Kilometerweit kein Leben mehr an Louisianas Küste

22. Mai 2010, 08:31
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Hochsensibles Marschland ist vielleicht für immer zerstört - Erster Abdicht-Versuch laut BP frühestens Dienstag

New Orleans - Giftiges Öl aus der explodierten Plattform im Golf von Mexiko hat an der Küste von Louisiana bereits Dutzende Kilometer des hochsensiblen Marschlandes zerstört. Auf einer Länge von gut 38 Kilometern sei das Schwemmland verseucht, sagte der Vorsteher der Gemeinde Plaquemines Parish, Billy Nungesser, am Donnerstag (Ortszeit) im US-Fernsehen.

Im betroffenen Abschnitt sei kein Leben mehr, sagte Nungesser dem Nachrichtenkanal MSNBC. "Dort ist alles tot." "Der Ölschlick zerstört Stück für Stück unser Marschland", fügte Nungesser hinzu. Der Gouverneur des US-Bundesstaates Louisiana, Bobby Jindal, sagte nach einem Flug über das betroffene Gebiet: "Dieses Öl war 177 Kilometer unterwegs, bevor es unsere Küste erreicht hat, und wir machen uns große Sorgen, dass dies erst der Anfang ist." Jindal warnte auch vor den wirtschaftlichen Folgen in seinem Bundesstaat. Die Ölpest bedrohe Fischer, Shrimps- und Austernzüchter.

Beginn einer riesigen Umweltkatastrophe

Experten warnten, dies sei erst der Beginn einer riesigen Umweltkatastrophe, die für Jahrzehnte ihre Spuren hinterlassen könnte. Sie sorgen sich nicht nur um die unmittelbaren, sondern auch die längerfristigen Folgen für Umwelt und Mensch. Das Rohöl "belaste die Fische sowie Fauna und Flora im Golf", warnte der Veterinär Steve Murawski von der Nationalpark-Behörde. Über Plankton, Fische oder Krustentiere könnten die giftigen Substanzen aus dem Öl zudem auch in die Nahrungskette gelangen.

Greenpeace-Mitarbeiter John Hocevar sagte, das Öl habe gerade erst die Küste erreicht, werde aber jahrelange, wenn nicht jahrzehntelange Auswirkungen haben. Küstenwache-Vertreter Edwin Stanton erklärte, sollte es nicht gelingen, das Ufer zu reinigen, bleibe als letzter Ausweg nur, das verseuchte Marschland in Brand zu setzen. "Aber das kann man nur einmal machen", sagte Stanton. 

Auch an den Bundesstaaten Mississippi und Alabama wurde vier Wochen nach der Explosion der Bohrinsel bereits Ölschlick angeschwemmt. Demnächst könnten die Strände von Florida und sogar die US-Ostküste betroffen sein. Bei der Explosion der Bohrinsel am 20. April kamen elf Arbeiter ums Leben. Zwei Tage später sank die Plattform.

Weniger Öl abgepumt

Unterdessen hat BP nun zugegeben, dass aus dem Bohrloch unter der explodierten Plattform im Golf von Mexiko weit weniger Öl abgepumpt als bisher angenommen. Derzeit könnten über ein dünnes Rohr täglich nur 2.200 Barrel Öl aus der Tiefe abgeleitet werden, sagte Unternehmenssprecher John Curry am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Am Vortag hatte der Konzern noch von rund 5.000 Barrel Öl pro Tag gesprochen. Die hohe Differenz erklärte Curry mit dem unterschiedlichen Druck am Bohrleck und den Schwierigkeiten bei den Messungen.

Operation "Top Kill" frühestens am Dienstag

Das Bohrloch kann frühestens Anfang nächster Woche mit einer "Schlammkanone" beschossen werden, um es auf diesem Wege provisorisch zu schließen. BP teilte am Freitag mit, ein ursprünglich für Sonntag vorgesehener erster Anlauf habe verschoben werden müssen. Zunächst müsse die erforderliche Ausrüstung mit Hilfe von Unterwasserrobotern in Position gebracht werden. Die günstigste Prognose für den Start der "ziemlich komplexen Operation" - genannt "Top Kill" - sei "möglicherweise Dienstag", sagte BP-Einsatzleiter Doug Suttles.

Bei der sogenannten Top Kill-Methode wird das Bohrloch unter hohem Druck mit großen Mengen eines Spezialschlamms beschossen. So soll es abgedichtet werden, bevor es anschließend mit Zement versiegelt würde. BP erwägt zudem, den "Top Kill" mit einer weiteren Methode zu kombinieren, die von Experten "Junk Shot" genannt wird. Dabei werden unter anderem Gummiteile ebenfalls unter hohem Druck in das "Blow-out-Preventer" genannte Sicherheitsventil gepresst, das bei dem Untergang der Ölplattform "Deepwater Horizon" versagt hatte. Experten warnen, dass ein Fehlschlag des "Junk Shot" das Ventil weiter beschädigen könne und so die Ölaustrittsmenge am Meeresgrund beträchtlich zunehmen könne. (red/APA)

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    "Dort ist alles tot": Das Rohöl "belaste die Fische sowie Fauna und Flora im Golf", warnte der Veterinär Steve Murawski von der Nationalpark-Behörde.

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