Opel will auch von Werk Aspern Sparbeitrag

21. Mai 2010, 19:37
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Personalkosten sollen in fünf Jahren um gut eine Milliarde Euro fallen, in Wien um 53 Millionen

Rüsselsheim/Wien - Im Ringen um die Zukunft von Opel hat sich der Rüsselsheimer Autobauer mit der Belegschaft auf deren Beitrag zur Sanierung des Unternehmens verständigt. In Europa sollen in fünf Jahren gut eine Mrd. Euro eingespart werden, das sind jährlich rund 265 Millionen Euro, teilte Opel am Freitag mit. Opel machte im Gegenzug nach eigenen Angaben konkrete Investitionszusagen.

Den Löwenanteil müssen die Beschäftigten in Deutschland stemmen, wo es auch die meisten Opel-Werke gibt: 176,8 Mio. Euro sind in Summe pro Jahr durch Lohnverzicht und andere Maßnahmen zu sparen.

Auch das auf Getriebe spezialisierte Werk in Wien-Aspern ist betroffen. Die 1850 Beschäftigten sollen helfen, in fünf Jahren 53 Mio. Lohn- und Personalkosten zu reduzieren - 10,6 Mio. Euro jährlich. "Der europaweite Rahmen wurde abgesteckt, die Details werden jetzt verhandelt", sagte Un-ternehmenssprecherin Elisabeth Schuller dem Standard.

Die Auslastung sei gut, seit Dezember seien wieder gut 100 Mitarbeiter auf Leiharbeitsbasis eingestellt worden. In manchen Bereichen wie bei Fünf-Gang-Getrieben oder im Motorbau werde wieder im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr produziert.

Zu den Zusagen, die der Konzern gemacht hat, gehören die Entwicklung und Markteinführung neuer Produkte wie der Bau eines neuen Kleinwagens und die Stärkung des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim. Sollten geplante Produkte nicht realisiert werden, fließen die Einsparsummen an die Mitarbeiter zurück.

Lohnverzicht

Neben Lohnverzicht der Mitarbeiter hat Opel Staatshilfen von insgesamt 1,8 Mrd. Euro beantragt, von denen rund 1,3 Mrd. Euro aus Deutschland kommen sollen. Der US-Mutterkonzern General Motors will 1,9 Mrd. Euro in die Sanierung Opels stecken.

Opel-Chef Nick Reilly hofft auf eine baldige Entscheidung von Bund und Ländern über Staatshilfen. Der Lenkungsrat des Deutschlandfonds könnte bei seinem Treffen kommenden Dienstag bereits eine Empfehlung abgeben, sagte Reilly am Freitag. Eine endgültige Entscheidung über Hilfen könne sich jedoch bis Anfang Juni hinziehen. Opel hat Bürgschaften für Kredite über 1,5 Milliarden Euro beantragt.

Aus Sicht von Reilly hat der Autobauer alle Voraussetzungen für Staatshilfen erfüllt. Neben der ausgehandelten Einigung mit den Mitarbeitern über deren Sanierungsbeitrag habe Opel auch bereits eine Kreditzusage. Es sei wahrscheinlich, dass mehr als eine Bank den Kredit bereitstelle.

Der Plan zur Opel-Sanierung sieht einen Abbau von rund 8300 Jobs in Europa vor. Mehr als 3900 Stellen sollen in Deutschland wegfallen. (AFP, Reuters, stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23./24.5.2010)

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    Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz (li.) und Opel-Chef Nick Reilly beim Shakehands am Freitag.

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