Österreichische Bürgerinitiativen

Initiativ sind nicht nur Latzhosenträger

20. Mai 2010, 18:52
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    foto: standard/robert newald

    Protestaktion: Die Szene ist bunter geworden, die Unterstützung der Grünen aber ist ohne parteiliches Interesse geblieben.

Die Szene hat sich massiv geändert und der Fokus des Protests ebenso - Immer mehr geraten Verkehrsprojekte in das Visier der besorgter Anrainer

Wien - Wenn es nach der Statistik geht, die die Grünen-Rechtsexpertin Marlies Meyer Jahr für Jahr erstellt, "dann spüren wir nichts von einer Krise": Meyer stellt im Gegenteil fest, dass immer mehr Bauprojekte auf den Widerstand von besorgten Bürgern treffen. Wenn nämlich - auch als Mittel gegen die Krise - Infrastrukturmaßnahmen gesetzt werden, dann kommen die Interessen des Umwelt- und Naturschutzes leicht unter die Räder.

Damit sich Bürgerinitiativen dagegen wehren können, hat der Grüne Klub einen Fonds, den sogenannten BIV, eingerichtet, in den die Klubmitglieder einzahlen müssen, damit ein Teil der grünen Politikereinkommen an die Basisinitiativen umverteilt wird.

Wichtig ist, dass mit den jährlich knapp 50.000 Euro ausschließlich die Kosten von Rechtsstreitigkeiten abgefangen werden - und das vor allem in Fällen von grundsätzlicher Bedeutung, wie der Wiener Staats- und Verwaltungsrechtler Daniel Ennöckl, der in den Vorstand des BIV berufen wurde, im Gespräch mit dem Standard erklärt.

Im Vorjahr wurden allein 34.349 Euro für Streitigkeiten um Straßenbauprojekte lockergemacht. Da gibt es etwa das Projekt der Donaubrücke Traismauer, deren Trasse von der Asfinag durch ein europarechtlich geschütztes Natura-2000-Gebiet projektiert wurde. Die Bürger, die dagegen aufbegehrten, wurden vom Projektwerber abgewiesen, auch der Verfassungsgerichtshof sah die Bürgerinitiative als "nicht rechtmäßig konstituiert" an und ließ sie daher abblitzen.

Das Engagement hat sich aber letztlich doch gelohnt. Zwar darf die Straße nun gebaut werden, doch heißt es in dem Bericht des BIV: "Effekt der Beteiligung waren umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen."

Und das wird für den Errichter teuer: Im Fall Traismauer erhöhen sich die Projektkosten um 17,9 Prozent. Der Rechnungshof hat errechnet, dass man im Schnitt mit zehn Prozent erhöhten Kosten rechnen muss, wenn man Projekte in Naturschutzgebieten plant. Es wäre daher im Sinne der Steuerzahler, von vornherein auf die Umweltinteressen Rücksicht zu nehmen.

Das gilt nicht nur für Straßenbauten: Eine der vom BIV unterstützten Initiativen hat etwa das an der Schwarzen Sulm in der Steiermark vorgesehene Kraftwerksprojekt zu Fall gebracht.

Es ist insofern grundsätzlich bedeutsam, als es hier um die Abwägung des übergeordneten öffentlichen Interesses an Stromversorgung gegen Umweltschäden ging - und der Umweltschutz bisher gewonnen hat. Das wird von den Grünen gern gesehen - ist aber längst nicht nur ein grünes Anliegen, sagt Ennöckl: "Das Vorurteil, dass Bürgerinitiativen aus latzhosentragenden Bio-Lehrern bestehen, stimmt nicht mehr. Da sind jetzt oft Wirtschaftsanwälte und Höchstrichter dabei." (Conrad Seidl, DER STANDARD - Printausgabe, 21. Mai 2010)

aleph null
77
20.5.2010, 22:45
Je mehr Menschen in einem Land leben,

umso mehr Verkehrswege benötigt man. Das ist so trivial wie das Faktum, dass mehr Menschen auch einen erhöhten Flächenverbrauch haben (Zersiedlung).

Genaugenommen sind viele unserer Verkehrsprobleme ein Problem der Bevölkerungsdichte. Und da sollten die Grünen einmal innere Einkehr betreiben und sich die Frage vorlegen, wieviel Bewohner für die Fläche von Ö. zuträglich sind, bevor man einer ungehinderten Zuwanderung das Wort redet. Ich meine, dass 8 Mio jetzt schon viel zu viel sind. 6 Mio wären auch genug (Stand der 60-iger Jahre) und damals war Ö. auch nicht unterbevölkert.

commoner
20
25.5.2010, 17:55
Meine Guete! Haben Sie schon je Bevölkerungsdichten/km2 in Europa verglichen? AUT: 100/km2.

CH: 184
D: 231
ITA: 199
BEL: 350
NL: 400
DK: 127
FRA: 114
PL: 121
SER: 112
CZ: 130
SLW: 110
UNG: 108
GB: 250 (ENG allein: 377)

(und nicht mit dem Argument "Bergland" kommen; CH 184, Bayern 177, Haute-Savoie 161, Liech. 223 etc.).

Abgesehen von ESP, GR, Skandinavien (ohne DK), den Balten + UKR gibt es in Europa kaum Länder mit niedrigerer Bev.-Dichte. Wir sind für europäische Verhältnisse geradezu spärlich bevölkert.

Wenn Sie gegen Zuwanderung sind, sagen Sie's, aber argumentierens nicht mit der Bev.-Dichte; im österr. Fall ist das nämlich lächerlich.

Klar, die Zersiedelung ist ein Problem, der Grund liegt aber in der mangelnden Raumplanung. In ENG (377/km2) sieht man kilometerweit kein Haus, in AUT sogar im Gebirge an jeder Ecke.

captain__ingwer
10
21.5.2010, 12:23

Der Bau immer neuer Strassen in Ö ist nicht in erster linie Produkt eines starken Bevölkerungswachstums, sondern einer völlig versagenden bzw in weiten Teilen nicht vorhandenen Raumplanung und des Irrsinns, daß jeder Bürgermeister natürlich dahinter ist, in seiner gemeinde ein super fachmarktzentrum oder am besten mehrere und möglichst viele Untertanen haben will, die Kosten für Infrastruktur, die holen wir uns dann eh vom Land und in weiterer folge vom bund zurück. Dieser wahnsinn gehört endlich eingestellt

Entropix
13
21.5.2010, 10:23
es gab einmal

ein Rechenmodell für die "optimale" Bevölkerungsdichte, welches auf 10 - 20 Menschen pro km² (weltweit) kam, was für Österreich rund 1,2 Mio. EW ergäbe ;-)
(Wie bei alle Modellen: man kann's glauben oder nicht)

vetinari
00
21.5.2010, 10:55

und in der Sahara wären es dann wieviele Mio menschen ??
*weia*

Entropix
00
21.5.2010, 11:31
schmähstad? ;-)

whei
22
21.5.2010, 00:45

Zersiedelung geschieht, weil sich viele Leute einbilden sie müssen jetzt ihr eigenes Haus, mit eigenem Garten und eigenem Auto haben und nicht weil in Österreich jetzt so viel mehr Menschen wohnen. Seit Beginn des 20. Jhd. sind kaum mehr als 1 Million dazugekommen. In Wien sind es sogar weniger geworden.

Unsere Verkehrsprobleme entstehen eben durch jene Zersiedelung und da der Großteil der Pendler meint mit dem eigenen PKW fahren zu müssen.

Mathias
 
46
20.5.2010, 23:13
ungehinderten Zuwanderung

Ist die Forderung nach "ungehinderten Zuwanderung" nicht genauso dämlich wie die Theorie des "ewigen Wirtschaftswachstums"?

Andy Vanek
00
28.5.2010, 10:12
das ist sie wohl

ich kenne allerdings auch niemanden, der sie erhebt.

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