Süße Revanche der Sbornaja

20. Mai 2010, 23:13
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Russland entfernt im Viertelfinale Kanada mit 5:2 und schmiert Balsam auf die Wunde der Olympia-Pleite - Deutsche feiern 1:0 gegen Schweiz

Köln - Süße Rache für Russlands Eishockey-Team: Der Rekordweltmeister zog durch einen 5:2 (1:0, 2:0, 2:2)-Sieg gegen Olympiasieger Kanada am Donnerstagabend in Köln in das Halbfinale der Weltmeisterschaft in Deutschland ein und revanchierte sich damit auf dem Weg zum 26. Titel für die Viertelfinal-Schmach (3:7) gegen die Ahornblätter bei den Winterspielen in Vancouver. Das Team um Superstar Alexander Owetschkin trifft nach dem siebten Sieg im siebten Spiel und dem 26. in Folge bei einer WM am Samstag nun auf Gastgeber Deutschland, der die Schweiz in Mannheim 1:0 (0:0, 1:0, 0:0) bezwingen konnte.

Maxim Afinogenow (20.), Pawel Dazjuk (22.), Jewgeni Malkin (38. und 57.) und Sergej Fedorow (48.) erzielten die Tore für den Topfavoriten in einem hitzigen Duell, John Tavares (54.) und Matt Duchene (60.) trafen für Kanada. Die Kanadier, die in Corey Perry von den Anaheim Ducks nur noch einen der Goldjungs im Team hatten, zogen bei einer Weltmeisterschaft wieder einmal gegen Russland den Kürzeren. Bei den Turnieren 2008 und 2009 hatte der 24-malige Titelträger jeweils die Finals gegen die Sbornaja verloren. Insgesamt mussten die Cracks aus dem Eishockey-Mutterland, die 23 Spieler aus der NHL im Team hatten, vier Turnier-Niederlagen hinnehmen.

Vor 12.274 zumeist russischen Anhängern ging es von Beginn an ordentlich zur Sache. Die Kanadier brachten gewohnte Härte und Provokationen ins Spiel, womit sie bereits in Vancouver Erfolg hatten. Aber die Russen mit ihren Ausnahmekönnern wie Owetschkin, Ilja Kowaltschuk, Pawel Dazjuk, Jewgeni Malkin oder Sergej Fedorow ließen sich nicht beeindrucken.

Afinogenow profitierte bei seinem dritten Turniertor von Kanadas Goalie Chris Mason, dem der Puck durch Arm und Oberkörper rutschte. Dazjuk nutzte unnötige Strafzeiten von NHL-Torschützenkönig Steven Stamkos und Perry in 5:3-Überzahl zum 2: 0 und seinem vierten Treffer. Malkin nutzte erneut ein Überzahlspiel und Fedorow lenkte einen Schuss von Witali Atjuschow ins Netz. Malkin traf dann noch ins leere Netz. Im ganzen Spiel gab es in der hitzigen Atmosphäre, besonders am Ende, immer wieder Raufereien.

Deutsche freuen sich über größten Erfolg seit 34 Jahren

Den größten Erfolg der Deutschen seit Olympia-Bronze 1976 in Innsbruck schoss vor 12.500 Zuschauern in der ausverkauften Mannheimer Arena Philip Gogulla (31.) heraus. Der Stürmer der Portland Pirates war in der Zwischenrunde noch nach schwachen Leistungen auf die Tribüne verbannt worden. Die letzte WM-Medaille hatte die deutsche Mannschaft 1953 gewonnen, als sie Zweiter wurde.

Das Duell war von Beginn an hitzig und verbissen. Die Deutschen starteten mit viel Aggressivität und Härte.  Doch je länger die Partie dauerte, desto mehr setzte sie läuferische Klasse der Schweizer durch. Nach rund zehn Minuten wurde der Druck der Eidgenossen so groß, dass sich Deutschland nur noch mit zahlreichen unerlaubten Befreiungsschlägen zu helfen wusste.

Dann jedoch erwies Routinier Martin Plüss dem Schweizer Team einen Bärendienst. Der 33-Jährige vom Meister SC Bern streckte Ehrhoff mit einem Stockstich zwischen die Beine nieder (16. ) und kassierte eine Spieldauerdizsiplinarstrafe, seine Mannschaft musste fünf Minuten in Unterzahl spielen.

Den Deutschen gelang in dieser Phase jedoch kein Treffer und die spielerisch besseren Schweizer übernahmen bald wieder das Kommando. Erst nach 30 Minuten kämpfte sich die deutsche Mannschaft wieder ins Spiel zurück. Beim 1:0 nutzte Gogulla einen Abpraller von Torhüter Martin Gerber, der den Schuss von Alexander Sulzer nicht unter Kontrolle brachte.

Gegen Ende des zweiten Abschnitts kamen die Eidgenossen bei einer Chance von Thomas Deruns dem Ausgleich (38.) sehr nahe. Im Schlussdrittel versuchten die favorisierten Schweizer noch einmal alles, hatten bei Stangentreffern auch Pech. Auch der letzte Versuch in der Schlussphase mit einem sechsten Feldspieler statt Goalie Gerber fruchtete nichts, die Deutschen brachten den glücklichen Erfolg über die Distanz. Nach dem Ende der Partie entluden sich die Emotionen in einer zünftigen Massenschlägerei vor der deutschen Spielerbank.  

Für die Deutschen endet eine Negativserie gegen die Schweiz, die die letzten drei WM-Duelle jeweils gewinnen konnte. Die Eidgenossen, die zuvor mit Siegen gegen Kanada (4:1) und Tschechien (3:2) für Aufsehen gesorgt hatten, verpassten es, erstmals seit 1998 wieder in ein Halbfinale einzuziehen. (sid/red)

VIERTELFINAL-ERGEBNISSE:

Russland - Kanada 5:2 (1:0, 2:0, 2:2). - Tore: 1:0 Afinogenow (19:02), 2:0 Dazjuk (21:45), 3:0 Malkin (37:31), 4:0 Fedorow (47: 31), 4:1 Tavares (53:52), 5:1 Malkin (56:56), 5:2 Duchene (59:46). - Schiedsrichter: Larking (Schweden), Sindler (Tschechien). - Zuschauer: 12.274. - Strafminuten: Russland 24 plus 10 Disziplinar (Afinogenow) - Kanada 28 plus 10 Disziplinar (Ott, Downie)

Schweiz - Deutschland 0:1 (0:0,0:1,0:0). - Tor: 0:1 Gogulla (30:46). Schiedsrichter: Laaksonen (Finnland), Sterns (USA). - Zuschauer: 12.500 (ausverkauft). - Strafminuten: Schweiz 7 plus Spieldauerdisziplinar (Plüss) - Deutschland 2

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    Alexander Owetschkin und seine Russen waren am Donnerstagabend alles andere als im Sinkflug...

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    Felicien Du Bois beförderte Patrick Hager vom Eis, Deutschland die Schweiz aus dem Turnier.

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