Verwirrung um Vorzugsstimmenregelung

20. Mai 2010, 17:43

Eine Wahlrechtsänderung sorgt im Burgenland für Streit und Verwirrung

Eisenstadt - Es war unlängst in einem kleinen Dorf. Da wirbelte eine Dame durch die Menge, um gute Stimmung zu machen für ihren Gatten, der auf einem Bezirks-Kampfmandat für die ÖVP kandidiert. Es sei, erklärte sie allen, auch den bekannt bekennenden Roten, die da herumstanden, völlig egal, welche Partei man am 30. Mai ankreuze. Hauptsache, man gebe ihrem Mann - "unserem Bürgermeister" - die Vorzugsstimme. So was könne man nun.

Ganz genau so wie diese umtriebige Dame im Kleinen verbreitet es die SPÖ im Großen. Durch die Wahlrechtsänderung im Dezember des Vorjahres, so hören es nun die Burgenländer, sei es erstmals möglich, den Landeshauptmann über eine Vorzugsstimme auf der Landesliste direkt zu wählen, was einer "Stärkung der direkten Demokratie" gleichkomme.

Ein wenig Chuzpe gehört allerdings schon dazu, das so darstellen zu wollen. Denn die Wahlrechtsreform vom Dezember besagt nichts anderes, als dass die bislang zur Ungültigkeit führende Uneindeutigkeit des Wählerwillens dem vom Tarock und seinem Herrscher, dem "Gstieß", abgeschauten Prinzip "Vorzugsstimme sticht Parteistimme" weicht.

Seit Donnerstag liegen entsprechende Informationen der Landeswahlbehörde in den Briefkästen. Seit Wochen freilich scheint sich - auch unter tatkräftiger Mithilfe der Wahlwerber - der Eindruck zu verfestigten, es gebe am 30. Mai tatsächlich so etwas wie ein echtes Stimmensplitting.

Befördert wird ein solcher Eindruck auch - oder vor allem - durch die Gemeindewahlordnung im Burgenland. Bei den Gemeinderatswahlen ist es ja tatsächlich möglich, den Bürgermeister oder die Bürgermeisterin direkt zu wählen, auch gegen die eigene Parteistimme. Dann zählen beide - mit der zuweilen kuriosen Folge, dass der Bürgermeister keine Mehrheit im Gemeinderat hat.

Täuschung, Armutszeugnis

Nicht ganz zu Unrecht weisen die Grünen darauf hin, dass das beim Landeshauptmann schon anders sei. Weder zehn- noch zwanzigtausend Vorzugsstimmen könnten einen Landeshauptmann küren, sagt Klubobfrau Grete Krojer, "das tut der Landtag, der wird nämlich gewählt". Insofern sei das "Wählertäuschung". Erstaunlicherweise kontert da ihr roter Kollege, Christian Illedits, forsch, diese "künstliche Aufregung" der Grünen sei ein "demokratiepolitisches Armutszeugnis".

Tatsächlich wird bei einer Landtags-Wahl - so, wie es der Name sagt - der Landtag, also die Legislative gewählt, die ihrerseits erst den Landeshauptmann und seine Regierung, also die Exekutive wählt.

Im Endspurt des burgenländischen Wahlkampfes, den alle irgendwie als eine Art Richtungsentscheidung übers Burgenland hinaus stilisieren, verschwimmen die Grenzen der Gewaltenteilung ein wenig. Der amtierende Landeshauptmann, Hans Niessl, sagt etwa: "Es gibt die Möglichkeit, dem Hans Niessl eine Vorzugsstimme zu geben. Die Alternative dazu ist Schwarz-Blau."

Niessl macht denn auch einen forcierten Vorzugsstimmenwahlkampf. Auch die FPÖ tut das mit Parteichef Johann Tschürtz. Die Grünen und die ÖVP überlassen ein solches Match den hinteren Listenplätzen. Die ÖVP beschränkt aber ihre Kritik aufs Matschkern. Immerhin orientiert sich die pannonische Regelung beinahe 1:1 an Niederösterreich.

Auswirkungen könnte das Vorzugsstimmenwahlrecht auf die Länge des Wahltags haben. Nicht absehbar, hört man, sind die möglichen Streitpunkte in den Wahlkommissionen. Entsprechende Anleitungen sind jedenfalls schon ausgeliefert. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, Printausgabe, 21.5.2010)

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12 Postings
Carlo Tugendhat
12
26.5.2010, 15:19
Man kann als Schwarzer ÖVP wählen und die Vorzugsstimme für den Landeshauptmann abgeben!

Wo liegt das Problem? ;-))

Fritz Wintersberger
00
29.5.2010, 13:25
Vorzugsstimme

Damit ist die Stimme für die ÖVP aber ungültig. Alles klar? Um bei diesem Beispiel zu bleiben. Stärkt die Kleinen. Mehr blau, etwas weniger grün und noch weniger schwarz.

Karl Tugendhat
00
29.5.2010, 16:57
Ach so ist das :-)))

Und wo liegt das Problem? ;-))

a-ch
00
25.5.2010, 15:05
Information ohne Kommentar

Im Burgenland werden derzeit Briefe verschickt (als "Sponsoring Post", "Retouren an Postfach 555, 1008 Wien - SPÖ Info mit Nr. 2"). Datiert sind die Briefe mit "Eisenstadt, im Mai 2010", unterfertigt hat "Mit herzlichen Grüßen Ihr Landeshauptmann Hans Niessl".

Die Briefe haben - je nach Adressat/in - unterschiedliche Texte, aber dasselbe P.S.:
"Sie können den Landeshauptmann direkt wählen! Mit einer Vorzugsstimme für Hans Niessl!"

"Landeshauptmann direkt wählen" ist fett gedruckt.

Gerhard Schwarz
 
00
25.5.2010, 00:00

Jetzt bin ich wirklich baff.
Als in NÖ mit dieser legalen Wählertäuschung die ÖVP ihren haushohen Wahlsieg einfuhr, dachte ich noch, die SPÖ werde dieses demokratiepolitische Unding der NÖ-Landtagswahlordnung bekämpfen.
Aber Schnecken - die SPÖ machte es im Burgenland 1:1 nach.

Der Konterspieler
 
00
21.5.2010, 16:01
I felt a lot better when I lost hope

The quote comes courtesy of Woody Allen

M.P.O.
00
21.5.2010, 08:21

Ich kann auch auf Bezirksebene (Wahlkreis) Vorzugsstimmen vergeben:

Partei: ÖVP
Vorzugsstimme Landesliste: leer
Vorzugsstimme Wahlkreisliste: SPÖ Kanditat

Wer gewinnt??

Bis vor Kurzem gabs da auch noch keine offizielle Meinung.

Herzerzog Johann
00
21.5.2010, 17:09

Vorzugsstimme sticht Parteistimme

steht da oben.

byron sully
00
21.5.2010, 14:25
es wäre eigentlich skandalös,

wenn nicht im vorhinein geklärt wäre, wie so eine stimme gewertet werden soll.

Carlo Tugendhat
01
26.5.2010, 15:28
Also doch nicht skandalös!

FloW ERlebnis
10
20.5.2010, 20:22
Dachte mir ja, das kenn ich doch schon von irgendwo...


'Die ÖVP beschränkt aber ihre Kritik aufs Matschkern. Immerhin orientiert sich die pannonische Regelung beinahe 1:1 an Niederösterreich.'

Quantensprung
00
21.5.2010, 12:04

Kann mich noch daran erinnern, dass da die SPÖ g'matschkert hat und sogar eine Wahlanfechtung in den Raum stellte

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