Ex-Hypo-Chef mit Zugriff auf Vorstandsdaten

20. Mai 2010, 19:27
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Die PwC-Wirtschaftsprüfer, die die Leasing-Deals der Kärntner Hypo untersucht haben, stießen auf viele Seltsamkeite

Wien - Die PwC-Wirtschaftsprüfer, die die Leasing-Deals der Kärntner Hypo untersucht haben, stießen auf viele Seltsamkeiten. Etwa auf großeFreiheiten zweier Chefs der Leasing Holding (HLH). Laut "fraud report" haben "die Vorstandsmitglieder JosefKircher und Albert Modritsch einander wechselseitig ermächtigt, über Beträge bis zu 30.000 (Kircher) bzw. 10.000Euro täglich unter Ausschaltung des Vier-Augen-Prinzips zu verfügen" . Dazu passe, dass es "keine Regelungen zur Dokumentation und Genehmigung vonAusgaben für Beratung, Spenden, Reisen ... gab" . Als Beispiel nennen die Prüfer Sponsoring für das Jetalliance Racing Team, wo "wesentliche Teilbeträge über einen Kommunikationsberater inRechnung gestellt wurden. Er fakturierte auch weitere Beratungsleistungen an die HLH, ohne dass die Leistungserbringung ... nachvollziehbar" sei. Erwähnenswert sei zudem, dass die Leasing Holding "Vereine und Institutionen in der Umgebung der Wohnorte ... von Kircher und Modritsch" gefördert habe.

Die Wege des Geldes waren verschlungen. 2007 etwa habe die Leasing-Gesellschaft 762.000Euro "alsBeratungshonorare für nicht nachvollziehbare Vermittlungstätigkeiten inEx-Jugoslawien anGesellschaften in Liechtenstein bzw. Wyoming in den USA überwiesen" . Man hege "den Verdacht, dass es sich um Scheinrechnungen des kroatischen Ex-Außenministers" und eines Hypo-Kunden handle.

Missachtung auf Anordnung

Wozu es führte, dass "auf Anordnung von oben Regeln missachtet wurden" , zeigt PwC anhand des Beispiels Kirchner auf. Er schied im Juni 2008 aus demVorstand der Hypo Group aus, wurde bis Sommer 2009 als hochdotierter Konsulent weiter beschäftigt. Bis April 2009 hatte der Ex-Banker und Ex-Leasing-Chef freilich Zugriff ins Daten-Herz der Gruppe: auf den "Vorstandsordner" , in dem alle vertraulichen Unterlagen wie Aufsichtsrats-, Vorstands- oder Kreditausschuss-Protokolle liegen. Wie das laut PwC kam: Im Juli 2008 habe Bankchef Tilo Berlin die Anweisung erteilt, Kircher wieder Zugriff auf "seine Mails" zu gewähren. Stattdessen sei aber seine "alte Vorstandsberechtigung" reaktiviert worden.

Wer Kircher (die Bank hat ihn angezeigt, es gilt die Unschuldsvermutung) anrufen wollte, konnte das übrigens bis Ende Jänner 2010 über seine alte Hypo-Nebenstelle (2488) tun: Die war bis dahin auf seine Beratungsgesellschaft K7 umgeleitet.(Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.5.2010)

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