Euro-Schwäche macht Schweiz zu schaffen

20. Mai 2010, 18:05
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Starker Franken führt zu Problemen in der Exportindustrie und im Fremdenverkehr

Zürich/Wien - Die Finanzprobleme in der Euro-Zone haben die Schweiz wieder zu einem „sicheren Hafen" für nervöse Anleger gemacht. Aus dem Euro-Raum flüchtet massenhaft Geld in das Alpenland, das sich als Nicht-EU-Mitglied nicht an dem Milliarden-Rettungspaket für die Euro-Zone beteiligen muss.

Die Schweizerische Nationalbank kauft bereits seit einiger Zeit um Milliardenbeträge Euro gegen Franken auf, um diesen zu schwächen und damit den Euro zu stützen. Diese Geldpolitik kann jedoch die Inflation in der Schweiz anheizen, wie Experten warnen. 

Glücklich darüber sind die Schweizer nicht. Die Geldflut hat zu einer kräftigen Aufwertung geführt. Export- und Tourismusindustrie stöhnen unter der Stärke des Franken.

Eine Untersuchung, die von der Schweizer Großbank UBS durchgeführt wurde, geht davon aus, dass der Schweizer Tourismus schon im laufenden zweiten Quartal 2010 Rückgänge hinnehmen wird müssen. Für Touristen aus den Euro-Ländern werden Urlaube in den Schweizer Bergen teurer, und sie werden wohl weniger zahlreich anreisen. Eine kräftig steigende Nachfrage wird dagegen von Gästen aus den USA erwartet, während der Binnentourismus stabil bleiben dürfte.

Höhere Preise, geringere Erlöse

Die exportorientierten Firmen müssen aufgrund der Euro-Schwäche entweder die Preise erhöhen oder geringere Erlöse in Kauf nehmen. Swissmem, der Verband der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, rechnet damit, dass mehr Firmen außerhalb der Schweiz Produktionsstätten eröffnen werden, um preislich konkurrenzfähig zu bleiben. 

Über den starken Franken freuen können sich die Verbraucher. Importierte Güter werden billiger; Einkaufen und Urlaub machen jenseits der Grenze ebenso.
In voller Härte trifft diese Entwicklung jene österreichischen Kreditnehmer, die Schulden in Schweizer Franken haben. Für sie verteuern sich die Rückzahlungen deutlich. Geschätzt wird, dass die Mehrzahl der 250.000 Österreicher mit Fremdwährungskrediten diese in Franken halten. (ruz, dER STANDARD; Print-Ausgabe, 21.5.2010)

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