Regierung und Aufständische verhandeln auf den Malediven

21. Mai 2010, 13:00

Schwiegersohn des berüchtigten Warlords Gulbuddin Hekmatyar organisierte Konferenz

Colombo - Mehrere afghanische Politiker sind auf den Malediven mit Vertretern von Aufständischen zu geheimnisumwitterten Sondierungsgesprächen zusammengekommen. Teilnehmer seien etwa 50 einflussreiche Personen, "die eine wichtige Rolle in Afghanistan spielen", sagte Humayoun Jareir von der fundamentalistischen Rebellenorganisation Hezb-i-Islami. Ziel der Beratungen sei es, Ideen für eine Friedenslösung in Afghanistan zusammenzutragen, unterstrich Jareir, der ein Schwiegersohn von Ex-Premier Gulbuddin Hekmatyar ist. Die geplante Afghanistan-Friedenskonferenz in Form einer Stammesversammlung (Loya Jirga) soll eine Konfliktbeilegung herbeiführen.

Über die Zusammensetzung der Delegationen herrscht unterdessen Rätselraten. "Wir wissen, dass etwas auf den Malediven stattfindet, aber wir kennen die Details nicht und sind nicht an dem Prozess beteiligt", sagte ein Sprecher des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai in Kabul. Dagegen sagte der Regierungssprecher der Malediven, Mohammad Zuhair, Vertreter Karzais seien an den Gesprächen beteiligt. Der katarische Fernsehsender Al Jazeera, der exklusiv über das Treffen berichtet, spricht von 13 Parlamentsabgeordneten, die an den Verhandlungen teilnehmen.

Karzai war im März in Kabul mit einer Delegation der Hezb-i-Islami zusammengekommen. Zu Beginn seiner zweiten Amtszeit hatte sich der Präsident Ende 2009 für die Einberufung einer "Loya Jirga" zur Versöhnung mit den Aufständischen ausgesprochen. Die Versammlung hätte ursprünglich schon Anfang Mai zusammentreten sollen. Nun sollen ab 29. Mai mehr als tausend Abgesandte aus allen Landesteilen über eine Einbindung der Taliban in den Befriedungsprozess beraten. Taliban-Vertreter wurden zwar nicht ausdrücklich eingeladen, doch wird mit der Teilnahme von Anhängern gerechnet.

Der Friedensplan des Präsidenten sieht vor, dass einige Kommandanten der Aufständischen von der Schwarzen Liste der UNO gestrichen werden sollen. dies würde ihnen ermöglschen, ins Exil zu gehen und sich von dort aus an Verhandlungen zu beteiligen.

Millionen Dollar für Hekmatyars Kopf

Für die Ergreifung von Hekmatyar, einem der gefürchtetsten und brutalsten Warlords, hatten die USA mehrere Millionen Dollar Belohnung ausgesetzt. Neben Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden und Taliban-Führer Mullah Omar gehört er zu den meistgesuchten Männern in Afghanistan. Von der US-Regierung einst im Kampf gegen die Sowjetunion massiv gefördert und aufgerüstet, wird Hekmatyar seit 2003 von den US-Truppen als Terrorist gesucht. Seine Kämpfer sind vor allem im Osten des Landes aktiv.

Hekmatyar hatte mehrere Kooperationsangebote Kabuls ausgeschlagen, solange sich US-Truppen in Afghanistan aufhielten. Der US-Geheimdienst CIA hatte nach Angaben eines hochrangigen US-Regierungsbeamten vergeblich versucht, Hekmatyar umzubringen. In den USA ist ein früherer Kongressabgeordneter wegen finanzieller Unterstützung für Hekmatyar angeklagt worden. Im Bürgerkrieg von 1992 bis 1996 waren Hekmatyars Milizen maßgeblich an der Zerstörung Kabuls beteiligt. Schließlich setzte er seine Ernennung zum Premierminister durch den damaligen Präsidenten Burhanuddin Rabbani durch. Nach der Eroberung Kabuls durch die Taliban 1996 floh er in den Iran, von wo er Anfang 2002 verschwand. Inzwischen hat er nach Geheimdienstberichten seine Stützpunkte erneut in sämtlichen Landesteilen aufgebaut. (red/APA/apn)

Kommentar posten
25 Postings
Der Alte vom Berge
00
21.5.2010, 23:58
Oh Staunen,...

...Oh Wunder.

http://derstandard.at/plink/127... 1/16537115

Sensationell.

;)

Der Alte vom Berge
00
22.5.2010, 00:37
Nach dem Abzug,...

ist Vor dem Abzug.

http://derstandard.at/plink/126... 6/16069290

Im Zusammenhang mit Schreiduellen zwischen US-Gesandten und Mr.Karzai wie Mr.Abdullah, dem Bruder des Präsidenten und Mr.Hoolbroke, den "Parias" der Macht in Afghanistan, bliebe Offen WOVOR es sich zu Fürchten Gebiete, wenn nicht vom Volk Selbst.

Die Stimme der Bevölkerung wurde nie Vernommen.

Warlords, Drogenbarone, Politoportunisten, Hazaara, Usbeken, Tadschiken, Belutschen, Clanchefs und Familienoberhäupter wurden Gehört wie Bedient.

Doch Niemand hört die Afghanen An.

Auswahl des Gesprächspartners ist nach wie vor geprägt durch Vorurteil und Voreingenommenheit.

http://www.guba.com/watch/3000133139

Immerhin, es wird nun [sichtbar] Verhandelt. ^^

Rene Stangeler
01
21.5.2010, 23:49
Die Malediven -

auch so ein Paradebeispiel gelebter (und oft zitierter) Toleranz des Islam. Für Personen die nicht an Allah, den wahren und einzigen Gott, glauben ist es nicht möglich Staatsbürger der Malediven zu werden.

Aber das hat wahrscheinlich auch nichts mit dem Islam zu tun, sondern ist Tradition. Allerdings fällt mir kein nichtislamisches Land ein in dem die Angehörigkeit zu einer bestimmten Religion Bedingung für den Erhalt der Staatsbürgerschaft ist.

ad vocem
00
21.5.2010, 16:49
Und? Wechselt Karzai die Seite?

Ava Tar
38
21.5.2010, 15:10
Interview mit Hekmatyar im deutschen "Stern"

"Sämtliche Kriege Amerikas werden nach Waffenindustrie, Öl- und Gasinteressen geplant"

Der böse Mann spricht von Demokratie:

"Ziehen Sie Ihre Soldaten aus Afghanistan ab! Die islamische Welt erträgt die Sklaverei nicht mehr. Die Zeit von Unterdrückung und Sklaverei ist abgelaufen. Lassen Sie die Muslime in Freiheit leben! Ihr habt drei Jahrhunderte Asien und Afrika ausgebeutet. Ihr habt ihnen tyrannische Könige, Herrscher und Generäle aufgezwungen. Lassen Sie uns politische Systeme und Regierungen frei wählen!"

http://www.stern.de/politik/a... 80250.html

Verständlich, daß sein Kopf der Mafia Millionen wert ist.

rudolf schladming
 
33
21.5.2010, 16:56
"Lassen Sie uns politische Systeme und Regierungen frei wählen"

das sagt er, aber er meint nur die männer, nur die moslems, ... der afghanische widerstand möchte afghanistan nicht befreien sondern nur eine diktatur (die marionettenregierung von karzai) durch eine andere (die eigene) austauschen.

Count Saurüssel
03
21.5.2010, 18:38
"das sagt er, aber er meint nur die männer, nur die moslems,"

Ach, wenn's nur so wäre.

Mit "uns" meint Hekmatyar niemand anderen als die afghanischen Warlords, die gerne ohne Einmischung von außen schalten und walten würden, wie sie wollen.

Den Vogel schießt er aber sicher mit seiner Forderung ab, die "Muslime in Freiheit leben" zu lassen.

Ja worin soll denn bitteschön die furchtbare Unfreiheit bestehen, die den Muslimen in Afghanistan vom Kabuler Bürgermeister auferlegt wird?

Etwa darin, dass die zu Taliban-Zeiten so beliebten öffentlichen Erschießungen im Fußballstadion nicht mehr stattfinden dürften?

MondXicht
12
21.5.2010, 17:00

So ist die Realität in diesen Ländern - rauh und archaisch. Obwohl ich glaube dass nicht mal die Primaten.....
egal, ändern lässt sich das halt nur von Innen heraus. Sie mit Bomben oder alternativ Barbie Puppen beschmeißen wird an dieser Kultur nix ändern.

Captain Future
02
21.5.2010, 14:13

Wie kommen die Taliban eigentlich dorthin? Ich mein, die buchen doch nicht einfach bei Neckermann und ab in die Flieger.

Andi van west
00
21.5.2010, 15:34
da sind auch keine Taliban

soweit ich gelesen habe sind da nur wichtige Warlords.

Der Lindwurm und der Schmetterling
11
21.5.2010, 14:00
roter knopf

irgendwo da draußen sitzt ein us general mit ganz zittriger hand vor einem roten knopf...

ROSAROT17
01
21.5.2010, 13:03
ich will auch auf die Malediven!

nemo sander
00
21.5.2010, 14:53
ist ja ein muslim. land, wo die westlichen touristen

angepaßt gekleidet herumlaufen, damit sie das dann von den muslim. auch verlangen können.
aber da anerkanntes urlaubsland, wird es gar nicht als muslim. wahrgenommen und daher stören dort auch die taliban nicht.

Alien Nation
05
21.5.2010, 12:35
Urlaub auf den Malediven

Jetzt gibt es dort eine neue Attraktion "Taliban Watching"

zimbo
 
21
21.5.2010, 12:22
Schon wie Treffen der EU.

Tower Hill
03
21.5.2010, 12:20
Gulbuddin Hekmatyar

Ein Musterbeispiel amerikanischer Politik. Solange es gegen die Sowjets ging, Freund und Verbündeter, massivst unterstützt und verhätschelt. Nachem er aber auch die USA nicht in seinem Land haben will, Feind und Verfolgter.

Toni Gruber
12
21.5.2010, 16:51
immer so

Nachdem die Verbündeten aus dem Krieg gegen die Sowjet Union keine Pipeline durch Afghanistan aus Zentralasien nach Pakistan genehmigten, waren sie alle Feinde und die Clintonadministration rüstete blitzschnell die Taliban auf, die dann allerdings entgegen ihren Versprechungen auch keine Pipelines erlaubte, worauf es zum Anschlag von 09/2001 kam

Tower Hill
00
22.5.2010, 07:32
Naja, die Taliban wurden

hauptsächlich vom ISI unterstützt und ausgerüstet.

Fritz Wunderlich
01
21.5.2010, 19:06

:-)))))))))))
herrlich, diese phantasie

manfred maier
22
21.5.2010, 12:07
koalieren jetzt in der aghanischen - natürlich - demokratie......

....CIA marionetten, warlords und drogenbarone mit den taliban oder umgekehrt?
spielt es ev. gar keine rolle "wer mit wem", hauptsache es gibt eine ganz, ganz tolle angriffskriegerdemokratie welche das tor zum erträumten kaukasus ebensoweit öffnet wie die pforten zu den us folterlagern fest geschlossen sind?
also sehr weit....

Fritz Wunderlich
01
21.5.2010, 19:08

afghanistan liegt im kaukasus? und du bist frisch von dort zurück, daher deine verständliche verwirrung
na wenn dich die russen für einen tschetschen vom hindukusch halten, hast du es in wien nicht lustig

manfred maier
10
21.5.2010, 20:08
"tolle angriffskriegerdemokratie welche das tor zum erträumten kaukasus ebensoweit öffnet"....

...schrieb ich exakt, was in etwa das gegenteil der behauptung unseres noch immer hyperventilierenden wunderlich bedeutet.
sie machen mir sorgen, beruhigen sie sich......

Fritz Wunderlich
01
22.5.2010, 13:23

hehe, du kannst einem leid tun, bei deinem versuch eines schleiertanzes

manfred maier
10
22.5.2010, 13:55
schweigen ist für.....

...unseren wunderlich offenbar keine alternative.
da macht er sich doch lieber weiter mit hingabe lächerlich.
warum auch nicht, wenn es ihnen ein bedürfnis ist....

Fritz Wunderlich
01
22.5.2010, 17:20

deine hüftbewegungen wirken noch immer unbeholfen

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