Therapie

Medikament erhöht Überlebenszeit bei Lungenkrebs

21. Mai 2010 10:21

Besonders wirksam war Erlotinib aber nur bei einem Teil der Patienten

Livorno/London - Der Tyrosin-Kinase-Hemmer Erlotinib (Tarceva) kann bei Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkarzinom nach einer ersten Behandlung mit Chemotherapeutika unter der Verwendung von Cisplatin die Krankheit länger zum Stillstand bringen und auch für ein längeres Überleben sorgen. Besonders gut sprechen Patienten mit Mutationen in einem Wachstumsfaktor-Rezeptor (EGFR) an. Dies ist das Ergebnis einer internationalen Studie unter italienischer Leitung, die von "Lancet Oncology" publiziert wurde.

Das Problem liegt darin, dass 85 Prozent der Lungenkarzinome vom Typ des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms sind und bei fast der Hälfte der Patienten die Diagnose erst im fortgeschrittenen und nicht mehr operablen Stadium gestellt wird. Eine medikamentöse Behandlung - eventuell auch mit Strahlentherapie kombiniert - ist die einzige vorhandene Strategie. Doch oft schreitet die Erkrankung schon zwei bis drei Monate nach der Chemotherapie fort. Im Durchschnitt leben die Patienten noch acht bis zehn Monate.

Federico Capuzzo vom Ospedale Civile die Livorno in Italien und eine internationale Wissenschaftergruppe haben bei 889 Patienten untersucht, ob eine zusätzliche Therapie mit Erlotinib - ein Hemmstoff für Zell-Wachstumsreize, die über den Epithelial Growth Factor (EGF) ausgelöst werden - eine Verbesserung erreicht werden könnte. Etwa die Hälfte der Patienten erhielt das Medikament als "Erhaltungstherapie" des mit Zytostatika erreichten Stillstandes der Erkrankung, die andere Hälfte ein Placebo.

Positive Ergebnisse

Die Ergebnisse waren statistisch signifikant positiv, der Effekt allerdings in der gesamten Probandengruppe, welche das echte Arzneimittel erhielt, moderat: Bis zum Fortschreiten der Erkrankung dauerte es 12,3 Wochen (Placebo: 11,1 Wochen). Die durchschnittliche Überlebenszeit erhöhte sich von elf auf zwölf Monate. Innerhalb der Patientengruppe schnitten allerdings Kranke mit einer Mutation am EGF-Rezeptor besonders gut ab. Bei ihnen reduzierte sich das Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung zeitweise um 90 Prozent. Dass solche Patienten besonders gut auf eine derartige Behandlung ansprechen, würde besonders in ihren Fällen für eine Therapie sprechen. Die Phase-III-Studie auf Wirksamkeit wurde vom Hersteller Roche gesponsert. (APA)

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16 Postings
Willibald Wasserhuhn
24.05.2010 10:43
Im "Spiegel" letzter Woche

findet sich zum Thema Krebsmedikamente ein interessanter Artikel. Eine Wirksamkeit ist teilweise nicht nachgewiesen, wenn doch, dann sind sie ähnlich schwach wirksam wie das hier beschriebene Medikament. Dafür kostet ein solches Medikament monatlich manchmal bis zu 50.000 Euro, eine breite Anwendung würde deshalb das Gesundheitssystem zum Kollabieren bringen.

trace route
23.05.2010 22:15
Einen APA-Artikel 1:1 abzudrucken, ist wahrlich KEINE rühmliche Leistung, werte Red! Schon gar nicht, wenn nicht mal der Autor des APA-Artikels kapiert hat, was für einen Unsinn er schreibt. Warum verfassen Leute medizinische Artikel, die von der...

Thematik keine Ahnung haben? Das Problem ist NICHT dass 85% ein nicht-kleinzelliges BronchusCa haben, denn das kleinzellige killt NOCH schneller!

Und kann die werte Red mit dem Veröffentlichen eines Med-Artikels nicht ein bisschen warten, bis die Publikation ONLINE in PUBMED verfügbar ist, sodass interessierte LeserInnen SELBST NACHSCHLAGEN können?

Es ist peinlich, dass im Bericht die Region Livorno über die dortige Fußball-Webpage (!) http://www.livornocalcio.it/ verlinkt ist, aber die MEDIZINISCHE Publikation ist NICHT verlinkt, was auch nicht möglich wäre da diese noch nicht in Pubmed anrufbar ist.

Eigentlich sollte es verboten sein, über papers zu berichten BEVOR diese PUBLIZIERT wurden!

Echt LETZTKLASSIGE Sensations-Heischerei!

priority
25.05.2010 21:06
PUBMED

trace route , Godesberg..........offensichtlicher gehts jetzt aber nimmer.

trace route
26.05.2010 11:16
Was meinen Sie mit Godesberg?

Und falls ich fragen darf: Was soll an Pubmed und meinem nickname "offensichtlicher" sein?

Godesberg
24.05.2010 23:00

Das kommt davon wenn man die Redaktion mit Amateuren besetzt.

karllinz
 
22.05.2010 09:35
Billiger...

Zeitgerecht mit dem Rauchen aufhören wär g`scheiter und vor allem billiger! Raucher kämpfen um ihr glaubliches "Recht" in geschlossenen Räumen rauchen zu dürfen und dann im Endstadium um ein paar Wochen ihres Lebens...auf Kosten der Allgemeinheit - ein Monat Lebensverlängerung macht € 100.000,- und die ganze lebenslang bezahlte Tabaksteuer kassieren die Pharmakonzerne!

Knieriem
22.05.2010 23:18

Es gibt aber, soweit ich informiert bin, Lungenkarzinome, die mit Rauchen absolut nichts zu tun haben. Da erkranken Menschen, die meist noch relativ jung sind und womöglich nie eine Zigarette angerührt haben. Denen wird das "Aufhören mit dem Rauchen also nichts nützen, sondern nur eine effiziente Therapie.

velvetways
22.05.2010 05:07
Lebensverlängerung 1,2 Wochen im Vergleich zum Placebo

Bis zum Fortschreiten der Erkrankung dauerte es 12,3 Wochen (Placebo: 11,1 Wochen). 1,2 Wochen Lebenszeit Verlängerung (Kosten??) und so etwas wird allen ernstes als Medizin oder sinnvolles forschen ("Wissenschaft") präsentiert?

trace route
23.05.2010 22:26
Ich finde es sehr gut, dass LeserInnen wie Sie solche Berichte kritisch analysieren! Ich stimme Ihnen zu: die von Ihnen zitierte Verlängerung der Überlebenszeit ist sehr gering. Krebs-Behandlungen verursachen heutzutage 15 Prozent aller Medikamenten-

kosten. Wenn die Effekte so gering sind, so muss die Frage gestattet sein, ob all das überhaupt Sinn macht.

Allerdings sei eine Anmerkung gestattet: Eine geringe Verbesserung im Durchschnitt sagt nichts aus, ob einzelne Patienten mit EGF-Rezeptor Mutation vielleicht doch sehr stark profitieren. Fast 90 Prozent der Patienten haben nämmlich keine Mutation des EGF-Rezeptors. Wenn bei diesen die Therapie kaum bis gar nicht wirkt, so entsteht eine geringe durchschnittliche Verlängerung, selbst wenn es bei Patienten mit EGF-Rezeptor Mutation zu einer Verdoppelung der Überlebenszeit gekommen sein sollte. Letzteres lässt sich allerdings nicht überprüfen, da der Artikel - wie ich weiter oben kritisiere - veröffentlicht wurde VOR der Publikation.

hurdy gurdy
23.05.2010 09:34
1,2 Wochen im Durchschnitt

Bei Patienten mit einer EGFR Mutation reduzierte sich das Risiko zum Fortschreiten um 90%.

Für mich liest sich das so: Einer kleinen Gruppe hilfts signifikant (und nicht nur statistisch gesehen), bei der grösseren Gruppe ist es für die Fische.
Halt ich durchaus für eine sinnvolles Forschen, die Pille die den Krebs allgemein stoppt wird es nicht geben, eher eine extrem dem Tumor angepasste Therapie.

vintage
23.05.2010 10:13
EGFR Mutation?

wie viel der Patienten haben eine EGFR Mutation?

hurdy gurdy
23.05.2010 13:39
in der Publikation unten waren es 25 von 300

http://www.springerlink.com/content/k... 7165012kt/

KKdJ
21.05.2010 20:47
Wieder einmal ein peinliches Missverständnis.

Zitat:

"Das Problem liegt darin, dass 85 Prozent der Lungenkarzinome vom Typ des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms sind..."

Nein, DAS ist gerade NICHT das Problem, denn das kleinzellige Lungenkarzinom hat die bei weitem schlechtere Prognose und den weitaus aggressiveren Verlauf als das nicht-kleinzellige...

Matthias Schindler
21.05.2010 12:17
Ein wahrer Fortschritt!

"Wir kommen langsam voran" (Dr. Christoph Zielinsky). "Wir sind auf dem Holzweg" wäre ehrlicher.

Clemens Schwarz
21.05.2010 10:37
0,8 wochen länger

1 monat länger leben im durchschnitt.
bei was für einer lebensqualität wird leider nicht beschrieben.
man lese genau: zeitweise 90% (ohne genau zu wissen, aus was sich die zahlen beziehen, ich bin einfach mal böse und sage, sie beziehen sich auf den unterschied von 1,2 wochen =8,4 Tage) 90% mehr sind dann 8,4*0,9=8. 8 tage späterer beginn des fortschreitens der erkrankung. auf die gesamtlebenzeit wird dabei kein bezug genommen.
schade, dass nicht placebo und z.b. hypnotherapie angewendet wurde, oder alternative verfahren zusätzlich in kombination. das wäre dann spannend.

wenn man es wörtlich nimmt,was da steht, könnte man den schluss ziehen, dass 90% geheilt werden.
das wäre dann der durchbruch bei dieser krebsart und dieser mutation.

Matthias Schindler
21.05.2010 12:20
Sie haben ja so Recht!

So eine Studie rechtfertigt aber die Einführung eines millionenteuren Medikaments. Und wieder kann man sagen: ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer für die Pharmaindustrie!

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