Auch bei Einigung wäre der Weg zur Gesamtschule noch weit

20. Mai 2010, 17:57
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Unterschiedliche Lehrer, unterschiedliche Schüler

Wenn wir aufhören, die Kinder zu sortieren, muss das auch Auswirkungen auf die Lehrerinnen und Lehrer haben", sagt Unterrichtsministerin Claudia Schmied über die Voraussetzungen einer Gesamtschule - wie immer diese auch bezeichnet werden sollte. Die Lehrpersonen im Gymnasium haben schon immer ein Hochschulstudium mit dem Abschluss als Magister (künftig als Master)gebraucht, während die Lehrerinnen und Lehrer in Hauptschulen erst nach der neuen gesetzlichen Regelung an Pädagogischen Hochschulen ein Bachelor-Studium absolvieren müssen.

Einheitliche Lehrerbildung

Auch die jüngsten Reformen sind also davon ausgegangen, dass an AHS und Hauptschulen der gleiche Lehrplan unterschiedlich tief abgearbeitet werden müsse und daher unterschiedlich qualifizierte Lehrkräfte braucht. In einem Gesamtschulmodell müsste es zumindest für die neu eintretenden Pädagogen gleiche Voraussetzungen, ein einheitliches Dienstrecht und eine einheitliche Bezahlung durch den Bund geben, der dann automatisch Schulerhalter für alle Schulen für Kinder ab zehn Jahren wäre. Ein neues Dienstrecht könne es aber nur für neu eintretendes Lehrpersonal geben. Geklärt wäre in jedem Fall auch die Frage des Schulerhalters. Dafür wäre dann einheitlich der Bund zuständig.

Derzeit ist die Hauptschule, die typischerweise in die Zuständigkeit der Länder fällt, österreichweit noch immer die meistverbreitete Schulform für Kinder von 10 bis 14 Jahren. Sie wird von 238.000 Schülerinnen und Schülern besucht. Nur 116.000 besuchen eine AHS Unterstufe und gar nur 3400 eine so genannte "Neue Mittelschule", die das Modell für eine Gesamtschule abgeben soll. Allerdings ist dieses Schulversuchsmodell bei seiner Einrichtung stark eingeschränkt worden.

Immerhin zeigt sich da Bewegung: Die Landeshauptleute-Konferenz einigte sich auf eine Aufhebung der 10-Prozent Deckelung und auf eine Verbesserung der Nachmittagsbetreuung. Die Unterrichtsministerin wurde aufgefordert, über die Aufhebung der Deckelung mit Finanzminister Josef Pröll zu verhandeln.

Sonderschule kein Sonderfall

"Der Neuansatz für eine Schule für alle Kinder, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, liegt voll auf der Linie des inklusiven Schulmodells, das wir vertreten", sagte Lebenshilfe-Präsident Germain Weber, der sich in seiner Forderung nach einem gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen bis zum Ende der Oberstufe bestärkt sieht.

Die Durchsetzung der in Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention vorgeschriebenen inklusiven Schule und die damit verbundene Umwandlung der noch bestehenden Sonderschulen in "Schulen für alle" wäre ein Richtungswechsel im österreichischen Schulsystem. (cs, APA, DER STANDARD, Printausgabe, 21.5.2010)

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