Pegel der Weichsel vor Rekordstand

20. Mai 2010, 16:21
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Oder-Hochwasser bewegt sich auf Deutschland zu - Lage im Südosten des Landes beruhigt sich

Warschau/Potsdam - Nach schweren Überschwemmungen in Polen nähert sich das Oder-Hochwasser Deutschland. Die Hochwasserlage in Warschau bleibt unter Kontrolle. Der Pegel der Weichsel stieg Freitagfrüh auf 7,24 Meter und damit weit über den Alarmwert von 6,50 Metern, doch die Deiche hielten den Wassermassen vorerst stand. Rund 400 Feuerwehrleute waren auch in der Nacht im Einsatz, um die Dämme zu verstärken. Soldaten halfen mit.

Als besonders gefährdet gilt der Warschauer Tierpark am rechten Flussufer. Dutzende Warschauer, darunter auch Kinder, halfen den Rettungskräften bei der Errichtung einer Sperre aus Sandsäcken. "Wir müssen die Tiere retten", sagte ein Teilnehmer der Aktion dem Fernsehsender TVPInfo.

Rekordstand

Für Freitagabend wurde in Warschau mit dem Hochwasserscheitel gerechnet. Der Pegel soll dann auf 7,80 Meter steigen und damit einen Rekordstand der Nachkriegszeit erreichen. Als kritisch gilt ein Wert von acht Metern.

Auch Breslau bereitete sich auf den Hochwasserscheitel vor, der die niederschlesische Metropole am Samstagmorgen erreichen soll. Die Flutwelle bewege sich wegen der Flutung von Poldern langsamer als erwartet, sagte ein Sprecher des Krisenstabes. Im Gebiet um Oppeln in Schlesien standen rund 100 Ortschaften unter Wasser.

 

Beruhigung an der Weichsel

Im Südosten Polens, wo das Hochwasser von Oder, Weichsel und anderen Flüssen sechs Menschen getötet hatte, beruhigte sich die Lage, im Norden wuchs die Flutgefahr. In der Region um die Kleinstadt Sandomierz in Südostpolen sanken die Pegelstände der Weichsel und ihrer Zuflüsse sogar, wie Innenminister Jerzy Miller sagte. Die Hochwasserwelle der Oder passierte am Donnerstag Opole (Oppeln) und bewegte sich auf Wroclaw (Breslau) zu. In der Region stieg der Pegelstand der Oder kaum noch.

Das Innenministerium erklärte, das Hochwasser der Weichsel bewege sich auf Warschau zu. Ein Krisenteam prüfe notwendige Maßnahmen zum Schutz der Hauptstadt. In Krakau, wo die Weichsel am Mittwoch nach einem Deichbruch mehrere Straßen überschwemmt hatte, konnte der Deich repariert werden. Die Lage sei nun unter Kontrolle, erklärte das Innenministerium.

Deiche gaben nach

In Sandomierz war am Mittwoch damit begonnen worden, rund 4.000 Bewohner mit kleinen Booten in Sicherheit zu bringen, nachdem die Deiche den Wassermassen in der 25.000 Einwohner zählenden Renaissance-Stadt nachgegeben hatten. "Es ist schrecklich, dass uns das passiert, ich hätte nicht gedacht, das noch einmal durchmachen zu müssen", sagte Maria Borecka, die bereits das Hochwasser 1997 erlebt hatte. Ihr Wohnhaus sei nun bis zum zweiten Stock überschwemmt worden. An den Ufern der Weichsel wurden insgesamt mehrere tausend Menschen in Sicherheit gebracht, sechs Menschen waren in den vergangenen Tagen ums Leben gekommen.

Polen hatte am Mittwoch wegen des Hochwassers die anderen EU-Staaten um Hilfe gebeten. Die seit Tagen anhaltenden Überschwemmungen könnten nach Ansicht von Verfassungsrechtlern zu einer Verschiebung der für den 20. Juni geplanten Präsidentschaftswahlen führen. (APA)

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