Immofinanz einigt sich mit Gläubigern

21. Mai 2010, 16:35
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Schlussstrich unter jahrelangem Rechtsstreit - Immofinanz will 55 Millionen eigene Aktien langsam in den Markt verkaufen

Wien - Zwei am Donnerstagabend unterzeichnete Rechtsvergleiche haben einen vorläufigen Schlusspunkt unter langwierige Verhandlungen zwischen Immofinanz, Constantia Packaging BV und der Fries-Gruppe gesetzt. Die Immofinanz hofft, "unter optimistischen Annahmen" 450 bis 460 Mio. Euro aus einer von der früheren Osttochter Immoeast gewährten 512-Mio.-Euro-Anleihe zurückzubekommen, deren Gegenwert weitgehend verspekuliert worden ist. Dies sagte Immofinanz-Vorstandschef Eduard Zehetner, der am Freitag den komplizierten Deal erläuterte.

Der Deal wird durch den bevorstehenden Verkauf der Constantia Packaging an den Finanzinvestor OEP finanziert. Der Verkäufer, die Constantia Packaging BV der Turnauer-Erbin Christine de Castelbajac, bleibt mit rund 25 Prozent in dem Unternehmen. "Ganz werden wir die 512 Mio. Euro nicht zurückbekommen, fürchte ich", sagte Zehetner. "Dafür ist zu viel verspekuliert worden."

Die Spekulationen, die vom ehemaligen Chef der Constantia Privatbank, Karl Petrikovics, vor Gericht verantwortet werden müssen (es gilt die Unschuldsvermutung), erfolgten mit Aktien der früheren Immofinanz-Gruppe,  Die Mittel dafür stammten aus einer Immoeast-Kapitalerhöhung im Frühjahr 2007.

Vergleich um den "IBAG-Bond"

Die Immofinanz erhält aus dem Rechtsvergleich um den sogenannten "IBAG-Bond" in den nächsten zwei Wochen 217 Mio. Euro in bar - den Großteil davon von der Constantia BV - sowie 55 Millionen Aktien, die über die nächsten Monate kursschonend verkauft werden sollen, wie Zehetner sagte. Im günstigen Fall rechnet er mit 165 Mio. Euro aus dem Verkauf der Anteilsscheine, die rund 5 Prozent des Grundkapitals ausmachen. Bis zu 80 Mio. Euro sollen aus der um einen symbolischen Euro übernommenen Bad Bank der früheren Constantia Privatbank kommen. Die Immofinanz hat auch 113 Gesellschaften ("Leintuchgesellschaften") übernommen, die aber weitgehend fremdfinanziert sind und daher nichts zusätzlich zu den Rückflüssen beisteuern werden.

Bei seiner Pressekonferenz unterschied Zehetner zwischen den "guten Aktionären", die bei der Immofinanz geblieben seien und für deren Geld er kämpfe, und den "bösen Aktionären" -  früheren Gesellschaftern, die nun auf dem Klagsweg Ansprüche gegen die Bad Bank "Aviso Zeta" geltend machten. Die Anlegervertreter seien in diesem Fall "die natürlichen Feinde" der aktuellen Immofinanz-Aktionäre, sagte Zehetner. "Das Match ist eröffnet." 

Keine Kapitalerhöhung

Bisher wurden rund 8 Mio. Euro Klagssumme gegen die Immofinanz selbst und 50 Mio. Euro gegen die Aviso Zeta geltend gemacht. Zehetner rechnet damit, nur in "Einzelfällen" verurteilt zu werden. "Nach meiner kaufmännischen Einschätzung wird uns das einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag kosten". Der Rest solle der Immofinanz zugute kommen. Sollten die Kläger dennoch auf breiter Front erfolgreich sein, werde die Immofinanz ihre 400 Mio. Euro Forderungen anmelden und die Aviso Zeta in den Konkurs schicken. Von der Immofinanz werde "kein einziger Cent in die Aviso Zeta fließen".

Durch den Vergleich werde die Immofinanz bis Sommer zu einer "freien Liquidität" von 600 Mio. Euro kommen, sagte Zehetner. Das Geld will man für das eigene Portfolio verwenden. Eine Kapitalerhöhung - wie von Analysten vermutet - schloss Zehetner für das heurige Jahr aus. 2012 muss die Immofinanz zwei Wandelanleihen in Höhe von knapp 900 Mio. Euro refinanzieren, "aber bis dahin ist ja noch genügend Zeit".

Fries will längerfristig Aktionär bleiben

Die dritte beteiligte Gruppe um den Badener Rechtsanwalt Rudolf Fries behält ihre 56 Millionen Aktien und bekommt eine Ausgleichszahlung von 136 Mio. Euro. Die Gruppe hatte Anfang 2008 Immofinanz-Aktien von der Constantia Privatbank übernommen. Sie verfügte nach früheren Berichten gegenüber der BV über eine Put-Option für diese Aktien zu 7,50 Euro.

Fries hält das Ergebnis der Verhandlungen für "wirtschaftlich vertretbar", weil er Aktionär der Gesellschaft bleiben will und von substanziellen Kurssteigerungen ausgeht: "Der Vergleich bringt aus Sicht der Immofinanz eine schöne Barquote", meinte Fries. "Wir glauben absolut an den Buchwert der Aktie."

Der Buchwert der fusionierten Gesellschaften liegt unter Berücksichtigung der Fusion nach der letzten Berechnung bei 5,12 Euro pro Anteilsschein, der aktuelle Kurs liegt bei 2,40 Euro. Der Einkaufswert der Aktie in seinen Büchern liegt laut Fries bei 7 Euro: "Die Barzahlung liegt pro Aktie bei rund 2,40 - zieht man das von den 7 Euro ab, kommt man auf einen Wert, der unterhalb des Buchwerts liegt", sagte Fries am Freitag. Er hält nach eigenen Angaben zusammen mit Walter Scherb (Spitz Fruchtsäfte) aktuell etwa 80 Mio. Aktien. Die Gruppe ist damit der größte Aktionär der fusionierten Immofinanz (insgesamt 1,046 Mrd. Aktien).

Castelbajac ließ ausrichten, sie sei mit dem Deal "an die Grenzen der Leistungsfähigkeit gegangen". Hauptziel sei es gewesen, die Packaging als operatives Unternehmen "ungestört von jahrelangen Rechtsstreitigkeiten" arbeiten zu lassen. (APA)

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