Sportliches Indianerspiel

20. Mai 2010, 18:48
9 Postings

Im Salzburger Ort Stuhlfelden tragen die Bogenschützen ihre Europameisterschaft aus - gezielt wird nicht auf Scheiben, sondern auf Plastiktiere

Salzburg - Die Füße im rechten Winkel zum Ziel, den Pfeil in die Sehne des Bogens einloggen, die Sehne spannen, bis der Körper ein "T" bildet, zielen, loslassen, treffen. Klingt ganz einfach. Nur: Spätestens beim Spannen der Sehne beginnt die Hand des Anfängers zu zittern, die Sehne schnellt unkontrolliert nach vorn, der Pfeil taumelt weit neben dem anvisierten Punkt vorbei. Dabei ist das Übungsziel gerade einmal 20 Meter entfernt. In Wettkämpfen beträgt die Distanz 55 Meter, nicht ganz das Dreifache. Zweiter Versuch, wieder daneben. Spätestens beim fünften Pfeil merkt man auch, wie viel Kraft für das Aufziehen der Sehne notwendig ist. Bogenschießen ist mehr als nur "Indianerspielen für Große".

Reh, Hirsch und Bär

Die Pinzgauer Gemeinde Stuhlfelden hat sich gleich ganz dem Bogensport verschrieben. Seit 2003 gilt der 1500 Einwohner zählende Ort als "1. Bogendorf Europas" . Auf vier Außenanlagen und in einer Halle können die Schützen das ganze Jahr über trainieren.

Ab kommenden Sonntag ist Stuhlfelden eine Woche lang Austragungsort der Europameisterschaft im 3-D-Bogenschießen. Im Gegensatz zum Schießen auf Scheiben wird bei der 3-D-Variante im Gelände auf Kunststofftiere geschossen. Je 28 Plastikrehe, -hirsche oder -bären sind auf einem eigens eingerichteten Parcours im Wald und auf der Wiese zu "erlegen" . Bei der EM müssen die 1200 Teilnehmer aus 16 europäischen Nationen in vier Schusstagen vier Parcours absolvieren.

Gewertet wird nach Art des Treffers: Erreicht man die Herzgegend, die zentrale Wertungszone "Kill" , gibt es die höchste Punkteanzahl. Steckt der Pfeil beispielsweise in der Flanke, befindet man sich in der niedrigsten Punktezone "Wound" . Der Vorteil dieser "Jagd" aus Sicht der Schützen: Die im Maßstab 1:1 gefertigten Tiermodelle sind unbeweglich. Eine Schussdistanz von 55 Metern macht die Sache im freien Gelände freilich schwierig genug.

Bei der EM wird in vier Altersklassen und 13 verschiedenen Schussklassen um Medaillen gekämpft. Wichtigste Unterscheidung für den Laien sind die Bogenarten: Der Langbogen ist die Urform des Bogens mit einer harmonischen Biegekurve. Der Recurvebogen ist zwecks höherer Präzision an den Spitzen wieder in die Gegenrichtung gebogen. Schließlich der Compound-Bogen: Dieses Hightech-Gerät hat mit seinen Rollen und Visieren optisch nur noch wenig mit den Waffen von Robin Hood gemein. (Thomas Neuhold - DER STANDARD PRINTAUSGABE 2010)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Ziel, aber kein Braten: Bei der 3-D-Bogen-EM in Salzburg werden ausnahmslos Plastiktiere erlegt.

Share if you care.