind ein Unding (können freilich damit gerechtfertigt werden, daß die aufgenommenen Studierenden dann die Lehrperson evaluieren, und das sollten ja wirklich nur die tun, die die LV besucht haben).

Anders ist es aber bei prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen: Dort machen die Anwesenheitslisten sehr wohl Sinn (sinngemäß sagt das auch Reinmann).

Als Befürworter des nicht kostenpflichtigen Studiums weise ich trotzdem darauf hin, daß US-Studierende, die Unsummen blechen müssen, auf jeden Fall anwesend sind - sie wollen ja was haben für ihr Geld.

McDaisy
26.05.2010 21:18

bloß aus interesse: in welcher *vorlesung* gibt es denn anwesenheitslisten?

Christian Mathias Sand
 
26.05.2010 23:02

In manchen Sozialwissenschaften an der Universität Wien ist das durchaus üblich, dieser Wahnsinn nennt sich VO+UE, VO+KO oder auch VÜ. In der Praxis sind das meist riesige Massenlehrveranstaltungen mit hunderten Studierenden und ein paar prüfungsimmanenten Alibiaktionen.

jack johnson
 
28.05.2010 13:16
Das gab es auch schon vor 10 Jahren

und nannte sich PS bzw SE gibt es heute wohl auch noch.

Und es kotzt mich an wenn die Leute nach der 2. Woche nicht mehr in die VO gehen, und dann in der Mansa nur sudern wie schlimm nicht alles auf der Uni ist...

Konrad Inzinger
26.05.2010 18:45
Worum es wirklich geht:

Tatsächlich war die "alte" Studienordnung mit ihrer Aufwertung des Mittelbaues den konservativen Professoren immer ein Dorn im Auge. Nun - mit der Bologna-Architektur werden Änderungen und Erschwernisse eingeführt, die so gar nicht erforderlich sind, aber ein schrittweises Roll-back zur alten Ordinarienuniversität ermöglichen - darum geht es in Wirklichkeit und das wird an den Unis derzeit versucht - die Abschottung eines elitären Zirkels, die zwar der breiten Masse das Bachelor-Studium zugestehen will, aber nicht die weitere Höherqualifizierung und schon gar nicht den Zugang zum Doktorat. Es ist die alte konservative Masche, das Reservieren eines größeren Kuchenstücks für das eigene Klientel zu Lasten der Forschung und freien Lehre...

McDaisy
26.05.2010 20:27

was hat der leidige rückschritt zur ordinarienherrschaft mit dem ziel, eine wissenschaftlerInnenelite auszubilden, zu tun? selbstverständlich hat eine universität elitär zu sein, wenn es um wissenschaftlerausbildung (master, dr.) geht , was denn sonst?
das blödeste mantra, das ist kenne, ist das ständige greinen um mehr "akademikerInnen", wurscht, ob + was die überhaupt können.
wenn es um die vergrößerung einer klientel geht, dann ist es die der grünen: hauptsache, es sind studentInnen, die wählen mehrheitlich grün.

Schurli Schorsch
 
26.05.2010 19:19

na klar, eliten heran zu züchten ist ja ganz schlecht für die forschung. wenn alle master und phd machen können die sich grade aus ner laune heraus denken sie wollen das, oder weil sie aufgrund schlechter studienwahl keine arbeit finden, dann wird die forschungsleistung der unis ja gigantisch steigen. frei nach dem motto: je mehr desto gut. *ironie aus*

pike bishop
26.05.2010 21:23

Beim Elitenhernazüchten geht es aber nicht im Gesit, Innovation oder Intelleginez,s ondernum Macht und Klientele. Ich hab das 15 jahre miterlebt und bin dann geflüchtet. Ein Spitzennwissneschafer ist der, der Amcht hat, d.h. der geld hat. der ladet dann Leute aus Harvard ein, lässt sich selbst einalden, sagt von den ausgesuchten Libelingens einer Klientel, dass die gut wären, die gelten dann auch als gut. Alle anderen können sich abstramplen, die werden einfach übergangen, lästige Konkurrenz. Natürlñich kann man sich den Mächtigen andienen, dann muss man aber dasselbe forschen wie und ihre Diskussionen anreichern, und sich nicht unterstehen gar eigene führen zu wollen.

Schurli Schorsch
 
26.05.2010 23:39

vor allem können sie texte tippen die man auch lesen kann...

na im ernst, ich kann das so nicht bestätigen. meines erachtens ist das ein frage der persönlichkeit, nicht des systems. mir ist es sogar als einfachem doktoranden gestattet gewesen ein (für das inst.) kopmlett neues forschungsthema aus dem boden zu stampfen und zwischendurch mal schnell an eine ostküsten uni zu gehn. ich bin jedoch weder mit dem chef verwandt noch verschwägert oder per sonst irgendwas. noch bin ich jemals irgendjemandem in den allerwertesten gekrochen, ganz im gegenteil. dennoch wurde und wird mir das oben genannte noch immer erlaubt und ermöglicht. es wurden zu meinen gunsten sogar andere übergangen, die sich ihren platz schon über jahre "ersessen" hatten...

pike bishop
27.05.2010 02:11

das Tippen konnte ich nie, aber ich werde jetzt immer sorgfältig durchlesen.

Sie haben schon auch recht. In einer Uni, wo die Professoren sehr vielel Rechte haben, hängt vieles von deren Persönlichkeit ab. Bei einigen lief und läuft es dann super, und bei anderen nicht. Von der Anpassungsfähigkeit des Stuierenden und des Mittelbauers hing und hängt vielleicht auch einiges ab.

pike bishop
27.05.2010 03:14

Ich muss vielleicht auch sagen, dass man mich auch hat machen lassen, ich habe auch selbst gelder aufgetrieben beim Fond und später bei der DFG. Aber ich war halt damit nie in den wichtigen Netzwerken und somit alleine, was man dann gemerkt hat, als um die Dauerstellenbesetzungen ging. Na, jetzt bin ich eh weg.

Schurli Schorsch
 
31.05.2010 23:56

das glaube ich ihnen sofort. nur denke ich, dass das nix mit der möglichkeit zu tun hat ob man jetzt promovieren darf oder nicht. es ist ja immer noch üblich alle nach der habil rauszuwerfen. aber das trifft ja immer nur sehr wenige. dei meisten doktoranden, zumindest in den natur und ing. wissenschaften bleiben ja nicht auf der uni, sondern gehen in die wirtschaft. schon alleine wegen des verdienstes wegen. insofern denke ich nicht, dass man hier mit bolognia als einem rückschritt zur ordianarien uni argumentieren kann. eine gewisse selektion ist sicher gut für die qualität und derzeit (leider) auch aus kostengründen nötig. ich mein ein wiss ass kostet immerhin 60000€ per anno und das 4 jahre lang...

Konrad Inzinger
26.05.2010 18:38
Danke, Frau Reinmann!

Es gibt "Bologna"-Studiengänge, die aus nur 4 Modulen mit Anwesenheitspflicht bestehen und fehlt man 2 x, dann wird das Modul nicht anerkannt - welch Schwachsinn! Ein bloßer grippaler Infekt reicht da schon, um ein Semester oder mehr zu verlieren.
Die Unis sind kein Schulbetrieb und die Freiheit der Lehre ist auch eine Freiheit des Lernenden - bei der Prüfung wird er schon zeigen, was er kann.
Darüber hinaus waren die "alten" Studien (Diplomstudien) auch international vergleichbar - für den, der den Vergleich wollte. Für den ignoranten Rest sind sie auch jetzt nicht vergleichbar und mit dem Bologna-Prozeß ist exakt nichts für die Qualität des Abschlusse gewonnen - nur die Schikanen steigen und der Verwaltungsaufwand wird teurer.

Franz Bim
 
26.05.2010 22:49

Wenn Professoren und Mittelbau den Bologna-Prozess dazu missbrauchen, Schikanen für Studierende einzubauen, dann liegt das
a) am Bologna-Prozess oder
b) an Professoren und Mittelbau

Und der Studierendenvertretung würde ich bei so einem Studienplan auch einen kräftigen Tritt in den Allerwertesten versetzen. So ein katastrophales Verhandlungsgeschik hat ja nichteinmal die SPÖ in einer Koalition mit der ÖVP.

Mike Webman
26.05.2010 17:34
Abstimmung mit den Füßen

Wer interessant vorträgt und was drauf hat, hat in der Regel auch viele Student(inn)en. Anwesenheitslisten brauchen nur die schlecht vorbereiteten Langeweiler, die sich durch ihre Vorlesungen stottern und den Zuhörern die Zeit stehlen.

agitare
26.05.2010 16:16
"Ich führe nie Anwesenheitslisten"

ich auch nicht. entweder sie kommen - dann weiß ich, sie finden es interessant und es taugt, d.h. ich mache meinen job gut; oder sie kommen nicht - dann weiß ich, ich muss was ändern, weil was nicht passt.

leute hineinzwingen ist doof.

badat
26.05.2010 20:37
Volle Zustimmung

Anwesenheitspflicht bei Vorlesungen ist eine der bescheuertsten Ideen überhaupt.
Ich als visuell-motorisch lernender Mensch war so froh, als die Schule endlich vorbei war und ich endlich so lernen konnte, wie es mir am besten liegt: Aus Büchern, Skripten und dem Zusammenschreiben zu eigenen Lernskripten. Wenn man so am besten lernt, sind Vorlesungen meist Zeitverschwendung (ich nehme aus Gehörtem absolut nichts mit), es sei denn der Prof kann wirklich gut und mitreissend vortragen.

unterschichtskind auf dem weg nach oben
26.05.2010 17:36

Wo dürfen Sie unterrichten? hoffentlich nicht an einer Uni.

agitare
26.05.2010 20:23
sogar im in- und ausland

Christian Mathias Sand
 
28.05.2010 20:11

Kärnten und Österreich?

Hardcoreboson
26.05.2010 16:22
verschulung und anwesenheitslisten ...

der witz ist ja das viele studenten eine verschulung wollen, weil sie selbst nicht klar kommen. und die anwesenheitspflicht ist ja oft nur eine konsquenz daraus, das bei einer pruefung viele studenten durchrasseln, und die verwaltung den prof. beschuldigt es waere zu schwer - der meint dann 'naja die studenten kommen ja nicht'

hab ich alles schon gesehen - ist ueberall so, nicht nur in europa - und hat auch wenig mit bologna zu tun, soweit ich weis. (bzw nur indirekt weil eben studenten schneller fertig werden sollen/muessen).

skyrock
29.05.2010 13:09
wenn man eine Akademikerquote von 50% anvisiert

und es derzeit ca 27 % sind ist es doch logisch dass das nur über eine Senkung des Niveaus geht

Voronwe
27.05.2010 13:17
Eine Anwesenheitspflicht hilft da aber üblicherweise auch nicht weiter.

Der Besuch hat meist nur dann einen Sinn, wenn man sich darauf vorbereitet - Studenten, die nur wegen der Pflicht wegen anwesend sind, werden dies kaum machen.
Im Übrigen stellt sich die Frage der Sinnhaftigkeit einer VO/VU besonders dann, wenn der Dozent tatsächlich aus seiner Literatur dauerzitiert, man als Student nach der Betonung des Vortragenden also oft im Buch unterstreichen kann. MMn ist die investierte Zeit da leider sehr oft daheim / in der Bibliothek besser aufgehoben...

pike bishop
26.05.2010 16:09

Als die ECTS-Punkte verpflichtend eingeführt wurden (ich war Erasmus/Sokrates-beauftragter) hat sich ein Prof. widersetzt und gesagt, das wäre der erste Schritt zu einer Unireform. dann hat er uns das Bolgnasystem skizziert, das es damals noch gar nicht gab, das auch keienr wollte. Dann kam der ERASMUS-beauftragte der Uni zu uns und meinte, fraglicher Prof. litte unter Verfolgungswahn, niemand denke an eine ereinheitlichende Uni-Reform. Viel später gab es Bologna plötzlich. DA konnte man nichts mehr machen. Das war beschlossen, von den Ministern, eine Einzeluni kann nur mehr exekutieren...

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