Clinton: "Akte der Provokation haben Konsequenzen"

21. Mai 2010, 16:33
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US-Außenministerin fordert Nordkorea zur "Mäßigung" auf - Seoul will Wogen glätten

Seoul - Nach dem Untergang des südkoreanischen Kriegsschiffs "Cheonan", der Nordkorea angelastet wird, hat US-Außenministerin Hillary Clinton die Führung in Pjöngjang zur "Mäßigung" aufgefordert. Es sei wichtig, Pjöngjang die Botschaft zu übermitteln, dass "Akte der Provokation" Konsequenzen hätten, sagte Clinton während ihrer Ostasienreise am Freitag in Tokio an der Seite ihres japanischen Kollegen Katsuya Okada. Sie sei sehr gespannt auf ihre Konsultationen mit China, um über die Vorgänge um das mutmaßlich durch einen nordkoreanischen Torpedo-Angriff versenkte Schiff zu beraten, sagte Clinton.

Okada sagte, das Versinken der "Cheonan" offenbare die Instabilität in der Region. Er betonte vor diesem Hintergrund die "wichtigen amerikanisch-japanischen Beziehungen". Auch Clinton bezeichnete die bilateralen Beziehungen zu Japan als "Eckpfeiler der Stabilität" in der Region. Das südkoreanische Kriegsschiff war Ende März nach einer Explosion gesunken, 46 Insassen kamen ums Leben. Ein internationales Ermittlerteam kam am Donnerstag zu dem Schluss, dass alles auf einen nordkoreanischen Torpedo-Angriff hinweise.

Südkoreas Präsiden für "vorsichtige Reaktion" auf Schiffsversenkung

Der südkoreanische Staatspräsident Lee Myung-bak hatte sich zuvor offenkundig um Deeskalation bemüht. Die nach einem offiziellen Untersuchungsbericht durch einen nordkoreanischen Torpedo verursachte Versenkung eines südkoreanischen Kriegsschiffs sei aber ein "perfekter militärischer Überfall" gewesen, sagte Lee nach einer Krisensitzung mit seinen Sicherheitsberatern.

Nordkorea hat den von internationalen Experten vorgelegten Untersuchungsbericht als falsch zurückgewiesen und mit Krieg gedroht, sollte es deswegen eine Vergeltungsaktion Südkoreas und seiner Verbündeten geben. "In dieser wichtigen und sehr ernsten Angelegenheit dürfen wir in unserer Reaktion keinen einzigen Fehler machen und müssen sehr vorsichtig sein", sagte Lee. Die zehn Millionen Einwohner zählende Hauptstadt Seoul liegt in der Reichweite nordkoreanischer Artillerie.

China und Nordkorea hatten ungeachtet der bestehenden Differenzen wegen des nordkoreanischen Atomprogramms den nach wie vor privilegierten Charakter ihrer bilateralen Beziehungen hervorgehoben. Seit dem Untergang der Sowjetunion ist die Volksrepublik China der einzige wichtige Verbündete Pjöngjangs. Im Koreakrieg (1950-53), der 4,5 Millionen Tote forderte, kämpfte das kommunistische China mit einer Armee von über einer Million sogenannter "Freiwilliger" an der Seite der Nordkoreaner gegen das von US-geführten UNO-Truppen unterstützte Südkorea.

China plant nach südkoreanischen Informationen Milliardeninvestitionen in Nordkorea, um der maroden Wirtschaft und Infrastruktur des Nachbarlandes auf die Beine zu helfen. Südkorea befürchtet, im Fall einer Implosion des nordkoreanischen Regimes außerstande zu sein, die Probleme einer Wiedervereinigung zu bewältigen, welche zudem von China nicht gewünscht wird.

USA drohen Norden mit "Konsequenzen"

US-Verteidigungsminister Robert Gates erklärte, das Pentagon stehe in "engem Kontakt" mit Seoul, um eine Antwort auf den Angriff Pjöngjangs vor knapp zwei Monaten vorzubereiten. Letztlich sei es aber an Südkorea, zu entscheiden, wie fortgefahren werden solle. US-Generalstabschef Mike Mullen sagte in Washington, derzeit befänden sich die in Südkorea stationierten mehr als 28.500 US-Soldaten in "normaler" Bereitschaft.

Die Kriegskorvette "Cheonan" war am 26. März nach einer Explosion an der umstrittenen Seegrenze im Gelben Meer auseinandergebrochen und gesunken. 46 Seeleute kamen ums Leben. Ein internationales Ermittlerteam kam am Donnerstag zu dem Schluss, dass alles auf einen nordkoreanischen Torpedo-Angriff hinweise. Pjöngjang wies am Freitag erneut jede Schuld von sich. (APA/apn/AFP)

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