Italienische Justiz ermittelt gegen Geheimdienstler

21. Mai 2010, 15:59
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Agent wird verdächtigt in die Ermordung des Mafia-feindlichen Staatsanwalts vor 18 Jahren verstrickt gewesen zu sein

Rom - 18 Jahre nach dem Mord an dem Anti-Mafia-Staatsanwalt Paolo Borsellino wird die Untersuchung um den Anschlag neu aufgerollt. Ein italienischer Geheimdienstagent ist in den Sog der Ermittlungen um den Anschlag im Juli 1992 geraten, bei dem insgesamt fünf Personen ums Leben gekommen waren. Belastet wurde der Geheimdienstagent von einem abtrünnigen Mafiosi, der sich zur Zusammenarbeit mit der Justiz entschlossen hat, berichteten italienische Medien am Freitag.

Der Geheimdienstagent hatte enge Kontakte zum hochrangigen Geheimdienstfunktionär Bruno Contrada, der wegen Verstrickungen mit der Cosa Nostra zu zehn Jahren Haft verurteilt worden ist. Seit Jahren wird in Italien über eine Verwicklung von mit der Mafia verbundenen Geheimdienstagenten in den Anschlag auf die Mafia-Jäger Borsellino und Giovanni Falcone spekuliert. Die neuen Untersuchungen kreisen um die rätselhaften Kontakte zwischen Geheimdienstagenten und Mafia-Bossen, die gegenseitig Informationen ausgetauscht haben sollen.

Für Aufsehen sorgten vor einigen Monaten auch die Aussagen der langjährigen Nummer Eins der sizilianischen Cosa Nostra, Salvatore Riina, der sich seit 1993 hinter Gittern befindet und wegen Mafia-Morden lebenslänglich verurteilt worden ist. Riina bestätigte, dass die Geheimdienste bei den Anschlägen auf Falcone und Borsellino die Finger mit im Spiel hatten - ohne allerdings mehr Details über den Fall zu enthüllen.

13 prominente Mafia-Bosse waren 2007 vom Berufungsgericht der sizilianischen Stadt Catania wegen den Anschlägen auf Falcone und Borsellino zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden. Sie waren beschuldigt worden, die Auftraggeber des Mordes an Borsellino gewesen zu sein. Zu den verurteilten Paten zählen bekannte Bosse wie Nitto Santapaolo und Giuseppe Madonia.

Borsellino und sein ebenfalls 1992 ermordeter sizilianischer Kollege Falcone hatten sich bemüht, die internationalen Verbindungen der Cosa Nostra aufzudecken. Eine entscheidende Rolle spielten sie beim Aufbau des sogenannten Anti-Mafia-Pools, einer Gruppe von Staatsanwälten, die Mitte der 80er Jahre große Erfolge im Kampf gegen das organisierte Verbrechen verzeichnen konnten. (APA)

  • Der Anfang der Neunziger Jahre in Palermo ermordete Paolo Barselloni. Der Fall wird nun neu aufgerollt.
    foto: epa/ansa files

    Der Anfang der Neunziger Jahre in Palermo ermordete Paolo Barselloni. Der Fall wird nun neu aufgerollt.

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