Künstliche Zuführung von Kies reicht nicht aus - das Gebiet des Nationalparks Donau-Auen trocknet aus
Wien - Trotz regelmäßiger Zugabe von Kies tieft sich die Donau östlich
von Wien weiterhin erheblich ein. Laut einer Untersuchung des Instituts für
Wasserwirtschaft, Hydrologie und konstruktiven Wasserbau der Universität für
Bodenkultur (Boku) Wien sind in den Jahren 2006 bis 2009 auf der gesamten
Strecke bis zur slowakischen Grenze ca. 635.000 Kubikmeter Material verloren
gegangen. Die Ergebnisse wurden beim Flussbausymposium Donau am Freitagabend in
Wien präsentiert.
Schwund des Materials
der Stromsohle
Hauptursachen für die Eintiefung der Fließstrecke zwischen Wien und Hainburg
sind die Donauregulierung und die Kraftwerke. Durch den Strom wird laufend
Material - vor allem Kies - flussabwärts geschwemmt, von oben kommt - bedingt unter anderem durch
die Barriere der Kraftwerke - aber nichts nach. Das Problem ist
lange bekannt, die Kraftwerksbetreiber sind deshalb auch verpflichtet, Kies
unterhalb des Kraftwerks Freudenau zuzugeben.
"Rund 800.000 Kubikmeter an Kies wurden der Donau in den Jahren 2006 bis 2009
flussab des Kraftwerks Freudenau künstlich zugeführt", erklärte dazu
Boku-Professor Helmut Habersack. Damit werde das
Flussbett auf den ersten zehn Kilometern flussab von Freudenau wie vorgesehen
langfristig stabilisiert. Dennoch habe sich insgesamt während des
Beobachtungszeitraums auf der Gesamtstrecke ein deutlicher Schwund des Materials
der Stromsohle ergeben.
Datenermittlung
Ermittelt wurden die Daten mittels mehrerer Methoden. So fanden einerseits
regelmäßige Echolot-Befahrungen der Donau statt. Andererseits wurden auch eigens
entwickelte, sogenannte Geschiebefänger eingesetzt. Dabei fangen sich stromab
bewegende Körner in Metallkörben an der Stromsohle. Weiters registrierten
automatische Ultraschallgeräte die sich bewegenden Steine. Ein besonderer Teil
der Erhebungen war der Einsatz von Kunststeinen, die mittels Telemetrie von
einem Boot aus verfolgt wurden. Es zeigte sich, dass die Steine im Flussbett der
Donau pro Jahr etwa drei Kilometer transportiert werden.
Probleme für die Au
Die trotz der Kieszugabe fehlenden 635.000 Kubikmeter ergeben laut den
Berechnungen der Wissenschafter eine durchschnittliche Eintiefung von 1,9
Zentimetern pro Jahr. Ohne die Zugabe von Kies wären es jährlich sogar 4,2
Zentimeter. "Die Eintiefung bringt über die Jahre mehrere Probleme", erklärte
Habersack. So trocknet das Gebiet des Nationalparks aus. Der Charakter der Au
mit regelmäßigen Überschwemmungen geht zunehmend verloren, weil der Wald den
Kontakt mit der immer tiefer liegenden Donau verliert.
Das gefährde auch den Grundwasserspiegel in der Gegend und - nicht zuletzt -
den Hochwasserschutz. Durch die Eintiefung können nämlich Ufersicherungen
unterspült werden, bei Hochwasser ist dann die Stabilität gefährdet. Besonders
dramatisch wird die Sache, wenn der durchschnittlich nur einige Meter mächtige
Schotterkörper unter der Donau regional komplett weggespült wird. Im feineren,
darunterliegenden Material beschleunigt sich die Eintiefung um ein
Vielfaches.
Neuer Lösungsansatz
"Um der Sache entgegenzuwirken, könnte man natürlich noch mehr Material
zugeben, was aber insgesamt kostenintensiv und gesamtökologisch nicht nachhaltig
ist", so Habersack. Nun wollen die Wissenschafter einen anderen Ansatz wählen
und die Stromsohle mit gröberem Material von vier bis sieben Zentimeter
beschicken. Derzeit befindet sich dort Kies mit geringeren Korngrößen von
durchschnittlich etwa zwei bis drei Zentimetern. Dazwischen finden sich auch
jetzt schon größere Brocken von bis zu 15 Zentimeter.
Laut Modellen und Berechnungen sollte die Beschickung der Sohle mit dem
gröberen Material den Export von Material in Richtung Slowakei auf 30.000 bis
40.000 Kubikmeter pro Jahr verringern. Unter vergleichbaren natürlichen
Bedingungen ist die Methode allerdings noch nicht erprobt. Im Herbst startet
daher ein Versuch auf einer drei Kilometer langen Strecke der Donau. (APA)