den punkt zum springen bringen

21. Mai 2010, 17:38
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zu friedrich achleitners "der springende punkt"

friedrich achleitner den leserinnen und lesern dieses blattes vorzustellen hieße selbst unter vermeidung des gnadenlosen binnen-i eulen nach athen zu tragen, eine redewendung, die dem tropfen auf dem bekannten heißen stein so nahe kommt wie der springende punkt dem springenden hund, insofern ein blöder hund weder darauf kommen würde, einen punkt springen zu lassen noch auch nur eine einzige eule nach athen zu tragen. gilt es doch vielmehr fern von athen eine sprachspielernatur zu würdigen, die nach muntermachenden einschlafgeschichten (2003) ihre wiener linien (2004) gezogen hat und oder oder und (2006) zuletzt in gleicher aufmachung gesammelt vorgelegt hat, womit sie "standard" -konsumenten drei jahre lang die wochenenden zu ertragen mithalf, auch gegen die frühaufsteher, die alle sadisten sind.

ein phrasenarretierer, der in sensibler reaktion auf seine umwelt aus dem rinnsal von politik und leben aufspießt, was als knackpunkt gut aufgestellt vorüberspringen will, stets dem zenit der inkompetenz entgegen. doch zuvor fängt er ihn ab, um ihn mittels poetischer analyse auf den boden der tatsachen zu heben, den der punkt zum springen braucht. es sind kleine texte. einen kleinen text zu schreiben ist ganz einfach. man beginnt einfach. und dann? man muss nur rechtzeitig aufhören können. darin liegt das ganze geheimnis. achleitner beherrscht es. (günter traxler, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 22./23./24.05.2010)

friedrich achleitner, "der springende punkt". € 15,40 / 128 Seiten, Zsolnay-Verlag, Wien 2009

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