Arien von der erdrückenden Last der Konflikte

20. Mai 2010, 20:11
posten

"Aida" in Klagenfurt

Monoton gewandete Darsteller, schwarz und weiß als dominierende Kontraste, der berückende Charme eiskalter Stahlgestänge: Regisseur Torsten Fischer raubt eingefleischten Aida-Fans so ziemlich alle liebgewonnenen Sujets.

Der Einsatz dieser radikalen Stilmittel bildet die Basis für die immanente pazifistische Botschaft, Pathos und Leidenschaft stehen im Hintergrund.

Richtig schlüssig wird das Ganze im 3. und 4. Akt, davor nerven ein stets herumgefuchteltes Maschinengewehr und stilisierte Gemetzel. Die zeitlose Botschaft, dass die Liebe erst im Tode über die Gräuel der menschlichen Verwirrungen siegt, kulminiert im dämmrig-schaurigen Tribunal der Priester und der finalen buchstäblich erdrückenden Last des drohend schwebenden Eisengitters! Hervorragende Sangesleistungen erbringen Sae Kyung Rim (Aida), die sich gegen Ende zu wahren Höchstleistungen aufschwingt, und Daniel Magdal (Radames), dessen kraftvoller Tenor niemals zu ermüden scheint!

Francesco Landolfi (Amonasro), Alexander Nossikoff (König von Ägypten) sowie Gustav Belacek (Ramphis) runden eine überzeugende solistische Darbietung ab. Konzentriert und dynamisch folgt das Orchester Dirigent Peter Marschik. Wenn sich der Chor bei Massenszenen hinzugesellt, werden die akustischen Grenzen des kleinen Theaters bisweilen schmerzhaft gesprengt. Ein musikalisch mitreißendes Ensemble erfährt mit Fortdauer des Geschehens trotz Umdeutungen die adäquate inszenatorische Unterstützung! (bay/ DER STANDARD, Printausgabe, 21.5.2010)

 

22., 25. 5., Stadttheater Klagenfurt, 19.30

Share if you care.